Pro Familia in Cuxhaven zum "Idahobit": "Sichtbarkeit macht Mut - es ist ein Signal"
Am Sonntag (17. Mai 2026) findet der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (Idahobit) statt. Auch Pro Familia in Cuxhaven macht darauf aufmerksam. In der Region fehle es an Sichtbarkeit und sicheren Räumen.
"Es geht um absolute Sichtbarkeit", sagt Isabel Otto, Stellenleiterin von Pro Familia in Cuxhaven. Am Sonntag (17. Mai 2026) ist der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (Idahobit).
Bereits seit 2005 findet der Tag jährlich statt. Pro Familia in Cuxhaven macht in diesem Jahr zum ersten Mal aktiv auf den Tag aufmerksam. "Wir haben uns Mühe gegeben, im Stadtbild sichtbar zu sein", erklärt Julia Patjens von Pro Familia. Bunte Regenschirme prägen aktuell den Eingang der Beratungsstelle. Sie sollen aufmerksam machen und nicht direkt nach dem Aktionstag wieder verschwinden, schildert Otto. "Der Tag ist wichtig, aber das Thema ist natürlich jeden Tag relevant."
Transgeschlechtlichkeit oft als Phase abgetan
"Wir sind Verbündete", betont Patjens. Die Beratungsstelle soll ein sicherer Ort sein, und zwar für jeden. Sichere Orte, besonders für queere Menschen, fehlen oftmals noch, so Otto. "Für uns ist Vielfalt normal. In der Gesellschaft erleben queere Menschen das im Alltag leider oft anders", sagt Ragna Spargel, die ebenfalls bei Pro Familia arbeitet.
Die Angebote im Bereich sexueller und geschlechtlicher Vielfalt richten sich an alle Menschen - von Angehörigen bis zu Multiplikatoren. Damit sind auch Lehrkräfte oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kindergärten gemeint. "Bereits in der Kita sollten nicht nur heteronormative Familienbilder angesprochen werden", sagt Spargel. Es sei wichtig, dass bei Fachkräften ein Bewusstsein für das Thema da sei, ergänzt Otto. "Transgeschlechtlichkeit ist schon im Kleinkindalter ein Thema. Jedoch wird es oft als 'eine Phase‘ abgetan", erklärt die Leiterin. Pro Familia bietet auch verschiedene Workshops an Schulen an. "Ein wichtiger Teil davon ist es, an Schulen stereotype Geschlechterrollen in Frage zu stellen", sagt Patjens. Es sei wichtig, für die Kinder ansprechbar zu sein und ihnen zu vermitteln, dass kein Thema tabuisiert werde.
Anstieg an diskriminierenden Aussagen
Die Situation für queere Menschen im Landkreis Cuxhaven sei "abgehängt": Wenige explizite Angebote, wenig Sichtbarkeit und auch keine queeren Partys oder einen CSD (Christopher Street Day). "Es fehlt an Räumen der Sichtbarkeit", schildert Otto. Die Beratungsstelle könne als professioneller Ansprechpartner dienen, für Menschen, die sich vernetzen möchten, meint Patjens. Eventuell könne auch eine Gruppe dafür ins Leben gerufen werden, sollten sich mehrere Menschen melden.
"Diskriminierende Aussagen haben in allen Altersgruppen zugenommen", sagt Spargel zur aktuellen Entwicklung. "Es ist wieder salonfähiger geworden", ergänzt Otto. Veränderungen lösen oft erst einmal Unsicherheit aus. Aber: "Vielfalt ist Normalität", betont Spargel.
Der "Idahobit" sei eine gute Einladung, den eigenen Horizont zu erweitern, meint Patjens. "Wenn man das Thema mit einem besonderen Tag kennzeichnet, kann ich mir kurz in Erinnerung rufen, dass es Vielfalt gibt." Es sei zudem ein Zeichen für Menschen in der Stadt und im Landkreis, findet Otto. "Sichtbarkeit macht Mut - es ist ein Signal."
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