Technik am Limit: Aber Cuxhavens Museum Windstärke 10 läuft
Ein PC aus 2013 als Herzstück der Museumstechnik und Attraktionen, die im Dunkeln bleiben - das Museum Windstärke 10 trotzt allen Widrigkeiten. Doch wie lange? Ein Rundgang, der nicht nur Überraschungen, sondern auch dringende Fragen aufwirft.



Es gibt Besuche, die man nicht so schnell vergisst. Als der Kulturausschuss der Stadt Cuxhaven vergangene Woche seine Sitzung ins Museum Windstärke 10 im Fischereihafen verlegte, war das gut gemeint: Man wollte sich einmal selbst ein Bild machen, statt im Rathaus über Berichte zu diskutieren. Was die Ausschussmitglieder dann tatsächlich zu sehen bekamen, sorgte bei manchem für stille Überraschung und bei einigen für unverhohlenes Erschrecken.
Kommissarische Museumsleiterin Inga Brantzky führte die Gruppe durch die Ausstellung und nahm dabei kein Blatt vor den Mund. An einem unscheinbaren Tresen im Eingangsbereich begann die Erläuterung mit dem, was man das Herzstück des Hauses nennen könnte: ein PC aus dem Jahr 2013, der die gesamte Licht- und Mediensteuerung des Museums übernimmt: Sämtliche Beamer, Medienplayer und Beleuchtungsanlagen laufen über diesen einen Rechner. Das Betriebssystem: Windows 10, das Microsoft bereits aus dem Support genommen hat.
"Windows 10 wird nicht mehr unterstützt von Microsoft. Das Betriebssystem ist schon abgängig und hätte eigentlich bereits erneuert werden müssen", erklärte IT-Mitarbeiter Phil-Ole Wiesner dem Ausschuss. Sein Kollege ergänzte nüchtern: "Never change a running system, aber wenn man das System nicht ändert, bekommt man Sicherheitslücken. Und die wollen wir ganz gerne vermeiden."
Rundkino im Museum außer Betrieb
Was die Sitzung dann vollends in eine andere Dimension rückte, war der Gang durch die Ausstellung selbst. Zwei der zentralen Attraktionen des Museums - darunter das spektakuläre Rundkino mit seiner aufwendigen Sechs-Beamer-Projektion - sind seit Längerem außer Betrieb. Beim Rundkino sind es nach Angaben von Inga Brantzky bereits mehr als eineinhalb Jahre, die Aqua-Kultur-Station in der Halle ist sogar schon drei Jahre außer Betrieb.
Das Rundkino, in dem Besucher einst das Gefühl hatten, sich mitten auf dem Meer zu befinden, ist derzeit nicht nutzbar. "Wir haben zwar die Hörstation, aber die macht keinen Sinn ohne das Bild. Es ist auch viel zu dunkel in diesem Raum. Das geht einfach nicht", so Brantzky. Um die aufwendige Projektion wiederbeleben zu können, hat das Museum einen Förderantrag über 25.000 Euro bei der Stiftung Niedersachsen gestellt. Die zweite Hälfte der Gesamtkosten soll aus einer bereits vorliegenden Großspende gedeckt werden.
Improvisieren auf hohem Niveau
Dass das Museum trotz dieser Mängel nach wie vor gut besucht wird und einen exzellenten Ruf weit über Cuxhaven hinaus genießt, steht außer Frage. Funk und Fernsehen gehen nach Aussage der Beteiligten regelmäßig ein und aus, die Resonanz der Besucher ist durchgängig positiv. Nicht zuletzt, weil das Team um Brantzky über Jahre hinweg mit viel Improvisationsgeschick und enger Zusammenarbeit mit der städtischen IT-Abteilung das Schlimmste verhindert hat.
Die Leiterin des Fachbereichs Kultur bei der Stadt Cuxhaven, Gabriele Hoffmann, zollte dem gesamten Museumsteam ausdrücklich Respekt: "Ich möchte nicht versäumen, den Mitarbeitern meine Hochachtung auszusprechen, was sie alles improvisiert und gangbar gemacht haben, auch mit den wenigen Mitteln, die zur Verfügung stehen."
Tatsächlich hat die IT-Abteilung der Stadt im Laufe der Jahre mehrfach helfend eingegriffen, defekte Bildschirme ersetzt, Rechner neu aufgesetzt und günstigere Alternativlösungen entwickelt. Einen Ersatzrechner für den zentralen Steuer-PC gibt es ebenfalls. Eine Vorsichtsmaßnahme, ohne die bei einem Ausfall die gesamte Ausstellung weder ein- noch ausgeschaltet werden könnte.
Der Wunsch: Ein Gesamtkonzept
Die eigentliche Botschaft des Nachmittags formulierte Ausschussmitglied Enak Ferlemann am Ende des Rundgangs in aller Klarheit: Was fehlt, ist kein guter Wille, den hat das Team in reichem Maße bewiesen. Was fehlt, ist ein strukturiertes Gesamtkonzept für die Medientechnik des Hauses, das Kostenabschnitte benennt, Prioritäten setzt und als Grundlage für gezielte Förderanträge dienen kann.
"Wir brauchen von den Fachleuten ein Gesamtkonzept, weil ich als Nicht-Technikfreak, wenn ich irgendwo hingehe und sage, da muss was gemacht werden, dann kommen Fachfragen, die ich nicht beantworten kann. Also brauche ich Leute, die mir was aufgeschrieben haben, dann kann ich für das Geld sorgen."
Dezernentin Petra Wüst und Kulturbereichsleiterin Gabriele Hoffmann, die den Rundgang ebenfalls begleiteten, nahmen die Anregung mit. Das Konzept soll kommen, die Abschnitte sollen definiert werden.
Windstärke 10 ist und bleibt ein lebendiges, viel besuchtes Museum mit großer Strahlkraft. Aber es ist höchste Zeit, dass die Technik im Inneren wieder das hält, was das Haus nach außen verspricht.