Der Kulturausschuss vor dem Rundkino des Museums Windstärke10: Was einst ein Ausstellungshighlight war, liegt seit rund drei Jahren immer einmal wieder im Dunkeln. Der Förderantrag ist gestellt, die Hoffnung bleibt. Foto: Potschka
Der Kulturausschuss vor dem Rundkino des Museums Windstärke10: Was einst ein Ausstellungshighlight war, liegt seit rund drei Jahren immer einmal wieder im Dunkeln. Der Förderantrag ist gestellt, die Hoffnung bleibt. Foto: Potschka
Kulturausschuss besucht das Museum

Technik am Limit: Aber Cuxhavens Museum Windstärke 10 läuft

von Jens Potschka | 21.04.2026

Ein PC aus 2013 als Herzstück der Museumstechnik und Attraktionen, die im Dunkeln bleiben - das Museum Windstärke 10 trotzt allen Widrigkeiten. Doch wie lange? Ein Rundgang, der nicht nur Überraschungen, sondern auch dringende Fragen aufwirft.

Die Projektion passt nicht ganz korrekt in den dafür vorgesehenen Rahmen: Die stellvertretende Museumsleiterin Inga Brantzky zeigt den Ausschussmitgliedern einen weiteren Schwachpunkt in der Ausstellung. Cuxhavens Vorzeigemuseum Windstärke 10 hat vor einigen Jahren eine Reihe von Preisen gewonnen. Jetzt schwächelt die Technik an vielen Stellen. Foto: Potschka
Museum Windstärke 10: Inga Brantzky erläutert dem Kulturausschuss die Herausforderungen der veralteten Technik und den dringenden Bedarf an einem Gesamtkonzept für die Medientechnik. Foto: Potschka
Schwarze Kabel schauen hinter einem zu kleinen Bildschirm hervor, auf dem zu allem Überfluss auch noch eine Steckerleiste offen zu sehen ist. Auch ein Aufkleber auf dem Bildschirmrand macht deutlich: Design geht anders. Foto: Potschka

Es gibt Besuche, die man nicht so schnell vergisst. Als der Kulturausschuss der Stadt Cuxhaven vergangene Woche seine Sitzung ins Museum Windstärke 10 im Fischereihafen verlegte, war das gut gemeint: Man wollte sich einmal selbst ein Bild machen, statt im Rathaus über Berichte zu diskutieren. Was die Ausschussmitglieder dann tatsächlich zu sehen bekamen, sorgte bei manchem für stille Überraschung und bei einigen für unverhohlenes Erschrecken.

Kommissarische Museumsleiterin Inga Brantzky führte die Gruppe durch die Ausstellung und nahm dabei kein Blatt vor den Mund. An einem unscheinbaren Tresen im Eingangsbereich begann die Erläuterung mit dem, was man das Herzstück des Hauses nennen könnte: ein PC aus dem Jahr 2013, der die gesamte Licht- und Mediensteuerung des Museums übernimmt: Sämtliche Beamer, Medienplayer und Beleuchtungsanlagen laufen über diesen einen Rechner. Das Betriebssystem: Windows 10, das Microsoft bereits aus dem Support genommen hat.

"Windows 10 wird nicht mehr unterstützt von Microsoft. Das Betriebssystem ist schon abgängig und hätte eigentlich bereits erneuert werden müssen", erklärte IT-Mitarbeiter Phil-Ole Wiesner dem Ausschuss. Sein Kollege ergänzte nüchtern: "Never change a running system, aber wenn man das System nicht ändert, bekommt man Sicherheitslücken. Und die wollen wir ganz gerne vermeiden."

Rundkino im Museum außer Betrieb

Was die Sitzung dann vollends in eine andere Dimension rückte, war der Gang durch die Ausstellung selbst. Zwei der zentralen Attraktionen des Museums - darunter das spektakuläre Rundkino mit seiner aufwendigen Sechs-Beamer-Projektion - sind seit Längerem außer Betrieb. Beim Rundkino sind es nach Angaben von Inga Brantzky bereits mehr als eineinhalb Jahre, die Aqua-Kultur-Station in der Halle ist sogar schon drei Jahre außer Betrieb.

Das Rundkino, in dem Besucher einst das Gefühl hatten, sich mitten auf dem Meer zu befinden, ist derzeit nicht nutzbar. "Wir haben zwar die Hörstation, aber die macht keinen Sinn ohne das Bild. Es ist auch viel zu dunkel in diesem Raum. Das geht einfach nicht", so Brantzky. Um die aufwendige Projektion wiederbeleben zu können, hat das Museum einen Förderantrag über 25.000 Euro bei der Stiftung Niedersachsen gestellt. Die zweite Hälfte der Gesamtkosten soll aus einer bereits vorliegenden Großspende gedeckt werden.

Improvisieren auf hohem Niveau 

Dass das Museum trotz dieser Mängel nach wie vor gut besucht wird und einen exzellenten Ruf weit über Cuxhaven hinaus genießt, steht außer Frage. Funk und Fernsehen gehen nach Aussage der Beteiligten regelmäßig ein und aus, die Resonanz der Besucher ist durchgängig positiv. Nicht zuletzt, weil das Team um Brantzky über Jahre hinweg mit viel Improvisationsgeschick und enger Zusammenarbeit mit der städtischen IT-Abteilung das Schlimmste verhindert hat.

Die Leiterin des Fachbereichs Kultur bei der Stadt Cuxhaven, Gabriele Hoffmann, zollte dem gesamten Museumsteam ausdrücklich Respekt: "Ich möchte nicht versäumen, den Mitarbeitern meine Hochachtung auszusprechen, was sie alles improvisiert und gangbar gemacht haben, auch mit den wenigen Mitteln, die zur Verfügung stehen."

Tatsächlich hat die IT-Abteilung der Stadt im Laufe der Jahre mehrfach helfend eingegriffen, defekte Bildschirme ersetzt, Rechner neu aufgesetzt und günstigere Alternativlösungen entwickelt. Einen Ersatzrechner für den zentralen Steuer-PC gibt es ebenfalls. Eine Vorsichtsmaßnahme, ohne die bei einem Ausfall die gesamte Ausstellung weder ein- noch ausgeschaltet werden könnte.

Der Wunsch: Ein Gesamtkonzept

Die eigentliche Botschaft des Nachmittags formulierte Ausschussmitglied Enak Ferlemann am Ende des Rundgangs in aller Klarheit: Was fehlt, ist kein guter Wille, den hat das Team in reichem Maße bewiesen. Was fehlt, ist ein strukturiertes Gesamtkonzept für die Medientechnik des Hauses, das Kostenabschnitte benennt, Prioritäten setzt und als Grundlage für gezielte Förderanträge dienen kann.

"Wir brauchen von den Fachleuten ein Gesamtkonzept, weil ich als Nicht-Technikfreak, wenn ich irgendwo hingehe und sage, da muss was gemacht werden, dann kommen Fachfragen, die ich nicht beantworten kann. Also brauche ich Leute, die mir was aufgeschrieben haben, dann kann ich für das Geld sorgen."

Dezernentin Petra Wüst und Kulturbereichsleiterin Gabriele Hoffmann, die den Rundgang ebenfalls begleiteten, nahmen die Anregung mit. Das Konzept soll kommen, die Abschnitte sollen definiert werden.

Windstärke 10 ist und bleibt ein lebendiges, viel besuchtes Museum mit großer Strahlkraft. Aber es ist höchste Zeit, dass die Technik im Inneren wieder das hält, was das Haus nach außen verspricht.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Bild von Jens Potschka
Jens Potschka

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

potschka@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Kritik an Informationslage

Lauter Knall in Cuxhaven zu hören: Was hinter dem "Beben" steckt

Eine geplante Munitionssprengung auf der Jade sorgte für Erschütterungen bis nach Cuxhaven und verunsicherte sowohl Anwohner als auch ihre Haustiere. Die eingeschränkte Informationslage im Vorfeld stößt auf Kritik.

In Martinskirche Ritzebüttel

In neuem Klang: Blasorchester Loccum verzaubert mit Welthits in Cuxhaven

Die Martinskirche in Cuxhaven-Ritzebüttel wurde zum Schauplatz eines besonderen musikalischen Erlebnisses, als das Blasorchester Loccum mit Welthits das Publikum in seinen Bann zog und eine bewegende Klangreise bot.

Online-Voting gestartet

Bauwagen-Projekt des AAG Cuxhaven schon unter den Top 50 im Bundeswettbewerb

von Redaktion

Ein alter Bauwagen wird zum modernen Schulgarten-Treffpunkt und könnte das Amandus-Abendroth-Gymnasium Cuxhaven im Handwerkswettbewerb an die Spitze katapultieren. Jede Stimme zählt beim Online-Voting.

Farbenfroher Ansturm

Blumenmarkt in Cuxhaven: Tausende Besucher feiern den Frühling in der Innenstadt

von Christian Mangels

Das Cuxhavener Zentrum stand am Sonntag ganz im Zeichen des Frühlings: Der Blumenmarkt zog zahlreiche Besucher an und entwickelte sich zu einem sinnlichen Fest voller Farben, Düfte und inspirierender Eindrücke. Das sind die schönsten Fotos vom Markt.