TV-Star Jochen Bendel adoptiert "Listenhund" Ares aus dem Tierheim Cuxhaven
Tierheim-Hund, "Listenhund". Der junge American Staffordshire Terrier Ares weiß von all den Stempeln nichts, die ihm die Menschen aufdrücken. Doch er hat Glück - und erweitert jetzt das Rudel von Hundeprofi und Moderator Jochen Bendel.
Plötzlich schnarchen drei Hunde im Cuxhavener Hause Bendel. Rudelchef Gizmo unten im Körbchen, Snoopy und Khaleesi bei Jochen Bendel im Büro. Vor drei Wochen hat der Moderator und Hundetrainer (Ruck Zuck, Haustier sucht Herz) mit seinem Mann Matthias den sechs Monate alten American Staffordshire Terrier (AmStaff) Ares aus dem Tierheim Cuxhaven adoptiert. Hundehalter und der Neuankömmling selbst, der seitdem Snoopy heißt, haben bis dahin einiges durchgemacht.
Eigentlich hatten die beiden den dreieinhalb Jahre alten AmStaff Benno aus München schon fast adoptiert, dem der Stempel "Listenhund" und die deutsche Bürokratie seine Familie gekostet hatte. Doch leider war Mops-Opa Gizmo gar nicht mit dem unkastrierten Rüden einverstanden.
Stress im Rudel
"Die Hunde waren die ganze Zeit sehr gestresst. Benno brauchte einen Ort bei einer Einzelperson, wo er zur Ruhe kommen kann." Bei einer Bekannten durfte Benno nun genau das tun. Doch er hinterließ ein großes Loch im Herzen der beiden Männer. "Das war wirklich ein kleines Trauma. Wir haben uns so auf ihn gefreut. Es war wirklich schlimm, sich von ihm zu trennen." Für Jochen Bendel wäre es auch die Gelegenheit gewesen, zu zeigen, was sogenannte Listenhunde für "großartige Hunde" sind und wie wichtig Prägung, soziales Umfeld und Erziehung sind. Was sie zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen: Nur wenige Kilometer von ihnen entfernt wartet ein sechs Monate alter AmStaff nach einer kräftezehrenden Reise sehnlichst auf seinen sicheren Hafen.

Unsicherheit sorgt für radikale Entscheidungen
Der Hundetrainer ist Beirat für das Institut Forschung Listenhunde, das dem Tierschutzverein München angegliedert ist. Der Verein berät Ministerien auf Landes- und Bundesebene und klärt über Listenhunde auf. Er setzt sich außerdem für eine bundesweit einheitliche Regelung ein.
Derzeit haben nur vier Bundesländer keine Rasseliste: Schleswig-Holstein, Thüringen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Überall sonst werde es bis auf kommunaler Ebene anders gehandhabt, erklärt Bendel. "Am Ende müssen unerfahrene Verwaltungsangestellte Entscheidungen treffen." Die aus Unsicherheit heraus viel zu oft viel zu radikal und gegen das Tierwohl ausfallen würden.
Liebe auf den ersten Blick
Während die Bendels noch um Benno trauern, wartet Snoopy in seiner Cuxhavener Pflegestelle. Er stamme von Vermehrern aus Polen, viel zu früh von seiner Mutter getrennt und sei nicht geimpft gewesen. Von seiner ersten Familie abgegeben, landete der Rüde für zehn Wochen in Quarantäne im Tierheim Bremerhaven, bevor er in die Pflegestelle des Tierheims Cuxhaven zog.
Eines Tages wird Bendel ein Foto zugeschickt. Er ruft sofort an. Noch am selben Tag besucht er den Rüden gemeinsam mit seiner achtjährigen Labradorhündin Khaleesi. "Ich habe mich in ein großes Hundebett gesetzt, weil ich mit ihm auf Augenhöhe gehen wollte. Dann hat er sich sofort zwischen meine Beine gelegt und ist eingeschlafen", erinnert sich Bendel. Voller Hoffnung nimmt er Snoopy am gleichen Abend zur Probe mit nach Hause.
Ansage von Mops-Opa Gizmo sitzt
Bei einem Spaziergang trifft er zum ersten Mal auf Mops-Opa Gizmo - alles gut. Im heimischen Garten machte Gizmo Ares eine richtige Ansage, dass es schepperte. "Er hat einem sechs Monate alten Rüden eigentlich gar nichts entgegenzusetzen und ist dabei erst mal nach hinten auf den Hintern gefallen. Auf Snoopy hat das aber richtig Eindruck gemacht. Seitdem respektieren sie sich."
In der ersten Nacht, die Snoopy bei den Bendels geschlafen hat, tigerte er unruhig hin und her. Als sich Bendel zu ihm heruntersetzte, drückte Snoopy den Kopf fest an Bendels Brust und seufzte einmal tief. "Da habe ich mir gedacht: Ja, das ist schwer für dich."

Der ständige Wechsel, keiner weiß, wie er in seinen ersten Familien behandelt worden ist, Quarantäne, Pflegestelle - dabei ist am Anfang alles, was ein Hund braucht, Ruhe, Sicherheit und Orientierung. Es liegt noch viel Arbeit vor ihnen, denn selbst für zwei ausgebildete Hundetrainer sei es gar nicht so einfach, einen Drei-Generationen-Hundehaushalt zu managen. Doch die Familie wächst von Tag zu Tag mehr zusammen: "Da ist mit dem sechs Monate alten Welpen ordentlich Pfeffer in unser ruhiges ausgeglichenes Rudel gekommen. Manchmal fühle ich mich hier wie ein Zirkusdirektor. Und sehe, wie die 'alten‘ mit den Augen rollen: 'Was macht der denn jetzt schon wieder?‘ Aber irgendwie finden sie es auch cool. Und wir auch."
Von Katja Gallas