Beachhandball in Duhnen: Rekordturnier begeistert mit 700 Spielern und Seenebel
Während Beachhandball-Teams am Duhner Strand um den Sieg kämpfen, zieht ein unerwartetes Naturschauspiel alle Blicke auf sich. Die Mischung aus sportlichem Ehrgeiz und Seenebel sorgt für unvergessliche Momente.
Die Schiedsrichterpfeifen sind schon hinter dem Deich zu hören. Wer sich der Sparkassen-Beach-Arena nähert, spürt die Spannung, bevor er den Sand sieht. 23 Grad, Sonnenschein, volle Parkplätze mit Kennzeichen aus halb Deutschland. Das Beachhandballturnier des Handballverbandes Niedersachsen-Bremen ist zurück in Duhnen, und mit ihm ein Rekord.
Rekordfeld am Duhner Strand
60 Mannschaften, mehr als 700 Spielerinnen und Spieler, dazu ein Frauen- und ein Herrenteam des TSV Altenwalde als Cuxhavener Aushängeschild. Turnierleiter Detlef Kortstegge erinnert sich an den Anfang: 2022 waren es 28 Teams. "Das Positive ist, dass die Resonanz immer größer wird", sagt er. Was den Standort ausmacht, bringt er in einem Satz auf den Punkt: "Die Kombination Stadion direkt am Wasser gibt es in Deutschland nicht so häufig. Cuxhaven ist für uns immer die erste Adresse." Auf acht Feldern und dem Center Court laufen die Partien im leistungsdifferenzierten A- und B-Cup, dazu ein Ü30-Pokal.

Kempa-Tricks und Pirouetten wechseln sich mit rasanten Tempogegenstößen ab, dazwischen Jubelrufe, Anfeuerungen, das Abklatschen der Hände. Am Spielfeldrand stehen die Mannschaften in kleinen Trauben zusammen, Arme über den Schultern, ein Schlachtruf, dann geht es aufs sandige Spielfeld. Familien haben Sonnenschirme aufgespannt, ein Baby schläft im Kinderwagen, ein Kind gräbt sich neben Court 1 ein Schlammloch ins Watt und lacht dabei aus vollem Hals. Über die Promenade schlendern Urlauber, bleiben stehen, lächeln, fiebern mit, obwohl einige von ihnen mit Handball sonst wenig am Hut haben. Von See zieht kurz Nebel auf, doch die Sonne kämpft sich zurück. Ein Naturschauspiel, mitten im Turnierbetrieb.

Die Nacht des Sturms
Ganz vergessen ist das Unwetter vom Kinderturnier vor drei Wochen nicht. Damals musste das Gelände mitten in der Nacht evakuiert werden, 1200 Kinder in Sicherheit gebracht, das Turnier abgesagt. Kortstegge erzählt die Nacht so, wie sie war: Wetterleuchten am Himmel, dann starker Wind, sieben Minuten später ein Wolkenbruch, wie er ihn noch nicht erlebt hat. Die Entscheidung, abzusagen, war für ihn dennoch klar: "Da sind Kinder, die die ganze Nacht wach waren, und sollten dann bei 30 Grad noch fünf, sechs Spiele im Sand machen. Das kann man nicht verantworten." Beim Seniorenturnier ist er entspannter, mit Erwachsenen und nur 50 statt 110 Zeltplätzen auf der Deichwiese. Sein Wunsch an die NHC bleibt trotzdem konkret: ein Blitzableiter fürs Catering-Zelt, kürzere Evakuierungswege. Immerhin, ein kleiner Fortschritt ist da: Bei erneuter Gefahr steht künftig auch das Freibad Steinmarne als Zufluchtsort bereit.

Neue Stimme am Mikrofon
Wer heute über die Sprechanlage zu hören ist, steht zum ersten Mal an diesem Strand: Fabian Ahnfeld, sonst Hallensprecher beim Heidecup in Schneverdingen, ist über einen Kollegen nach Cuxhaven vermittelt worden. Seine Bilanz nach wenigen Stunden: "Ab der ersten Sekunde bin ich verzaubert. Coole Tore, coole Aktionen, Spannung bis zur letzten Sekunde." Und ganz ehrlich gibt er zu, was ihn antreibt: "Ich liebe es, meine Stimme aus den Lautsprechern zu hören." Drei Wochenenden wird er noch am Mikro stehen, mit Blick auf das Wattenmeer und den Center Court. Für die Sicherheit auf dem Feld sorgt derweil ein eingespieltes Helferteam. Glasflaschen sind tabu, barfuß im Sand wird jede Scherbe zur Gefahr. Den Aufbau der Spielfelder übernimmt traditionell der TSV Altenwalde, ein Miteinander, das seit Jahren funktioniert.

Junge Teams, große Freude
Am Spielfeldrand erzählen die jungen Sportler, warum sie hier sind. Marvin und sein Sportsfreund Tim Schulze aus Bremerhaven nennen es schlicht Teambuilding: "Im Sand spielen, das gute Wetter ausnutzen. Die Stimmung ist super, ich kann es nur empfehlen." Paul Kaschner ist mit seinem Verein extra aus Münster angereist, gleich mit fünf Mannschaften: "Als Hallensportler ist es einfach mal cool, draußen zu sein, frische Luft und Sonne mitzunehmen."

Genau dieses Miteinander sieht auch Kortstegge als das eigentliche Kapital seines Sports: "Hier steht selten der Erfolg vorn, hier ist das Miteinander das große Plus." Wie ernst er das meint, zeigt eine Erinnerung, die ihn bis heute begleitet: Beim Inklusionsturnier im vergangenen Jahr organisierten Jugendliche spontan ein Spiel gegen ein verspätetes Team, aus reiner Lust am gemeinsamen Sport. "Diese Bilder werde ich nie vergessen", sagt er. Am Sonntagnachmittag, wenn die Endspiele entschieden sind, bleibt vor allem eines: ein Strand, der wieder gezeigt hat, warum er in der Beachhandball-Szene seinesgleichen sucht.








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