Ingo Espenschied, Journalist und Politologe, stellte am Schulzentrum Otterndorf multimeldia europäische Geschichte in den Mittelpunkt. Foto: Gade
Ingo Espenschied, Journalist und Politologe, stellte am Schulzentrum Otterndorf multimeldia europäische Geschichte in den Mittelpunkt. Foto: Gade
Thema Europa

Am Otterndorfer Schulzentrum: Interaktiver Geschichtsvortrag

16.09.2026

Im Schulzentrum Otterndorf erlebten Jugendliche einen multimedialen Vortrag über die Entstehung der EU, der Geschichte lebendig machte und das Bewusstsein für Chancen wie Schengen und Erasmus+ schärfte.

"Woher kommen die Ursprünge des völkerverbindenden europäischen Gedankens? Wie kam es zur Gründung der Europäischen Union? Welchen Zweck verfolgten die Politiker, als nach dem Zweiten Weltkrieg der Grundstein für die europäische Zusammenarbeit gelegt wurde? Was hat die EU eigentlich mit mir zu tun?" Jugendliche erhielten auf diese Fragen Antworten.

Ingo Espenschied, Journalist und Politologe mit dem Schwerpunkt für europäische Beziehungen, war zusammen mit Arian Kuhn von Europe Direct zu Besuch am Schulzentrum Otterndorf. Der interaktiver Geschichtsvortrag, multimedial aufbereitet, hatte es in sich.

Espenschied erläuterte anhand einer karikierten Europakarte die Gefräßigkeit und Kriegslust europäischer Länder im 19. Jahrhundert. "Die großen Gebiete fressen die Kleinen. Warum das alles?" fragte Espenschied die Heranwachsenden. Negative Höhepunkte in der deutsch-französischen Nachbarschaft seien der deutsch-französische Krieg 1870/71, der Erste Weltkrieg 1914-1918 und der Zweite Weltkrieg 1939-1945 gewesen. Kriege, die Millionen Menschenleben forderten, Leid, Elend und Zerstörung mit sich brachten. Viele Menschen merkten, so konnte es nicht weitergehen, sagte Espenschied. So auch Robert Schumann, französischer Außenminister, der in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg den Gedanken einer friedlichen Zusammenarbeit der europäischen Staaten durch seinen "Schumann-Plan" maßgeblich voranbrachte: Mit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) wurde eine erste tiefere Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich begründet. Kohle und Stahl, Grundressourcen der Rüstungsindustrie, sollten fortan jedem Staat der Montanunion zur Verfügung stehen, ohne Zoll zahlen zu müssen.

Von den Römischen Verträgen bis Schengen

Mit den Römischen Verträgen Mitte der 1950er Jahre gelang eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit weiteren europäischen Ländern, die vielen Mitgliedstaaten in den kommenden Jahrzehnten zu ökonomischer Prosperität verhalf. Ein entscheidend positives Ergebnis der weiteren europäischen Zusammenarbeit sei dann Mitte der 1980er Jahre das Schengener Abkommen gewesen, welches die Binnengrenzen in Europa öffnete, den Handel und das Reisen maßgeblich vereinfachte, erläuterte der Journalist Espenschied den Jugendlichen. Dann der Durchbruch: 1992 wurde die Europäische Union gegründet, ein Staatenverbund, dem heute 27 europäische Staaten angehören.

Der Euro im Jahre 2002 als Gemeinschaftswährung brachte Vereinfachungen im Zahlungswesen mit sich und hält sich bis heute als stabiles Zahlungsmittel. "Auch wenn wir Einschnitte wie den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU im Jahr 2020 verkraften müssen, so ist ein wichtiges Ergebnis aller europäischen Bemühungen 75 Jahre Frieden. Frieden, daran müssen wir uns immer wieder erinnern, ist nichts Selbstverständliches", so Espenschied. "Den Frieden zu behalten, muss die größte Anstrengung aller Europäer sein." Umso mehr sei es an jedem jungen Heranwachsenden, Chancen zu ergreifen, die die EU böte. Chancen, die für Völkerverständigung sorgten. Eine Möglichkeit: Mit Erasmus+ ins Ausland zu gehen, eine andere Schule ein Halbjahr oder ein Schuljahr zu besuchen, Menschen aus anderen Ländern kennenzulernen, mit ihnen zu arbeiten und zu leben, die Sprache vor Ort zu lernen, sich auszutauschen. "Was wir im Alltag von der Europäischen Union haben, dass wir Freiheit genießen, dass wir über Grenzen gehen können, dass wir Wohlstand haben, fällt uns kaum mehr auf, weil es so selbstverständlich geworden ist", gab der Politologe und Journalist zu bedenken.

Nach dem 60-minütigen multimedialen Vortrag durften die Jugendlichen ein Quiz mit 15 Fragen lösen. Am Ende stand der Gewinner unter den 130 Jugendlichen fest: David Gusewski aus der 10b belegte den 1. Platz. Erstklassiges Feedback gab es von vielen Heranwachsenden. "Ich fand den Vortrag superspannend und gut. Besonders toll war, wie uns Herr Espenschied die Entwicklung und die Zusammenhänge der EU erklärt hat", sagte Tabea Lenz aus der 10a. "Vieles war mir neu. Besonders die Möglichkeiten, ins europäische Ausland zu gehen und dort zu studieren und leben, sind klasse."

Claudia Buck, Lehrerin für Politik an der Johann-Heinrich-Voß-Schule und Hauptorganisatorin der Veranstaltung, stellt fest: "Herr Espenschied hat heute über 200 jungen Menschen die EU geschichtlich nähergebracht. Er hat wachgerüttelt und aufgezeigt, was die EU für die jungen Menschen tut und welche Möglichkeiten man heutzutage hat, sich international weiterzubilden. Ich hoffe sehr, dass viele junge Menschen diese Chancen nutzen und zu mündigen Europäern heranwachsen."

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