Auch Getreide kann unter "Hitzestress" leiden: Erste Bilanz im Kreis Cuxhaven
Die meisten Ackerbauern im Cuxland haben ihre Getreideernte eingefahren. Das Thema ist quasi in "trockenen Tüchern". Aber vielleicht zu trocken? Hitzeperioden und teilweise zu geringer Niederschlag sorgen für eine gemischte (Zwischen-)Bilanz.
"Voll im Hitzestress" - eine Formulierung, die angesichts der teils hohen Temperaturen in den vergangenen Tagen und Wochen wohl etliche Menschen im Cuxland auch für sich reklamieren würden. Doch dieser Zustand gilt auch für viele Getreidesorten, wenn man mit Experten über die laufenden Erntearbeiten im Elbe-Weser-Raum spricht. Denn: Je nach Standort, Bodenqualität und regionalem Wetter hat die teils enorme Hitzewelle zu Problemen bei der "Kornfüllung" geführt - und das mit Folgen bei Ertrag und Qualität.
Natürlich gibt es über das Jahr gesehen in der Landwirtschaft niemals "den" idealen Witterungsverlauf, wenn man Getreidebauern zeitnah nach der jeweiligen Ernte fragt. Im vergangenen Jahr war es ähnlich. Von "extremen Wetterkapriolen" mit Trockenheit und Dauerregen war im Cuxland die Rede. Später hieß es in einer Erntebilanz im September seitens der Landwirtschaftskammer, dass man zwar zum Teil "sehr beachtliche Erträge" erzielt habe, aber die Preise "vielfach enttäuschend" gewesen seien.
Ernte mit Licht und Schatten
Und in diesem Jahr? Wer in den vergangenen Tagen durch das Cuxland fuhr, konnte als Laie angesichts der vielen bereits ungewöhnlich früh abgeernteten Flächen und der zahlreichen Mähdrescher im Dauereinsatz meinen, dass die Landwirte eine gute Ernte einfahren würden. Doch erneut handelt es sich aus Erzeugersicht um eine Ernte mit Licht und Schatten, denn diesmal ist die Hitze der vergangenen Wochen wohl ein Manko gewesen.
Das weiß auch Michel Fastenau von der Landwirtschaftskammer in Bremervörde, der viele Landkreise zwischen Elbe und Weser im Blick hat. "Da gibt es selbst in diesem Raum zum Teil große regionale Unterschiede", sagt der Experte auf Anfrage der NEZ/CN-Redaktion. Während die meisten Getreidearten im südlicheren Bereich erntemäßig weitgehend unter Dach und Fach seien, sehe es zum Beispiel auf Marschstandorten im Cuxland (noch) anders aus. Doch das ändere sich kurzfristig.
"Kornfüllungsphase" wurde zum Problem
Auch Fastenau bestätigt das, was andere Fachleute unterstreichen. So hatten sich viele Landwirte in Niedersachsen die Frage gestellt, wie sich die Hitzewelle auf das Pflanzenwachstum auswirken würde. Ihre Befürchtung: Bestände könnten gerade auf sandigen und leichten Standorten rasch abreifen - auch angesichts fehlender Bodendeuchtigkeit. Der Fokus lag dabei auf der sogenannten "Kornfüllungsphase". Die "Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft" (DLG) sprach in diesem Zusammenhang bereits Ende Juni von einem Gefühl der Getreidebauern "zwischen Frust und Freude".
Mehr als einen Monat später meldeten sich in dieser Woche der niedersächsische Landvolk-Präsident Dr. Holger Hennies und der Verbands-Ausschussvorsitzende für "Pflanzliche Erzeugnisse" im Landvolk, Konrad Westphale, zu Wort. Die beiden beschäftigten sich unter anderem auch mit den Hitzeperioden und den daraus vielerorts vermeintlich stark gesunkenen Erträgen. "Unsere Ackerbauern geraten in einen enormen Liquiditätsengpass. Deshalb müssen viele ihr Getreide notgedrungen schon jetzt in der Ernte verkaufen und können nicht auf die von den Terminmärkten vorhergesagten höheren Preise im Herbst warten", sagt Westphale. Getreide ist nun einmal in der kosten- und ertragsgetriebenen Landwirtschaft ein Termingeschäft.
Landvolk-Chef Hennies legt nach: "Wir fordern keine Marktintervention und keine Abschaffung unternehmerischer Risiken", betont er. Doch dann kommt das große "Aber". Hennies: Aber angesichts zusätzlicher Erschwernisse für die Getreidebauern und außergewöhnlicher Marktverwerfungen sei auch eine "außergewöhnliche Unterstützung" notwendig. Andernfalls drohten "enorme Wertschöpfungsverluste im ländlichen Raum, Produktionsrückgänge und sogar eine Verlagerung der Lebensmittelproduktion ins Ausland".
Der Titel einer Pressemitteilung des Landvolk-Pressedienstes vom Dienstag (4. August) lautete übrigens: "Landvolk fordert schnelle Hilfe für Niedersachsens Ackerbaubetriebe".
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