Bio-Bäuerin aus Leidenschaft: Rebecka (34) kehrte mit Ideen nach Osterbruch zurück
Rebecka Oellermann lebt ihre Leidenschaft für die Landwirtschaft auf ihrem Biobetrieb in Osterbruch. Mit ökologischer Landwirtschaft, Ferienwohnungen und einem Herz für Inklusion vereint sie Naturverbundenheit und gesellschaftliches Engagement.

Mit dem an der Wand aufgestellten "Kreuz ohne Haken" zeigt die Familie gleich auf der Hofauffahrt sichtbar Haltung für die Demokratie. Kurz darauf die nächste freundliche Begrüßung: Bernhardinerdame Molly trabt schwanzwedelnd auf den Besuch zu, noch bevor die Hausherrin mit festem Händedruck, einem offenen Lächeln und festem Augenkontakt herzlich willkommen heißt.
Diese zierliche Person kann anpacken. Das muss sie auch - von Berufs wegen. Rebecka Oellermann (34) ist Landwirtin. Die Agrarwissenschaftlerin mit Masterabschluss führt den Biobetrieb in Osterbuch - und hat noch einiges auf ihrem Hof im Norderende vor.
Sie ist Landwirtin aus Leidenschaft. Anders als ihre Geschwister zeigte sie an dem elterlichen Hof schon früh Interesse. Vor fünf Jahren kehrte sie aus Hamburg ins Dorf zurück, mit ihrem Mann Stefan (43), der von Haus aus Diplom-Ökonom ist, sich aber immer mehr ins Landwirtsleben hineinfuchst. Sie setzt auf ein gutes Miteinander: "Stefan, mein Vater und ich sind ein Team. Jeder bringt sich hier mit seinen Stärken ein." Vor drei Jahren erfolgte die Umstellung von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft unter dem Naturland-Siegel. Dabei hätte die Prämie durch das Land Niedersachsen erheblich geholfen.
80 Hektar werden in Osterbruch bewirtschaftet
Zum Betrieb zählen heute 60 Hektar Acker- und 20 Hektar Grünland sowie 25 Mutterkühe mit ihrer Nachzucht, die von April bis Ende Oktober auf den Weiden am Haus und im Dorf laufen. Rebecka Oellermann setzt auf möglichst kurze Wege. Mit einem Bio-Puten-Betrieb aus der Region hat sie eine Futter-Mist-Kooperation und der Mais geht an einen benachbarten Bio-Milchviehbetrieb in Bülkau-Süderende. Die Schlachtung der Tiere erfolgt in Osten.
Auf den Feldern wachsen Getreide, Mais, Klee und Ackerbohnen. Rebecka Oellermann ist die Begeisterung für ihre Arbeit anzumerken. Sie sticht mit dem Spaten in den Boden ins abgeerntete Feld, nimmt sich eine Handvoll schwarzer Erde und zerkrümelt sie mit den Händen: "Dieser tonige Marschboden hilft uns. Der Boden kann viel Wasser speichern und uns durch Trockenperioden retten." Das Ergebnis der Weizenernte dieses Jahres bringt sie zum Strahlen: "Wir hatten eine Rekordernte. Durch die Hitzewellen sind die Ähren schnell abgereift und daher konnten wir früh ernten." Die Bodenqualität sieht die Bäuerin für ihren Betrieb als Chance, mit dem Klimawandel und Hitzewellen gut klarzukommen.
Der großen Herausforderung, Haus, Hof und Kinder sicher zu managen, stellt sie sich selbstbewusst. Ihre beiden Söhne Paul und Johannes sind fünf und zwei Jahre alt. Drinnen und draußen haben sie ihre Ecken zum Spielen. "Mama, mir ist langweilig, habe ich hier noch nicht gehört. Das war auch schon in meiner Kindheit so - und das Schöne war, dass Papa und Mama immer zu Hause waren." Der große malerische Garten mit Blumen- und Gemüsebeeten und vielen Bäumen ist das Werk ihrer Mutter. Und Rebecka Oellermann setzt sich für weitere Begrünung ein, zum Beispiel mit dem Pflanzen von insektenfreundlichen Hecken.
Barrierearme Ferienwohnung seit Frühjahr
Der Baumbestand spendete besonders an den Hitzetagen angenehmen Schatten. Das wussten auch die Feriengäste zu schätzen. Nachdem Udo und Marion Oellermann nach Otterndorf gezogen sind, haben Rebecka und Stefan mit den Kindern das große Bauernhaus bezogen. Und die Wohnung im früheren Stall bauten sie für Feriengäste um. "Wichtig war mir dabei die Barrierearmut, um Menschen mit Handicap Urlaub auf dem Bauernhof zu ermöglichen, denn das gibt es eher seltener", erläutert die Landwirtin.
Seit diesem Frühling ist die Ferienwohnung Alter Kälberstall in der Vermarktung und gut nachgefragt. Sie besteht aus zwei Schlafzimmern und einer ausgestatteten Küche, hat eine eigene kleine Terrasse und Zugang zum großen Garten, in dem sich eine große Außenküche, sogar mit Steinofen, befindet. Feriengäste erleben eine Hofstelle, die mit Kühen, Hund, Katze, Hühnern und Puten ein Stückweit Bullerbü ist.
In der Zukunft vorstellbar ist für Rebecka, den Hof mehr für Gruppen zu öffnen, vielleicht gerade auch für beeinträchtigte Menschen oder Leute mit Demenz. "Es ist mir eine Herzensangelegenheit, Menschen mit der Landwirtschaft zusammenzubringen", lacht sie. Rebecka Oellermann ist eben eine Person, die sich ihrer Achtsamkeit gegenüber der Gesellschaft und der Natur stellt.
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