Heizen, sanieren, sparen: Landwirte diskutieren neue Technik in Bülkau
Viele Gäste folgten der Einladung des Vereins der landwirtschaftlichen Fachschulabsolventen Otterndorf/Cadenberge in das "Bürgerhus" in Bülkau. Neben Wahlen und Ehrungen standen vor allem zwei praxisnahe Vorträge im Mittelpunkt.
Volles Haus im "Bürgerhus": Zwei praxisnahe Vorträge über Haussanierung und Wärmepumpen standen im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung des Vereins der landwirtschaftlichen Fachschulabsolventen Otterndorf/Cadenberge. Das Thema traf offenbar einen Nerv - viele Landwirte aus dem Altkreis Land Hadeln und darüber hinaus waren trotz arbeitsreicher Tage auf den Feldern nach Bülkau gekommen.
Vereinstreffen mit Klassentreffen-Atmosphäre
"Es ist immer wieder schön - fast wie ein Klassentreffen", begrüßte der Vorsitzende Bernd Markus Böye, Landwirtschaftsmeister aus Lüdingworth, die Gäste. Rund 300 Einladungen waren im Vorfeld verschickt worden. Traditionell verbindet der Verein seine Versammlung mit Vorträgen zu aktuellen Themen. In den vergangenen Jahren ging es unter anderem um Burnout, finanzielle Krisen oder Hofübergaben. Diesmal stand die Frage im Raum, wie sich große Gebäude energetisch zukunftsfähig aufstellen lassen.
Für das leibliche Wohl sorgte die Bülkauer Köchin Ute von Thaden mit einer deftigen Gulaschsuppe, Nachschlag inklusive. Für einen Moment wurde es jedoch still im Saal, als die Mitglieder dem verstorbenen Richard Steinmetz gedachten, der dem Verein 70 Jahre angehört hatte. Neben den Berichten standen auch Wahlen auf der Tagesordnung. Ohne Gegenstimmen wurde Böye für weitere zwei Jahre als Vorsitzender bestätigt. Schriftwartin Martina Gerlach wurde verabschiedet. Neuer Kassenwart ist Jan-Phillipp Brüggemann, zum Kassenprüfer wurde Frank Kopf gewählt. Zudem ehrte der Verein bewährte Mitglieder für ihre 50-jährige Zugehörigkeit.

Einblick in die landwirtschaftliche Ausbildung
Brüggemann, zugleich Berufsschullehrer für Landwirtschaft, berichtete anschließend über die Ausbildung an der Berufsfachschule Agrar der BBS Cadenberge. Derzeit lernen dort 17 Auszubildende im ersten, neun im zweiten und 17 im dritten Lehrjahr. "Es zeichnet sich wieder ein Trend zur dualen Ausbildung ab", sagte er. Auch personelle Entwicklungen, Unterrichtsplanung und Austauschprogramme für 2025/26 wurden vorgestellt. Nachdem es 2025 mit Erasmus+ nach Gorizia, Italien ging, können Schüler in diesem Jahr nach Südafrika reisen, um die Landwirtschaft kennenzulernen und einen zukünftigen Austausch aufzubauen. Die Ausbildung in Cadenberge sei "in guten Händen", betonte Böye.
Im fachlichen Teil des Abends ging es um Energieeinsparung, Sanierungsmöglichkeiten und moderne Heiztechnik. Gebäudeenergieberater Patrick Wilhelm von 'PW Energie & Beratung‘ erläuterte, wie Gebäude digital erfasst und daraus individuelle Sanierungsfahrpläne vom Ist-Zustand bis zum energetischen Zielzustand erstellt werden. Auch bei der Beantragung von Fördermitteln können Eigentümer Unterstützung erhalten. Fazit: Die Planung und Baubegleitung durch einen Energieberater zahlen sich immer aus.

Wärmepumpe: Technik mit Zukunft
Installateur- und Heizungsbaumeister Nils Seidlitz stellte die Wärmepumpe als eine der zentralen Technologien für die zukünftige Wärmeversorgung vor. Besonders die Luftwärmepumpe sei in vielen Fällen eine sinnvolle Lösung für Haushalte. Mit einem Augenzwinkern räumte er dabei mit verbreiteten Mythen auf: Wärmepumpen funktionierten auch bei niedrigen Temperaturen, seien keineswegs nur mit Fußbodenheizung einsetzbar und könnten ebenso im Altbau wirtschaftlich betrieben werden.
Aus seiner Sicht sprechen vor allem drei Gründe für einen Umstieg auf diese Heiztechnik: Zum einen könnten sich Haushalte damit unabhängiger von stetig steigenden Heiz- und Energiekosten machen. Zum anderen trage die Technik dazu bei, dass Heizkosten auch langfristig bezahlbar bleiben. Nicht zuletzt leisten Wärmepumpen einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von CO₂-Emissionen und damit zum Klimaschutz.
Am Ende blieb der Eindruck eines informativen Abends mit vielen praktischen Impulsen - und reichlich Gesprächsstoff für die Teilnehmer.
Von Joachim Tonn