Bürger packen gemeinsam an: "Drei-Dörfer-Haus" für Lamstedt
Demokratie lebt von Gemeinschaft - und die soll in Lamstedt auch in kleinen Ortsteilen gestärkt werden: Jetzt wurde in Hackemühlen das Richtfest für das Dorfgemeinschaftshaus der Ortsteile Hackemühlen, Ihlbeck und Rahden gefeiert.
Es ist ein Millionen-Projekt, an dem nicht nur Baufirmen, sondern auch die Bürger (und damit die eigentlichen Profiteure) beteiligt sind. Sie bringen sich durch ihre Eigenleistung unmittelbar in das ambitionierte Bauvorhaben ein - eben gelebte Dorfgemeinschaft ...
Natürlich kann man und darf sich fragen, weshalb für drei kleine Ortsteile der Gemeinde Lamstedt ein eigenes Dorfgemeinschaftshaus errichtet werden soll und wird. Eine der (möglichen) Antworten: Es geht dabei um die Lebensqualität auf dem Land.
In Hackemühlen gab es vor fünf Jahren noch einen Saal, der von vielen Bürgern, Vereinen und Organisationen genutzt worden war. Doch dann endete das Mietverhältnis; die Suche nach einer Ersatzlösung begann. "Viele fragten sich: Wie soll es weitergehen? Aber anstatt lange darüber zu sprechen, was verloren geht, haben viele Menschen lieber darüber nachgedacht, was neu entstehen kann. Denn es interessiert nicht, wie es nicht geht, sondern wie wir etwas umsetzen können. So soll es sein. Lösungen müssen gefunden werden. Das ist eine Haltung, die unsere Dörfer in der Börde seit jeher auszeichnet", beschreibt Samtgemeindebürgermeister Frank Springer die Ausgangslage.
"Frage war: Wie soll es weitergehen?"
Die Schließung der Dorfgaststätte "Hackemühlener Krug" hat nach Angaben des Lamstedter Bürgermeisters Manfred Knust viele Kräfte vor Ort mobilisiert und Ideen hervorgebracht: "Es stellte sich die Frage: Wie soll es weitergehen, wenn es keinen Ort der Zusammenkunft gibt? Die gleiche Frage stellte sich auch für Ihlbeck und Rahden. So war es naheliegend, etwas zu planen, wovon die Bevölkerung aus drei Dörfern profitieren kann."
Zunächst habe man geprüft, ob es die Möglichkeit gibt, die alte Halle der Gaststätte zu kaufen und zu sanieren. Diese Pläne seien - wie berichtet - jedoch bei näherer Betrachtung verworfen worden, da es sich um ein "abgängiges Gebäude" gehandelt habe. Knust: "Also musste eine Alternative her. Da die Gemeinde Lamstedt über ein eigenes Grundstück in Hackemühlen verfügte, war es naheliegend, dieses zu nutzen."
Vor vier Jahren habe der Gemeinderat dann erstmals über den Bau einer Mehrzweckanlage diskutiert und ein Jahr später rund eine Million Euro in den Haushalt als Investitionssumme verankert. Nach einer Einwohnerversammlung seien das Raumkonzept und die Änderungswünsche planungstechnisch umgesetzt worden.
Die Planung ist natürlich ein wesentlicher Aspekt bei einem solchen Vorhaben. Doch ohne eine solide Finanzierungsgrundlage bleiben Baupläne letzten Endes nur Makulatur. Nicht so in der Börde: Die Hälfte der Investition - 500.000 Euro - fließen nach Angaben von Bürgermeister Knust aus einem Förderprogramm. Daran hat das "Amt für regionale Landentwicklung" entscheidenden Anteil. Rund ein Viertel der Gesamtsumme bringen zudem die Einwohnerinnen und Einwohner durch ihre Eigenleistungen auf (rund 230.000 Euro). Den Rest trägt die Gemeinde Lamstedt.
"Hier wird Gemeinschaft gelebt"
Samtgemeindebürgermeister Frank Springer ist dankbar, dass die Bevölkerung in "bördetypischer Manier" anpackt: "Dieses Haus wird nicht wegen seiner Technik oder seiner Größe wichtig sein. Es wird wichtig sein wegen der Menschen. Hier werden Vereine tagen. Hier werden Geburtstage und Hochzeiten gefeiert. Hier wird gelacht, musiziert, diskutiert und vielleicht auch einmal bis spät in die Nacht zusammengesessen. Kurz gesagt: Hier wird Gemeinschaft gelebt."
Die Richtkrone schwebt seit dem Wochenende über dem Neubau. Allerdings gibt es nach Angaben von Bürgermeister Manfred Knust noch ein Problem: Man solle sich "rechtzeitig Gedanken über einen passenden Namen für unser Drei-Dörfer-Haus machen".

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