Teilnehmer der Versammlung des Besamungs- und Rindviehzuchtvereins Land Hadeln in Cadenberge, bei der Youtuber und Influencer Anthony Lee als Gastredner auftrat. Foto: Larschow
Teilnehmer der Versammlung des Besamungs- und Rindviehzuchtvereins Land Hadeln in Cadenberge, bei der Youtuber und Influencer Anthony Lee als Gastredner auftrat. Foto: Larschow
Rinderzucht trifft Rechtspopulismus

Besamungs- und Rindviehzuchtverein Land Hadeln: Unruhe statt Rinder im Fokus

von Tim Larschow | 08.01.2026

Bei der Versammlung des Besamungs- und Rindviehzuchtvereins Land Hadeln in Cadenberge standen nicht Rinder im Mittelpunkt, sondern der umstrittene, oft als Rechtspopulist bezeichnete Anthony Lee. Er sprach als Gastredner vor mehr als 200 Teilnehmern.

Die Gäste des Besamungs- und Rindviehzuchtvereins Land Hadeln in Cadenberge nahmen ihre Plätze ein, noch vertieft in Gespräche über Zuchtzahlen und Milchleistungen. Als Anthony Lee das Podium betrat, spürte man sofort eine veränderte Stimmung: Neugier mischte sich mit Unruhe, Gelächter und Stirnrunzeln, während seine provokanten Thesen das Ende der Versammlung prägten.

Die Versammlung des Vereins am Mittwochabend begann nicht mit dem traditionellen Grünkohlessen, sondern mit einem kleinen Imbiss, da das Geld dafür ausgegeben wurde, "um einen tollen Redner zu bekommen", so die Geschäftsführerin des Vereins, Wiebke Mohrmann.

Doch zu Beginn gab es ein Grußwort des Bürgermeisters der Samtgemeinde Hemmoor, Jan Tiedemann sowie ein Bericht über die Zahlen des zurückliegenden Jahres und die Auszeichnung der "Züchter des Jahres 2025". Über diese Ehrung konnte sich Familie Schumacher aus Otterndorf freuen.

Anschließend standen zwei Vorträge auf der Tagesordnung, unter anderem vom Geschäftsführer der Masterrind GmbH, Ralf Strassemeyer. Er sprach über das aktuelle Marktgeschehen und die Entwicklungen beim Fleischkonsum. Besonders der Verzehr von Rindfleisch sei in den letzten Jahren rückläufig, während Milch weiterhin von neun von zehn Menschen konsumiert werde.

Kritik am geplanten Mercosur-Abkommen

Danach hielt Anthony Lee seinen Vortrag, der eigentlich schon im vergangenen Jahr anberaumt gewesen war und seinerzeit aufgrund des Schneetreibens ausgefallen war. "Der ein oder andere ist sicher seinetwegen hier", sagte der Vorsitzende des Vereins, Jörn Schumacher, der sich über die mehr als 200 Gäste freute.

In seinem Grußwort hatte Jan Tiedemann zuvor über die Herausforderungen der Landwirte, insbesondere im Zusammenhang mit dem Klimawandel gesprochen. Lee nahm darauf Bezug und sagte: "Klimawandel ist nicht menschengemacht, den gab es schon immer", eine Aussage, die er mehrfach wiederholte und die wissenschaftlich widerlegt ist.

Er erklärte zudem, er habe zwei Töchter und einen Sohn, "da sind wir uns ganz sicher". Diese Bemerkung wirkte herabwürdigend gegenüber Transidentitäten und wurde von Teilen des Publikums mit Gelächter aufgenommen. Weiter sagte Lee: "Mein Vater war britischer Soldat und mein Opa war Waffen-SS-Offizier." Welchen Bezug diese Aussagen zum Thema des Abends hatten, blieb unklar. Lee betonte, er rede "Klartext", und wer damit ein Problem habe, solle gehen.

Er sprach außerdem von einem Problem mit der "vierten Gewalt": "Die Probleme in unserem Land hängen damit zusammen, dass wir bestimmte Dinge in den Medien nicht sehen und nicht sehen sollen." Landwirte würden von der Regierung systematisch diskreditiert, ebenso wie von NGOs, "die angeblich Nichtregierungsorganisationen sind". Auch in Schulbüchern werde die Landwirtschaft seiner Ansicht nach negativ dargestellt.

Große Kritik äußerte Lee am geplanten Mercosur-Abkommen, da viele Landwirte Konkurrenz aus Südamerika befürchten. Am Donnerstag gab es vielerorts Blockadeaktionen. Zudem warb er dafür, die AfD zu wählen: "Es geht nur mit Schwarz-Blau", sagte er.

Der umstrittene Influencer Anthony Lee sprach am Mittwochabend über weit mehr als Landwirtschaft und Wolf. Auf seinem YouTube-Kanal macht er unter anderem mit Verschwörungserzählungen auf sich aufmerksam. Der Niedersachse hat über 240.000 YouTube-Abonnenten. Bis Juni 2024 war er Bundessprecher der Bauernprotestbewegung "Landwirtschaft verbindet Deutschland" (LSV). Lee hatte gegen die Agrarsoziologin Janna Luisa Pieper mehrere Unterlassungsklagen angestrengt, weil sie öffentlich sagte, er sei durch "rechtsextreme bis hin zu rechtspopulistische Aussagen" aufgefallen. Mit den Klagen hatte er vor Gericht keinen Erfolg. Anschließend gab er den Posten als Bundessprecher auf.

Meinungsfreiheit ist nicht grenzenlos

Zudem hat Lee oft den ehemaligen KSK-Soldaten André Schmitt zu Gast auf seinem Kanal. Den Verfassungsschutz beschäftigte Schmitt, weil er Uniter gegründet hat, ein rechtsextremistisch und militärisch-paramilitärisch beeinflusstes Netzwerk. Bei Ermittlungen zu dem terrorverdächtigen Oberleutnant Franco A. (2017) stießen die Sicherheitsbehörden auf Verbindungen zu dieser Organisation. Franco A. hatte sich 2016 als syrischer Flüchtling registrieren lassen und mutmaßlich Anschläge auf den damaligen Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sowie weitere Politiker geplant; die Bundesanwaltschaft erhob Anklage wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Der Offizier war Mitglied einer Chatgruppe des Uniter-Gründers André Schmitt, alias "Hannibal".

Auch Klaus-Peter Weber, Gründer der Initiative "Hallo Meinung", die sich selbst als "Interessensvertretung Bürgerforum" bezeichnet, ist ein Dauergast auf Lees Youtube-Kanal. So zeigte Weber etwa ein Video, in dem transsexuelle Menschen mit einem Krebsgeschwür verglichen wurden. Er wurde vom Amtsgericht Hersbruck verurteilt und kündigte an, gegen das Urteil bis zum Bundesgerichtshof vorzugehen. Im Instanzenzug landete seine Berufung 2021 beim Landgericht Nürnberg-Fürth, das die Geldstrafe auf 24.000 Euro erhöhte. In der Revision bestätigte das Bayerische Oberste Landesgericht den Schuldspruch und betonte, dass die Meinungsfreiheit nicht grenzenlos sei.

Influencer Anthony Lee bei seinem Vortrag im Marc5 in Cadenberge. Foto: Larschow
"Züchter des Jahres 2025": Über diese Ehrung konnte sich Familie Schumacher aus Otterndorf freuen. Foto: Larschow

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Tim Larschow

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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