Ausstellung an den BBS Cadenberge beleuchtet rechte Szene im Kreis Cuxhaven
Wer Rechtsextremen nicht auf den Leim gehen will, sollte gut informiert sein, finden Kreisarchiv-Leiterin Julia Kuhnt und Marcel Poranski vom Staatsschutz der Polizei. In den BBS Cadenberge zeigen sie die Ausstellung "Die Gefahr im Verborgenen".
Auch wenn sie heute eher selten mit Springerstiefeln, Bomberjacke und kahl rasierten Schädeln durch die Straßen marschieren - Rechtsextreme sind in Deutschland keine Randerscheinung mehr. Längst haben sie sich Strukturen aufgebaut, in denen sie gut organisiert agieren - meist unter Nutzung der Möglichkeiten des Internets. Auch im Landkreis Cuxhaven gab und gibt es immer wieder rechtsextreme Gruppierungen und Vorfälle, wie die Ausstellung "Die Gefahr im Verborgenen" des Kreisarchivs und der Polizeiinspektion Cuxhaven auf eindrucksvolle und gleichzeitig beklemmende Weise zeigt.
Die Schautafeln beleuchten die Aktivitäten rechtsradikaler Gruppierungen im Landkreis Cuxhaven sowie deren historische Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten. Dabei wird deutlich: Rechtsextremismus ist keine abstrakte Erscheinung, sondern eine reale Gefahr - auch auf regionaler Ebene.

Die Ausstellung wird aktuell in den BBS Cadenberge gezeigt und durch Julia Kuhnt, Leiterin des Kreisarchivs, und Marcel Poranski vom Staatsschutz der Polizei Cuxhaven betreut. Sie führen die Schülergruppen durch die Ausstellung, beantworten Fragen, ordnen historische Entwicklungen ein und schlagen den Bogen zur Gegenwart.
"Um zu verstehen, wie Rechtsextreme ticken, muss man ihre Codes kennen", sagt Julia Kuhnt und präsentiert den Schülerinnen und Schülern einige Beispiele. So steht die 88 für den achten Buchstaben im Alphabet und damit für die verbotene Grußformel "Heil Hitler". 444 steht für den vierten Buchstaben D und meint "Deutschland den Deutschen".
Präventionsarbeit beginnt mit Aufklärung
Am Mittwoch (11. März) informierte sich Friedhelm Ottens, Erster Kreisrat und Kulturdezernent des Landkreises Cuxhaven, über das Ausstellungsprojekt und zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Schule: "Präventionsarbeit beginnt mit Aufklärung. Dass junge Menschen sich kritisch mit den Entwicklungen in ihrer eigenen Region auseinandersetzen, ist ein starkes Signal für unsere Demokratie." Ottens räumte aber auch ein, dass er sich Sorgen mache. Hass, Hetze und Ausländerfeindlichkeit seien im Cuxland durchaus verbreitet, auch an den Schulen, das sei für ihn ein "sehr emotionales Thema".

Ottens setzte sich zusammen mit einer Klasse der Fachoberschule Technik mit den Inhalten der Ausstellung auseinander. Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich wissbegierig und interessiert, zum Teil auch bestürzt. "Mich hat die Verbreitung des Rechtsextremismus in unserer Region überrascht", sagte Lilly Engelmohr aus Hemmoor. In ihrem persönlichen Umfeld treffe sie eher selten auf rechtsextreme Positionen, dafür umso mehr in den sozialen Medien. Für die 18-Jährige ist es wichtig, dass Ausstellungen wie diese an ihrer Schule stattfinden.
Auch Jonah Sziede (21) aus Hollnseth hat aus der Ausstellung einiges mitgenommen. "Diese ganzen Codes und Symbole der Rechtsextremen kannte ich noch nicht", sagte er. Antonia von Hassel (21) aus Hemmoor weiß, dass Rechtsextremismus gerade auf dem Land und in Teilen der Landwirtschaft oft auf fruchtbaren Boden fällt.
Organisiert wurde das BBS-Projekt von der Arbeitsgruppe "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage", bestehend aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Schulkollegiums. Gemeinsam verstehen sie Demokratiebildung als Querschnittsaufgabe - als Fundament schulischer Arbeit, das in vielen Bereichen des Schulalltags sichtbar wird.
Die aktuelle Ausstellung ist nur ein Baustein in einem größeren "Haus der Demokratiebildung", das die BBS in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut hat. So sahen Klassen im Rahmen der "Woche für Demokratie" den Film "Walther Kaufmann", der das Leben des jüdischen Schriftstellers beleuchtet, und entwickelten anschließend einen eigenen "Awareness Day". Thematisiert wurden Mobbing, Respekt im Wandel der Zeit sowie Ergebnisse einer schulweiten Umfrage, die per QR-Code durchgeführt wurde.
