Cadenberge im Jahrmarktfieber: Kleine Gewinne & große Hoffnungen auf dem Herbstmarkt
Auf dem Cadenberger Herbstmarkt wird geworfen, geangelt und auf das große Glück gehofft. Zwischen bunten Plüschtieren & Autoscooter zeigt der Jahrmarkt seine vielen Gesichter. Und dann gibt es noch ein Jubiläum, das seiner Zeit ein wenig voraus ist.
An der Streetball-Bude auf dem Cadenberger Herbstmarkt, direkt gegenüber vom Autoscooter, lockt ein besonderes Angebot: Wer zweimal spielt, bekommt einen 'Dumpling‘, ein asiatisches Quetschspielzeug - selbst wenn nicht alle Dosen fallen. Eine Gruppe Jugendlicher versucht ihr Glück. Die nächsten fünf Kandidaten stehen schon bereit.
"Wir haben oben gute Laune, unten gute Laune", schallt es vom Autoscooter herüber. Bunte Pokémon- und Disney-Plüschtiere hängen an der Bude. Überall wird geworfen, geangelt, geschossen. Und immer wieder gehofft.

Zwischen Enten, Luftballons und großen Hoffnungen
Bei "Magic Duck" drehen die Plastikenten ihre Runden. Ein Kind bleibt stehen. Enten angeln oder doch lieber Pfeile werfen? Die Entscheidung fällt schwer.
Ein paar Schritte weiter fliegen bereits die ersten Pfeile. Drei kleine Mädchen versuchen sich an den Luftballons. Puff, puff - getroffen! Daneben messen sich die Jungs am Boxautomaten. Sie reichen gerade eben an das Schlagpolster heran. "Oh, mein Handgelenk!", ruft einer nach seinem Treffer.
Der Duft von Backfisch zieht über den Marktplatz. Zwischendurch verschwindet ein Stück Schmalzgebäck in einem Mund. Auf dem Kinderkarussell drehen die Jüngsten ihre Runden, während die Jugendlichen den Autoscooter erobern.


An der Schießbude ist das Publikum etwas älter. Mutter und Tochter verfolgen gespannt, ob die Schüsse treffen. Am Ende darf die Tochter den Preis aussuchen - ein Butter-Squishy, ebenfalls ein Quetschspielzeug.
Für 20 Euro bekommt man 35 Schuss. Der Jahrmarktbesucher fordert das Glück noch einmal heraus - oder weiß um sein Können, denn jeder Schuss, der folgt, ist ein Treffer.

Der Freizeitpark, der zu den Menschen kommt
Für David Bode ist der Herbstmarkt mehr als ein paar Tage Vergnügen. Seit 19 Jahren ist er als Schausteller dabei, zuvor waren es bereits seine Eltern. Bode ist Vorsitzender der Kreisstelle Cuxhaven-Niederelbe des Schaustellerverbandes. Neben seinem Spielgeschäft betreibt er auch einen Eis- und einen Crêpeswagen.
Doch die Zeiten haben sich verändert. Die Besucherzahlen seien rückläufig, erzählt er. Dazu kommen kurzfristige Absagen. Erst am Dienstag hat der Musikexpress abgesagt. Innerhalb weniger Tage musste Ersatz gefunden werden.

Auch das Leben der Schaustellerfamilien verändert sich. Bode war als Kind noch mit seinen Eltern auf Reisen. Seine eigenen Kinder gehen heute regulär zur Schule. Deshalb beschränkt sich die Familie auf Märkte im Umkreis von rund 100 Kilometern. Alles andere findet er nicht mehr zeitgemäß.
Sein Wunsch ist es, dass die Menschen wieder häufiger Jahrmärkte besuchen, statt Freizeitparks anzusteuern. Denn auf dem Markt könne jeder selbst entscheiden, was er erleben und wofür er Geld ausgeben möchte. Ein Freizeitpark, der sozusagen zu den Menschen kommt.
Auch die Sicherheit der angebotenen Spielzeuge ist für Bode ein Thema. Nach Berichten über Schadstoffe in bestimmten Quetschspielzeugen betont er, dass seine Waren CE‑gekennzeichnet sind.

Ein Jubiläum, das noch gar keines ist
Während auf dem Marktplatz weiter geschossen, geworfen und geangelt wird, herrscht auch am Imbisswagen der Familie Lenzsch reger Betrieb.
Bei der offiziellen Eröffnung hatte es gleich mehrere Ehrungen gegeben. Noch Bürgermeister Wolfgang Heß wurde verabschiedet und seine Nachfolgerin Carmen Sodtke feierlich begrüßt. Und auch der Schaustellerbetrieb Lenzsch und Tochter erhielt Blumen - für ihr angebliches 50-jähriges Bestehen.
Nur stimmt die Zahl nicht ganz.
"Wir sind erst 48 Jahre dabei", erzählt Virginia Lenzsch. Woher das Gerücht stammt, weiß die Familie selbst nicht. Den Blumenstrauß haben sie trotzdem bekommen. "Aber dann bekommen wir in zwei Jahren halt noch einen", fügt ihre Tochter Jasmin Hinsch lachend hinzu.

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