Pro und Contra: Grönemeyer-Fan-Museum in Cadenberge - einzigartig oder überflüssig?
Wolfgang Heß plant für seine große Herbert-Grönemeyer-Sammlung ein Fan-Museum in Cadenberge (Landkreis Cuxhaven). Unsere CNV-Redakteure Jens-Christian Mangels und Wiebke Kramp haben dazu unterschiedliche Meinungen.
Pro: Mehr als nur ein Fan-Traum
Von Jens Christian Mangels
Ein Grönemeyer-Fan-Museum in Cadenberge? Was für die einen nach einer schrägen Idee klingt, ist für andere ein leidenschaftliches Kulturprojekt. Herbert Grönemeyer ist nicht irgendein Sänger. Er ist eine prägende Stimme der deutschen Musikgeschichte. Seine Lieder haben Generationen begleitet, getröstet und bewegt. Warum sollte diese Geschichte nicht einen Ort bekommen, an dem sie sichtbar und erlebbar wird? Private Sammler wie Wolfgang Heß investieren Zeit, Herzblut und viel Geld, um Erinnerungen zu bewahren. Genau solche Initiativen machen Kultur lebendig. Ein Fan-Museum ist kein überflüssiger Luxus, sondern Ausdruck von Begeisterung und Engagement. Außerdem kann es Besucher anziehen und der Hadler Region zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen. Nicht jede gute Idee entsteht in einer großen Stadt oder mit millionenschwerer Förderung. Manchmal beginnt sie mit einer Leidenschaft im Kleinen. Und genau das verdient Respekt statt Spott.
Contra: Keinerlei Bezug zu Cadenberge
Von Wiebke Kramp
Mit Herbert Grönemeyer habe ich zu Beginn seiner musikalischen Karriere gefremdelt. Als ich in den 1980er-Jahren nach einem Jahr in England mit viel Indie-Rock in den Ohren zurückkehrte, flutete hier in Deutschland auf einmal dieser Sänger mit der markanten Knödelstimme die Hitlisten. Selbst wenn ich mich mittlerweile mit dem späteren Grönemeyer nicht mehr schwer tue, erschließt es sich dennoch nicht, warum ausgerechnet in Cadenberge ein Grönemeyer-Museum entstehen soll. Ich schätze Wolfgang Heß sehr; seine Sammlung, seine Fan-Begeisterung und seine Beharrlichkeit sind aller Bonheurs. Aber für eine mit öffentlichen Mitteln geförderte Ausstellung hege ich ausgerechnet an diesem Ort keinerlei Verständnis und ziehe den touristischen Mehrwert in Zweifel. Herbert Grönemeyer hat schließlich keine Bezugspunkte zu Cadenberge oder dem Cuxland. Ein Museum für diesen Kultstar gehört nach Bochum oder Berlin, aber doch nicht in die norddeutsche Provinz, wo es eher Fragen aufwirft als Touristen anlockt.