Das geht richtig ab: Feuerwehr aus Hemmoor begeistert die Welt im Internet
Ob in den USA, in Frankreich, Portugal oder Spanien: Die Internetgemeinde staunt über den Einfallsreichtum der Warstader Feuerwehr. Über zwei Millionen Clicks bei einem Video aus Hemmoor? Wie schafft man das mit einem simplen Handy?




Preisfrage: Was hat "Dancing in the mirror. Singing in the shower" der amerikanischen Sängerin Becky G. mit der Feuerwehr Warstade zu tun? Oder warum lassen sich drei Feuerwehrleute in einen völlig vernebelten Anhänger sperren, springen plötzlich heraus und tanzen zu "Satisfaction" von den Rolling Stones? Die Antworten sind ganz einfach: Die Warstader drehen seit April originelle Kurzvideos, werben für die Feuerwehr und schießen dabei in den sozialen Medien durch die Decke. Allein einer ihrer Beiträge wurde - weltweit (!) - bereits 2,25 Millionen Mal geklickt. Die Kreativen in Uniform sind selbst überrascht von dem Erfolg. Sie haben aber noch lange nicht genug und laufen mehr und mehr zur Höchstform auf.
Eine Grundidee war, bei TikTok, Instagram und Facebook noch mehr Werbung für die Wehr zu machen. Doch wie es so ist mit den Ideen: Man muss sie dann auch mal umsetzen. Und in diesem Jahr war es soweit. Vor rund einem halben Jahr lief der erste Clip und in Warstade war man mit den 9000 Aufrufen auf den verschiedenen Plattformen und den 2000 Followern eigentlich schon zufrieden. Vor einem halben Jahr konnte aber auch niemand ahnen, dass die ganze Sache viral einen derartigen Erfolg hat.
Keine Erfahrung - aber gleich viel Erfolg
Der Anfang machte Lust auf mehr. "Wir sind da echt zunächst etwas naiv und natürlich auch unerfahren herangegangen", sagt der Warstader Ortsbrandmeister Jan Lafrenz, der gemeinsam mit seinem Führungsteam versuchte, neuen Schwung in die Wehr zu bringen und das Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken.
Es bildete sich ein "Kernteam", das Ideen für weitere Videos entwickelte. Denkverbote gab und gibt es nicht: "Wir nehmen uns selbst nicht zu ernst, dafür aber auf die Schippe. Wir möchten Spaß haben, dies auch öffentlich zeigen und so die Menschen für die ehrenamtliche Tätigkeit in den Feuerwehren interessieren."
Drehbuch entwickelt auch ein Eigenleben
In einer WhatsApp‑Gruppe werden Ideen, Anregungen und mögliche Inszenierungen zunächst mitgeteilt, um dann daraus ein "Drehbuch" zu entwickeln. Obwohl: "Drehbuch" ist als korrekte Bezeichnung wohl etwas übertrieben, denn oft wird vor Ort spontan etwas verändert, Dialoge entwickeln ein Eigenleben und so manche Panne entpuppt sich als Gewinn.
Wenn alles im Kasten ist, haben die Akteure vor der Handy-Kamera dann erst einmal Feierabend, doch dann beginnt hinter den Kulissen eine stunden- und tagelange Arbeit - insbesondere für Ramona Schwentke. Sie ist für den Schnitt und die Vertonung der Videos zuständig und achtet dabei auf jedes Detail. Wenn sie ihr Urteil fällt, dann kann es durchaus schon einmal vorkommen, dass einzelne Szenen erneut gedreht werden müssen. An Akteuren mangelt es dabei nicht: "Das macht allen wirklich Spaß und stärkt so auch die Gemeinschaft. Ich finde das klasse." Und so sind einzelne Filme eigentlich (fast) fertig, aber werden erst später auf die Internetplattformen gespielt. Die Kundschaft wartet sicherlich schon.
Spaßfaktor steht an erster Stelle
Der Spaßfaktor bei den Beteiligten ist groß und wird anscheinend angesichts des Wachstums der WhatsApp‑Gruppe immer größer; die Bandbreite der Themen auch. Es geht dabei nicht nur um zum Teil skurril und witzig inszenierte Beiträge, sondern so ganz nebenbei auch darum, warum es zum Beispiel wichtig ist, Hydranten nicht zu blockieren oder auch die Gullys in den Straßen von Schnee und Eis zu befreien, damit es nicht zu Überschwemmungen während der Tauperiode kommt. Und so ganz nebenbei werben die Warstader auch für Feuerwehr- und Kulturveranstaltungen außerhalb des Hemmoorer Ortsteils - so auch für das Festival des Culturkreises mit der "Rolling Stones"-Coverband in diesem Sommer.
Klar ist: Der eigentliche Auftrag der Wehr rückt dabei nicht in den Hintergrund. Und das belegt auch die Statistik: Im vergangenen Jahr gab es insgesamt 76 Einsätze für die Warstader; jetzt sind es schon 87. Die werden von den 36 Aktiven erledigt. Und auch dort hat sich ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl entwickelt. Wer zum Beispiel nicht gleich zu einem Einsatz ausrücken kann, weil er nicht vor Ort ist, stößt später dazu und hilft bei den Arbeiten.
"König der Löwen" brüllt in Warstade
Aber zurück zu den Video-Aktionen: Das absolute Highlight waren die 2,25 Millionen Zugriffe auf einen der letzten Beiträge, bei denen ein bekannter Song des Musicals "König der Löwen" im Mittelpunkt stand. Als der Beitrag abends ins Netz gestellt worden war, gab es zunächst nur knapp 500 Aufrufe. Am nächsten Morgen erfolgte dann eine wahre Explosion und zwei Tage später waren es bereits 1,5 Millionen Aufrufe - unter anderem auch aus England, Frankreich, Spanien und Portugal.
Geht da noch mehr? "Na klar", sagt Dominik Schwentke (Gruppenführer und Teil des Social-Media-Teams der Warstader Wehr). Er wendet den Blick auf die 8800 Follower, die inzwischen registriert sind. Da sei mit Sicherheit noch Luft nach oben, wenn weitere Videos folgen und der Link zur Warstader Wehr verbreitet werde: "Stade hat 10.000 Follower. Das schaffen wir noch bis zum Jahresende", ist er sicher.
Erst das Spanferkel - und dann?
Dann müssen sich Ortsbrandmeister Jan Lafrenz und seine Führungscrew noch mal richtig ins Zeug legen. Zum Erreichen von einer Million Clicks hatten sie schon ein Spanferkelgrillen in Aussicht gestellt. "Das wird es natürlich auch geben, wenn wir endlich einen geeigneten Termin finden." Und wer Jan Lafrenz kennt, der weiß: Er hält Wort.
Man darf gespannt sein, was er beim Knacken der prophezeiten 10.000-Follower-Marke noch für seine Kameraden und Kameradinnen bereithält …
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