Ein Muldenkipper lädt seine Fracht an der Deichbaustelle östlich des Altenbrucher Strandhauses ab. im fraglichen Bereich wird die Bestickhöhe angepasst, um bei steigenden Pegelständen in kommenden Jahrzehnten genügend "Puffer" zu haben. Foto: Koppe
Ein Muldenkipper lädt seine Fracht an der Deichbaustelle östlich des Altenbrucher Strandhauses ab. im fraglichen Bereich wird die Bestickhöhe angepasst, um bei steigenden Pegelständen in kommenden Jahrzehnten genügend "Puffer" zu haben. Foto: Koppe
Frühjahrsdeichschau

Elbdeich gibt keinen Anlass zur Klage

von Kai Koppe | 12.05.2026

Beí einer Begehung zwischen Cuxhaven und Belum zogen Schauteilnehmer am Dienstag ein positives Fazit.

Florian Heitsch, Geschäftsführer der Wasser- und Bodenverbände Otterndorf (l.), informiert die Deichschauteilnehmer an Ort und Stelle über den Fortschritt der Arbeiten. Foto: Koppe

Bei der Kleianfuhr geht es Schlag auf Schlag. Kaum ist ein Fahrzeug seine Fracht losgeworden, rollt der nächste Kipplaster auf dem Deichverteidigungsweg heran. Der angekarrte Boden wird unmittelbar auf dem Deichkörper verteilt: 9,05 Meter ist an dieser Stelle die Zielmarke einer Bestickanpassung, die am Hadelner Elbdeich im Hinblick auf prognostizierte Klimafolgen erfolgt.

Pegelstände werden steigen - "Luft" für die kommenden 50 Jahre verspricht man sich in der Region von der östlich des Altenbrucher Strandhauses vorgenommenen Deicherhöhung. "Im Mittel haben wir den Deich hier um 80 bis 85 Zentimeter erhöht", erklärte Florian Heitsch, Geschäftsführer der Wasser- und Bodenverbände Otterndorf, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der diesjährigen Frühjahrsdeichschau. Gegen neun Uhr hatte sich deren Tross am Dienstag an der Verbandsgrenze im Bereich des Cuxport-Terminals in Bewegung gesetzt. An der Deichbaustelle wurde ein längerer Stopp eingelegt.

Wolf auch bei dieser Deichschau ein Thema

Nicht die erste Rast an diesem Morgen: Bei der traditionellen Einkehr im Lokal "Zur Schleuse" hatte Schultheiß Armin Heitmann zuvor Verbandmitglieder, die Vertreter von Bundeswehr und Katastrophenschutzkräften sowie seinen Cuxhavener Kollegen Jürgen Schubel begrüßt. Er hieß ferner Repräsentanten aus den Bereichen Verwaltung und Politik, darunter der Landtagsabgeordnete Claus Seebeck, Otterndorfs Bürgermeister Claus Johannßen und Hadelns Samtgemeindebürgermeister Frank Thielebeule, willkommen.

Heitmann sprach in einer ersten Lagebewertung von einem "ruhigen Jahr" mit geringem Treibselaufkommen. Maulwürfe und verschiedene Nager sind nach seinen Worten gegenwärtig in Deichnähe zu finden; die Bekämpfung der Wühlmäuse - so hieß es zu einem späteren Zeitpunkt der Schau - sei jedoch in vollem Gange. Mehr Bedeutung maß der Schultheiß deshalb einem anderen Vierbeiner bei: Der Wolf, der unter Deichschützern längst als Problem eingestuft wird, war bei der zurückliegenden Deichschau zumindest am Rande ein Thema.

"Es wird besser", sagte Heitmann, bezog sich dabei aber mitnichten auf Risszahlen, sondern auf die kürzlich erfolgte Aufnahme des Beutegreifers ins Bundesjagdgesetz. "Eigentlich ist das ein gutes Gesetz", fuhr der Schultheiß fort - kam dann aber auf die weiterhin offene Frage der Umsetzung auf Landesebene zu sprechen. Was Landwirte und Jäger unlängst alarmierte, waren "Handreichungen" aus dem Umweltministerium, die aus dem Blickwinkel der Betroffenen Versuche erkennen lassen, die im Bund beschlossenen Regeln für den Umgang mit dem Wolf zu nivellieren. "Meine Hoffnung ruht deshalb auf dem Ministerpräsidenten", schloss Heitmann, der seinen Zuhörern die Bedeutung der von Deichschützern geforderten "wolfsfreien Zonen" nicht eigens erklären musste. Es geht um den Schutz der Weidetiere, die speziell am Hadelner Elbdeich einen großen Beitrag zur Deichsicherheit leisten: Insgesamt sorgen dort rund 1000 Mutterschafe (und in bestimmten Abschnitten auch eine Reihe von Rindern) dafür, dass die Grasnarbe kurz genug bleibt, um dem "blanken Hans" keine Angriffsfläche zu bieten.

Dass das Gras zwischen Altenbruch und Wehldorf teilweise knöchelhoch spross, sei nur eine temporäre Entwicklung, hieß es am Dienstag: Durch die oben beschriebene Baumaßnahme könne die Deichschäferei derzeit nur eingeschränkt agieren.

Wind blies aus derselben Richtung wie bei Sturmflut

Andreas Lesch, Leiter des Fachbereichs Küstenschutz bei Landkreis, wies auf die Wetterbedingungen hin, die Schauzteilnehmer am Dienstag erlebten: Der Wind blies vergleichsweise mäßig, aber ("so wie bei Sturmflut") aus westlicher, leicht gegen Norden ausschlagender Richtung. Entsprechend hoch war das Wasser bei Glameyer Stack aufgelaufen; Lesch zufolge die Achillesferse am Hadelner Elbdeich angesichts des dortigen Prallhangs, der Wassertiefe (circa 29 Meter) und des Schiffsverkehrs. Bei der abschließenden Schaukritik sprach sich Lesch dafür aus, das "Gerödel" an Viehdrähten, das den Teilnehmern an einigen Übertrittsstellen begegnete, zu ordnen. Davon abgesehen befinde sich der Deich in sehr gutem Zustand. Er danke dem gesamten Verband "mit allen, die dazugehören" für die geleistete Arbeit.

Lob kam auch von Torsten Köhne, Leiter des Bereichs Ordnung und Katastrophenschutz im Cuxhavener Rathaus. Im Bereich der Stadt Cuxhaven, so bezog sich Köhne auf seinen Wirkungsbereich, sei der Deich in wirklich tollem Zustand. Positive Rückmeldung gaben auch diejenigen Deichgänger, die das Flutschutzbauwerk im Bereich Beufleth und bis zum Belumer Radarturm inspiziert hatten.

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Kai Koppe

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