Geflüchtete und Gäste wohnen in Wingst gemeinsam im Hotel
Kreis Cuxhaven. Das Parkhotel Keck - früher Waldschlösschen Dobrock - in der Wingst ist Flüchtlingsunterkunft und Hotelbetrieb zugleich. Und so funktioniert das in der Wingst.
Bereits seit Mitte September unterhält der Landkreis Cuxhaven im Parkhotel Keck (früher Waldschlösschen) eine Unterkunft für Flüchtlinge. Erst jetzt gab es für Einwohner eine Informationsveranstaltung durch Landkreis, Samtgemeinde und Gemeinde. Für die Zeitverzögerung entschuldigte sich Dezernent 1. Kreisrat Friedhelm Ottens.
Respektvoller Umgang miteinander
Waren es in der Wingst am Anfang 25 aus der Ukraine Geflüchtete, leben gegenwärtig nur noch vier im Parkhotel und werden dort von der Hoteliersfamilie Gade betreut. Die Unterbringung erfolge parallel zum laufenden Hotelbetrieb. Die ukrainischen Gäste erhielten in einem Extra-Speiseraum drei Mahlzeiten. Die deftige deutsche Hausmannskost schmecke ihnen. Sie dürften das große Spielzimmer an zwei Stunden pro Tag nutzen. Bisher, so Jan Gade, habe es keine Probleme zwischen der Flüchtlingsunterbringung und dem Hotelbetrieb gegeben. Vornehmlich seien es Monteure, die bei ihm zu Gast seien. Er sprach von einem sehr respektvollen Umgang miteinander.
Bis März Anmietung durch den Landkreis Cuxhaven
Die Flüchtlinge erhielten zudem im Haus Gelegenheit, Wäsche zu waschen und zu trocknen. Die Ukrainer seien dankbar über die Unterbringung im Hotel. Zu spüren seien aber auch Verunsicherungen und Ängste um ihre daheimgebliebenen Angehörigen. Er könne sich, so Jan Gade, zwar sehr gut vorstellen, dies weiter so zu betreiben. "Aber wir als Familie haben gemerkt, es gibt auch Grenzen." Und daher sei er sehr froh, dass der Landkreis nunmehr den Paritätischen beauftragt hat, sich um die Geflüchteten zu kümmern. 15 Stunden habe der Kreis dafür dem Paritätischen bewilligt, erläuterte Dezernent Friedhelm Ottens. Die beiden Mitarbeiterinnen Elvira Pfeifer und Maike Vaessen werden im Hotel professionelle Ansprechpartnerinnen sein, soziale Arbeit leisten. Aber auch bei behördlichen Fragen würden sie helfen, sicherten die beiden zu.
Für bis zu 25 Personen halte der Landkreis im Hotel Wohnraum als Erstankunftsstelle vor - zunächst mindestens bis März, kündigte Ottens an. Er machte klar, dass es weiterhin wichtig sei, dass sich Ehrenamtler einbringen. Ohne deren Unterstützung könne es nicht funktionieren. An deren Adresse ging der besondere Dank des Wingster Bürgermeisters Patrick Pawlowski: "Die mussten hier wirklich ins kalte Wasser springen." Eine von ihnen, Christa Wiese monierte in Richtung Behörden: "Menschen ohne Bargeld hierher zu schicken, das möchte ich nicht noch einmal erleben." Mittlerweile sei das geregelt, versicherte Thomas von der Fecht von der Samtgemeinde.
Zurzeit herrscht in den Großunterkünften wenig Betrieb
Gegenwärtig unterhält der Landkreis neben der Wingst die Großunterkünfte in Sahlenburg bei der früheren Helios-Klinik mit 220 Plätzen und in Neuhaus im ehemaligen Kinderheim im Amtshof mit rund 100 Plätzen. Beide Einrichtungen werden vom DRK betrieben. Zurzeit herrsche dort allerdings nur sehr wenig Betrieb. Aber Ottens machte auch deutlich, dass sich die Lage durchaus schnell wieder ändern könne - durch Verschärfung der Kriegslage oder wegen des bevorstehenden Winters. Eine weitere Großunterkunft werde noch bei Ameos in Debstedt hergerichtet - und dann werde perspektivisch die Großunterkunft in der Altenwalder Ex-Kaserne hinzu mit bis zu 1000 Personen aufgebaut.
Sowohl Friedhelm Ottens als auch Samtgemeindebürgermeister Frank Thielebeule unterstrichen, es sei vorrangiges Ziel sei, Geflüchtete schnell in Mietwohnungen unterzubringen. Von den zurzeit rund 3000 aus humanitären Gründen untergebrachten Personen sind es nur zur Hälfte Ukrainer. Die restlichen angenommenen und zugewiesenen Geflüchteten stammen aus 26 anderen Nationen. Aufgrund des derzeit bekanntlich angespannten Wohnungsmarktes sei es sehr wahrscheinlich, dass künftig Personen in den Großunterkünften aufzunehmen sein werden, die nicht aus der Ukraine stammen.
Um Konflikte zum Beispiel zwischen Menschen aus verschiedenen Ethnien zu vermeiden, würden Sicherheitsdienste engagiert. Wesentlich sei aber auch, dass es ausreichend Betreuung und Beschäftigung gebe, erläuterte Friedhelm Ottens. Auf Nachfrage unseres Medienhauses unterstrich er in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit, die Menschen gleich zu behandeln. Es dürfe keine Zwei-Klassen-Gesellschaft geben. Dass dies angesichts unterschiedlicher Aufenthalts-Status mit höchst unterschiedlichen Befugnissen schwierig zu vermitteln sei, räumte er ein . Aber Ottens machte deutlich, dass er diesbezüglich auf klare Kommunikation setze.
Breiten Raum in der Diskussion nahm die Diskussion über die Beschulung von Kindern ein. So stellte Grundschulleiterin Sabine Cordes das Recht auf Bildung und Schule heraus. Für einzelne Kinder sei man offen, aber eine Schule könne es nicht bewerkstelligen, auf einmal eine große Anzahl Flüchtlingskinder zu beschulen. Dass dies perspektivisch zu einem Problem besonders in den Großunterkünften werde, zeichnet sich ab. Es werde schwer zu schaffen sein, dort eine Schulpflicht einhalten zu können, prognostizierte Ottens. Hilfreich könnten dabei vor den regulären Schulbetrieb geschaltete Sprachlernklassen sein,
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