Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbands: "Vom Reden ins Handeln kommen"
Stefanie Sabet, Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbands, spricht bei der Tarmstedter Ausstellung über die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft, Klimaschutz und wirtschaftliche Herausforderungen, Chancen und notwendige Veränderungen.
Stefanie Sabet ist Gast beim "Eröffnungstalk" der 76. Tarmstedter Ausstellung gewesen. Im Interview spricht die Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbands über Chancen, Klimawandel und die Frage, wie Landwirtschaft wirtschaftlich bleiben kann. Frauen werden in der Landwirtschaft sichtbarer - doch es bleibt viel zu tun. Im Interview mit unserer Kollegin Saskia Harscher von der Zevener Zeitung spricht die Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbands über Unternehmerinnen auf dem Land, Hofnachfolge, Klimaschutz und bessere Perspektiven.
Frau Sabet, Sie sind die erste Frau als Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbands - und in Tarmstedt steht das Thema "Macherinnen und Unternehmerinnen im ländlichen Raum" im Mittelpunkt. Zufall oder ein Signal zur richtigen Zeit?
Das Jahr 2026 wurde von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausgerufen, um die zentrale Rolle von Frauen in Agrar- und Ernährungssystemen sichtbar zu machen und ihre Gleichstellung zu fördern. Auch der Deutsche Bauernverband rückt dieses Thema auf vielen Veranstaltungen in den Mittelpunkt, wie zuletzt beim Deutschen Bauerntag in Freiburg. Wir legen aber Wert darauf, dass die Frauen nicht nur in diesem Jahr eine starke Präsenz erhalten, sondern auch in den kommenden Jahren weiter sichtbar bleiben.
Bekommen Macherinnen auf dem Land noch immer zu wenig Bühne?
Die Macherinnen werden immer mehr und immer sichtbarer. Es gibt viele beeindruckende Beispiele von sehr erfolgreichen Unternehmerinnen in der Landwirtschaft. In unseren Unternehmerinnen-Ausschüssen, die wir im Deutschen Bauernverband und in den Landesverbänden gegründet haben, vernetzen wir die Landwirtinnen. Landwirtinnen für das Ehrenamt zu begeistern, ist ein wichtiger Schlüssel zur Sichtbarkeit.
Trotz einiger Veränderungen: Landwirtschaft gilt oft noch als Männerbranche. Was müsste passieren, damit mehr junge Frauen sagen: "Genau da will ich hin"?
Es muss vor allem darum gehen, jungen Menschen Perspektive zu bieten. Die Landwirtschaft steht hier vor ähnlichen Herausforderungen wie der Mittelstand oder das Handwerk. Entscheidend ist, dass wir es schaffen, den Beruf des Landwirts oder der Landwirtin attraktiv zu machen - mit Rahmenbedingen, die jungen Unternehmerinnen und Unternehmern Freiheit geben zu gestalten und auch ein gutes Einkommen zu erwirtschaften. Es geht darum, junge Ideen zu ermöglichen, statt auszubremsen.
Sie selbst haben eine besondere Rolle übernommen. Merken Sie, dass junge Frauen inzwischen mit anderen Erwartungen auf Führungspositionen schauen?
Junge Frauen haben heute zurecht die Erwartung, dass Leistung anerkannt wird. Führungspositionen verlangen eine hohe Leistungsbereitschaft und das Übernehmen von Verantwortung, nach diesen Stärken sollten sie auch besetzt werden. Ich denke, es gibt viele gute Beispiele in Betrieben, Verbänden, Politik und Gesellschaft, dass Frauen diese Stärken ebenso besitzen wie Männer und es werden sicher noch mehr werden.
Wo sehen Sie die spannendsten Chancen für Unternehmerinnen auf dem Land?
Die Landwirtschaft war und ist seit jeher ein Bereich, in dem Frauen ihre Innovationskraft unter Beweis stellen. Sie bietet die Möglichkeit, Wohnort, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, und eröffnet zugleich großen Gestaltungsspielraum, um sich persönlich weiterzuentwickeln und zusätzliche Betriebszweige aufzubauen. In unserem Unternehmerinnen-Fachausschuss sehen wir viele beeindruckende Beispiele für Diversifizierung und Innovation: von Hofläden über die Produktion von Algen bis hin zum Anbau und zur Vermarktung von Aroniabeeren. Spannend wird auch die Rolle der Frauen bei den anstehenden Hofübergaben, die in der Mehrzahl der Betriebe noch zu regeln ist. Für die Zukunft der Landwirtschaft wird es wichtig sein, hier alle potenziellen Hofnachfolger und Hofnachfolgerinnen in den Blick zu nehmen.
Landwirtschaft soll heute vieles gleichzeitig leisten: Lebensmittel produzieren, Energie liefern, Klima schützen und wirtschaftlich bleiben. Geht das überhaupt noch unter einen Hut?
Landwirtschaft ist Unternehmertum, und da darf die Wirtschaftlichkeit nie aus dem Blick geraten. Seit vielen Jahren entwickelt sich die deutsche Landwirtschaft hin zu noch mehr Klimaschutz, Biodiversität und Tierwohl. Gleichzeitig stellen wir fest, dass aufgrund schwieriger Rahmenbedingungen die Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe stark gelitten hat. Beispielsweise schwächen hohe Kosten für Energie und Betriebsmittel, politische Vorgaben und Einschränkungen, erdrückende Bürokratie und nicht zuletzt der gestiegene Mindestlohn unsere Betriebe. Zusammen mit der sehr niedrigen Marktpreislage ist der Ertragsdruck immer schwieriger zu bewältigen. Das muss sich dringend ändern, wir müssen zu einer deutlichen Entlastung der Betriebe kommen, indem die Politik dereguliert.
Dürre, Starkregen und - wie erst kürzlich Hitze - zeigen: Der Klimawandel ist längst Realität. Die Landwirtschaft ist dabei oft zugleich Betroffene und Mitverursacherin. Wo kann die Branche Teil der Lösung werden?
Die Landwirtschaft hat ihre Hausaufgaben gemacht. Mit der Erzeugung von regenerativen Energien wie etwa aus Wind-, Solar oder Biogasanlagen tragen unsere Landwirte einen erheblichen Teil zu einem klimafreundlichen Energiemix bei. Auf den Feldern haben die Bauern bereits vor Jahren ihre Anbaumethoden angepasst. Sie setzen auf wassersparende Mulch- und Direktsaatverfahren, häufige Fruchtwechsel, Zwischenfrüchte und auf eine Diversifizierung bei der Sortenauswahl, um dem Klimawandel zu begegnen. Hier werden wir auch in Zukunft weitere positive Innovationen sehen.
Der Bauernverband sitzt oft zwischen Politik, Gesellschaft und Landwirtschaft. Wie wollen Sie Brücken bauen statt Fronten verhärten?
Der Deutsche Bauernverband ist in erster Linie Interessenvertreter des Berufsstandes und damit Lösungsanbieter für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Wir setzen auch weiterhin auf konstruktiven Dialog mit Politik und Gesellschaft. Wichtig ist es hierbei, zu Entscheidungen zu kommen, die von allen Seiten mitgetragen werden können. Unser Land braucht den Politikwechsel, und wir müssen vom Reden ins Handeln kommen. Die Landwirtschaft ist bereit, die gesellschaftlichen Anforderungen mitzutragen. Entscheidend ist, dass dies für die Betriebe auch ökonomisch darstellbar bleibt. Kurz gesagt über die gebauten Brücken muss man nun auch gehen.
Die Tarmstedter Ausstellung will Fachmesse und Familien-Treffpunkt gleichermaßen sein. Warum braucht es solche Orte heute vielleicht mehr denn je?
Landwirtschaft ist eben nicht nur Leistungsträger für die Versorgungssicherheit, sondern auch ein fester Anker für die Gesellschaft im ländlichen Raum. Wir müssen dieses Miteinander stärken. Daher ist es gerade gut, wenn man sich bei einer solchen Gelegenheit zum persönlichen Austausch trifft.
Wenn Sie in Tarmstedt einfach Besucherin wären - wo würde man Sie vermutlich zuerst finden: bei der Landtechnik, den Tieren, auf dem Marktplatz oder doch im Festzelt?
Als einfache Besucherin stünde ich im Dienst meiner Familie wohl zuerst beim Riesenrad für den großen Überblick an, dann bei den Tieren und bei der Landtechnik. Die Stärkung im Festzelt mit leckerem Essen darf bei uns auch nie fehlen.

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