"Der gestiefelte Kater" in Hemmoor überrascht mit moderner Märcheninszenierung
Am Gymnasium Warstade in Hemmoor wird "Der gestiefelte Kater" zur modernen Theatererzählung. Mit Wortwitz, Metaebenen und einer Liebesgeschichte zwischen einem Prinzen und einem Müllerssohn zeigt das Ensemble, wie aktuell Märchen sein können.
Applaus ist im Theater eigentlich Ehrensache. Doch an diesem Abend im Gymnasium Warstade in Hemmoor wird zunächst getrommelt. Sechs Zuschauerfiguren nehmen auf kleinen Tribünen vor der Bühne Platz und lassen keinen Zweifel daran, was sie von dem angekündigten Märchen halten. "Der gestiefelte Kater" klingt für sie nach Kinderstück und Fantasiekram.
Doch genau mit diesen Erwartungen spielt die Inszenierung der Darstellendes-Spiel-Kurse des 12. Jahrgangs. Das Publikum schaut nicht nur auf eine Bühne, sondern gewissermaßen auf ein Publikum, das ebenfalls zuschaut, kommentiert und hinterfragt.

Ein Kater, drei Darsteller
Dabei beginnt die Geschichte zunächst vertraut. Nach dem Tod des Müllers erhält der jüngste Sohn des Müllers, Gottlieb, als Erbe lediglich einen Kater. Erst als dieser zu sprechen beginnt, verwirft Gottlieb die Idee, aus ihm einen Schal zu machen. Von da an nimmt die bekannte Märchenhandlung Fahrt auf. Mit Kaninchen und Rebhühnern gewinnt der Kater die Gunst der Königin. Aus dem König der Vorlage wird hier eine Königin, aus der Prinzessin ein Prinz.
Das Publikum vor der Bühne macht während des Stücks immer wieder auf vermeintliche Fehler aufmerksam. "Als hätte der Dichter vergessen, was er vorher gesagt hat", bemerkt eine Figur. Und tatsächlich erscheint der Dichter mehrfach auf der Bühne - stets im gleichen Kostüm, aber verkörpert von unterschiedlichen Personen.
Auch Kater Hinze bleibt nicht nur eine Figur. Gleich drei Darsteller schlüpfen im Laufe des Abends in seine Rolle. Die Inszenierung macht damit immer wieder sichtbar, dass hier Theater gespielt wird, ohne dabei die eigentliche Geschichte aus den Augen zu verlieren.

Liebe braucht keine Erklärung
Zwischen den scharf gesetzten Pointen und dem klugen Wortwitz entstehen immer wieder Szenen, die ganz selbstverständlich wirken. Zwei junge Frauen tanzen miteinander und stören dabei die Jagd des Katers. Sie schwören sich ihre Liebe. "Wir wollen es von einem Berg rufen, damit jeder weiß, dass wir uns lieben", sagt eine von ihnen, bevor beide weiterziehen.
Wie im Original überlistet der Kater am Ende den Zauberer, der in diesem Stück eine Zauberin mit dem Namen Popanze ist. Der Name ist dabei Programm: Als Popanz bezeichnet man ein künstlich aufgebautes Schreckgespenst oder eine Bedrohung, die größer erscheint, als sie tatsächlich ist. Die Popanze im Stück verwandelt sich in eine Maus und wird schließlich vom Kater gefressen. Gottlieb besteht die Prüfungen, durch Wasser und Feuer zu gehen, und kann schließlich das Reich übernehmen.
Als sich Gottlieb und der Prinz am Ende in den Armen liegen, verzichtet das Stück auf große Erklärungen. Die Liebe der beiden wird nicht zum Problem gemacht und nicht zum besonderen Ereignis erklärt. Sie ist einfach da.
Insgesamt 38 Schülerinnen und Schüler stehen am Schluss gemeinsam auf der Bühne. Die Darstellendes-Spiel-Kurse des 12. Jahrgangs zeigen mit der Inszenierung des Stücks, dass sich klassische Stoffe weiterentwickeln können, ohne ihren Kern zu verlieren. "Der gestiefelte Kater" bleibt ein Märchen über Mut, List und den Glauben an das eigene Glück. Neu hinzu kommt die Erkenntnis, dass gute Geschichten nicht daran scheitern, wen ihre Figuren lieben.
Das Stück ist am heutigen Dienstag (2. Juni 2026) noch einmal im Erweiterungsbau des Gymnasiums Warstade in der Bürgermeister-Grube-Straße 1 in Hemmoor zu sehen. Beginn ist um 19 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro für Erwachsene und drei Euro für Schülerinnen und Schüler. Spenden kommen der Abi-Kasse zugute.
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