Neue Seniorenanlage in Hemmoor: Anwohner fürchten Kahlschlag an der Portland-Villa
An der denkmalgeschützten Portland-Villa in Hemmoor soll eine Seniorenwohnanlage entstehen. Stadtrat und Verwaltung stehen hinter dem Projekt. Aber Anwohner blicken auch kritisch auf die Pläne - und befürchten einen Kahlschlag in der Parkanlage.
Es knarzt leise im Gebälk, als eine Brise die Äste der jahrzehntealten Birken zum Rauschen bringt. Vögel zwitschern, ein Eichhörnchen huscht durchs Gras. Der Park an der Hemmoorer Portland-Villa ist eine wahre Naturoase. Michael Ahrensfeldt und seine Frau leben seit 2005 in direkter Nachbarschaft zur Grünanlage und kümmern sich um deren Erhalt. "Wir pflegen das Grundstück im Sinne der Natur", sagt Michael Ahrensfeldt. Doch diese Oase sei nun in Gefahr.
Jahrelang hat sich kaum einer für die grüne Lunge gegenüber dem Kreidesee interessiert. Doch jetzt soll dort Großes entstehen - eine Seniorenwohnanlage. Investor Thies Boysen, Geschäftsführer der medaceum GmbH, zu der unter anderem das Senioren- und Pflegeheim Pagel in Hemmoor gehört, hat das Grundstück mitsamt der Portland-Villa gekauft. Die Villa, einst Wohnsitz der Vorstandsmitglieder der Zementfabrik, ist denkmalgeschützt und soll als Teil der geplanten Seniorenwohnanlage erhalten bleiben. Im Südosten des Plangebietes ist ein Neubau mit Parkplatz geplant. Die Anlage soll das in die Jahre gekommene Seniorenheim im Hemmoorer Zentrum ersetzen.
Boysen hatte seine Pläne im August 2022 erstmals im Ausschuss für Stadtentwicklung, Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz vorgestellt und dort versichert, dass die Natur weitgehend erhalten bleibe. Doch Michael Ahrensfeldt traut dem Frieden nicht. Er hat sich den Bebauungsplan und die Planzeichnungen genau angeschaut und festgestellt, dass zwar der Baumbestand im direkten Umfeld der Portland-Villa als schützens- und erhaltenswert eingezeichnet wurde, nicht aber die Bäume im Südosten des Plangebiets, dort, wo der Neubau entstehen soll. Er hat sich die Mühe gemacht, die betroffenen Bäume zu zählen und auszumessen. Das Ergebnis: 20 Bäume, darunter Sommerlinden, Birken und rund 150 Jahre alte Ahornbäume, könnten dem Neubau zum Opfer fallen. "Meine Überzeugung ist es, dass dieser wunderbaren Naturoase nicht genügend Beachtung geschenkt wird", meint der 54-Jährige. Er bedauere, dass die Stadt Hemmoor keine Baumschutzsatzung habe.
Er sei nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung, betont der Hemmoorer, aber er befürchtet, "dass dieser einzigartige Naturkosmos unwiederbringlich zerstört wird". Die Parkanlage sei Rückzugsort für eine Vielzahl von Vögeln, Insekten, Säugetieren und Amphibien. Deren Lebensraum werde durch eine Rodung vernichtet. Besonders ärgerlich findet der gebürtige Bremerhavener die Planungen für die Stellplatzfläche im Osten des Areals. "Das ist völlig unnötig, da es direkt an der B73 einen großen Parkplatz gibt", so Ahrensfeldt. Er hat sich deshalb mit einer Beschwerde an das Bauamt der Stadt Hemmoor und den Rat gewandt. Er bittet darin, den Bebauungsplan "neu zu überdenken".
Enge Abstimmung mit dem Naturschutzamt
Andreas Elfers aus dem Hemmoorer Bauamt weiß, dass die geplante Bebauung im Bereich der denkmalgeschützten Portland-Villa "hoch sensibel" ist, aber er versichert, dass das komplette Verfahren "in enger Abstimmung mit dem Naturschutzamt" durchgeführt wird. Der vorhandene Baumbestand bleibe größtenteils erhalten. Und sollte doch der eine oder andere Baum für den Neubau der Seniorenanlage gefällt werden, werde es dafür einen Ausgleich geben. "Der Investor hat ein weiteres Grundstück, das direkt an das Plangebiet angrenzt, gekauft und wird dort Pflanzungen vornehmen." Auch Sabine Wist, Bürgermeisterin der Stadt Hemmoor, hält die Befürchtungen eines großen Kahlschlags für unbegründet: "Die ortsbildprägenden Bäume dürfen nicht einfach umgesägt werden". Der Investor habe der Politik versichert, das Areal "sanft umzuwandeln". Das sei ja auch im Sinne der künftigen Bewohnerinnen und Bewohner, die eine Seniorenanlage im Grünen haben möchten.
Unsere Zeitung hat auch Kontakt mit dem Investor aufgenommen, der sich mit Informationen allerdings noch zurückhält. "Bis jetzt lässt sich noch nichts Genaues sagen, weil wir in der Planung noch nicht ausreichend konkret sind", sagt Thies Boysen. Er wolle auch den Ämtern und Behörden nicht vorgreifen.