Vom Datteldip bis zum Dessert: In Hemmoor wird Gemeinschaft serviert
In Hemmoor treffen sich Menschen zum gemeinsamen Kochen. Dabei entstehen nicht nur Menüs, sondern auch Gespräche und Begegnungen. Ein neues Mitglied bringt jetzt frischen Schwung in die Runde. Und diese würde sich gerne weiter verjüngen.
Lachen und leise Musik dringen durch die Tür der ehemaligen Förderschule in Hemmoor. In der alten Schulküche wird geschnippelt, gerührt, abgeschmeckt - und vor allem geredet. Fast jeden Tag in der Woche treffen sich hier Menschen zum Kochen. Mittlerweile besteht die Gruppe aus über 80 Mitgliedern, die an verschiedenen Wochentagen zusammenkommen. Lange lag der Altersdurchschnitt bei über 50. Doch das hat sich inzwischen ein Stück weit verändert - auch wegen Sabrina Witwer.

Frischer Wind in der Runde
Die 39-Jährige bringt frischen Wind in die Gruppe. "Ich dachte erst, das wäre Kochen für alte Leute", sagt sie und lacht. Sie sei unsicher gewesen, ob sie überhaupt hineinpasse. Trotzdem schrieb sie Christa Jacobi an, die die Gruppe ins Leben gerufen hatte. Die Antwort kam schnell - und offen. "Die hatten richtig Lust auf junges Gemüse."
Geboren in Schleswig-Holstein, kam Witwer 2012 der Liebe wegen nach Hemmoor. Heute lebt sie dort mit ihrem Mann und dem vierjährigen Sohn. Beruflich ist sie stark eingespannt: In Stade arbeitet sie für einen amerikanischen Konzern in der Auftragsabwicklung und leitet eine Abteilung. Zeit ist knapp. "Ich wollte etwas, das unverbindlich ist", sagt sie. Kein fester wöchentlicher Termin, keine Verpflichtung. Dafür Begegnungen. Austausch.

Gemeinsam schnibbeln, lernen, erzählen
Die Kochgruppe trifft sich alle drei Wochen. Immer zwei Mitglieder organisieren den Abend - vom Einkauf bis zur Tischdeko. Einen festen Mitgliedsbeitrag gibt es nicht, nur einen Unkostenanteil. Die Räumlichkeiten stellt die Stadt Hemmoor kostenfrei zur Verfügung.
Schon bei der Vorbereitung wird deutlich, worum es hier wirklich geht. Gemeinsam stehen sie an den Arbeitsflächen, schneiden Gemüse, probieren Dips, und reichen sich Schüsseln. Tipps werden geteilt, Erfahrungen weitergegeben - ganz nebenbei.
Zwischen Schneidebrett und Herd geht es um mehr als Rezepte. Es geht um Alltag, um Kinder, um Arbeit, um Erinnerungen. Kein Gefälle, kein "von alt zu jung" - sondern ein gemeinsamer Austausch, bei dem jeder etwas einbringt.
Auf dem Menü stehen an diesem Abend Bruschetta mit Oliven- und Datteldip, Hähnchen mit Ofengemüse und ein Dessert aus Himbeeren und Baiser. "Das ist das Hähnchen!", ruft Witwer, als ein Timer klingelt.

Ein besonderer Anlass verbindet
Mit Einsamkeit habe das Ganze nichts zu tun, betont die Hemmoorerin. Es gehe nicht um ein Gegenprogramm, sondern um echte Gemeinschaft.
Dieser Abend hat eine besondere Note: Ein Paar aus der Gruppe hat kürzlich geheiratet. Das Menü stammt aus einem Kochbuch, das sie zur Hochzeit von Oberbürgermeister Uwe Santjer geschenkt bekommen haben. Obwohl sie in Cuxhaven leben, kommen sie ganz nach Hemmoor, um ein Teil der Kochgruppe zu sein.
Als die Teller leer sind, bleiben alle noch sitzen. Noch einmal wird nachgeschenkt, werden Rezepte ausgetauscht und Geschichten weitererzählt. Der Abend klingt langsam aus - so, wie er begonnen hat: mit Gesprächen und dann mit dem gemeinsamen Abwasch.
Wer auch Lust zum gemeinsamen Kochen bekommen hat, kann sich bei Christa Jacobi unter Telefon (0 47 71) 64 22 oder Mail christa.jacobi@concordia.de melden.
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