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Die Regenbogenflagge, auch Pride-Flag genannt, spielt eine wichtige Rolle in der LGBTQIA+ Community. Sie wird als Zeichen der Verbundenheit und Solidarität sowie als Symbol für Freiheit und Frieden verwendet. Foto: picture alliance/dpa/Gregor Fischer
Die Regenbogenflagge, auch Pride-Flag genannt, spielt eine wichtige Rolle in der LGBTQIA+ Community. Sie wird als Zeichen der Verbundenheit und Solidarität sowie als Symbol für Freiheit und Frieden verwendet. Foto: picture alliance/dpa/Gregor Fischer
Nach Überfällen auf Homosexuelle

Beratungswüste im Kreis Cuxhaven: Kaum Anlaufstellen für queere Menschen

von Bengta Brettschneider | 16.05.2025 Zuletzt aktualisiert: 19.05.2025 18:33 Uhr

Wer im Landkreis Cuxhaven queere Beratung oder Austausch sucht, findet nur wenige Angebote. In Cuxhaven gibt es Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen - Nachbarkreise wie Stade und Bremerhaven sind deutlich weiter - und organisieren sogar einen CSD.

Knapp zwei Wochen ist es her, dass mehrere homosexuelle Männer in einer Serie von Überfällen in Cuxhaven Opfer von Gewalt wurden. Wer auf der Suche nach Anlauf- und Beratungsstellen für queere Menschen (Sammelbegriff für Menschen, die sich nicht in die traditionellen Geschlechter- und Sexualitätskategorien der Gesellschaft einordnen lassen) die Begriffe "LGBTQIA+" und "Landkreis Cuxhaven" in eine Suchmaschine des Internets wirft, findet nur sehr wenig.

Das erste Ergebnis führt zu der Internetseite der Selbsthilfegruppe "Freundeskreis Regenbogen-Menschen" in Cuxhaven. Dies ist eine Selbsthilfegruppe für Angehörige und Menschen, die beruflich und/oder privat mit schwulen, lesbischen, queeren, trans- oder intersexuellen Menschen gleich welches Alters Kontakt haben. Die Gruppe richtet sich also nicht speziell an die, die sich der LGBTQIA+ Gemeinschaft zugehörig fühlen.

Die "Freundeskreis Regenbogen-Menschen" Gruppe ist eine Untergruppe von der Selbsthilfegruppe "AkzepTrans". Diese trifft sich in den Räumlichkeiten des "Stellwerks" in Cuxhaven und lädt Transgender zum Austausch ein. Eine weitere Anlaufstelle kann ProFamilia in Cuxhaven sein, die Beratung und Unterstützung für queere Menschen anbietet.

Fachtag "Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in der Jugendarbeit"

"Vor kurzem fand ein Fachtag des Landkreises zum Thema ,Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in der Jugendarbeit' statt", erläuterte Simone Starke von der Pressestelle des Landkreises Cuxhaven. Organisiert wurde dieser Fachtag vom Bereich Familie des Landkreises Cuxhaven in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Loxstedt. Dabei soll die Veranstaltung ein erster Auftakt gewesen sein. Ein weiterer Austausch und anschließende Projekte, um Schutzräume zu schaffen, in denen sich Jugendliche im Cuxland frei entfalten können, sollen folgen.

Vielfalt in den Nachbarkreisen: Events, Stammtisch und Jugendarbeit

In den Nachbarkreisen sieht es da schon etwas vielfältiger aus. "Quest-Queeres Stade" ist ein Verein, der verschiedene Projekte und Events plant, aber auch einen Stammtisch und die Rainbow Kickers anbietet. Willkommen sind dort alle Menschen, die sich der LGBTQIA+-Community zugehörig fühlen, aber auch die, die sich noch unsicher sind oder nur als Unterstützer dabei sein wollen. Bei den Rainbow Kickers dürfen sich alle Fußballbegeisterten angesprochen fühlen, die für Vielfalt, Fairness und Zusammenhalt stehen. Darüber hinaus organisiert "Quest" auch den in Stade stattfindenden CSD (Christopher Street Day) am 28. Juni 2025.

Auch in Bremerhaven findet am 12. Juli 2025 ein CSD statt. Der Verein "CSD Bremen+Bremerhaven" organisiert diesen. Der Bremer CSD war im Jahr 1979 der erste CSD in Deutschland. Mitmachen und unterstützen dürfen aber auch Nicht-Vereins-Mitglieder. Das Team "QueerFishtown" setzt sich für queeres Leben junger Menschen in Bremerhaven ein.

Die Brüder Tom Kaulitz (l.) und Bill Kaulitz (r.) der Band Tokio Hotel, feierten auf einem Wagen beim CSD in Köln mit. Die Band trat 2024 auch auf dem Deichbrand Festival auf. Prominente Besucher tragen damit auch zur Sichtbarkeit bei. Foto: picture alliance/dpa/ Christoph Reichwein

Umsetzung des gesetzlichen Auftrags in Bremerhaven

Die Stadt Bremerhaven hat zudem einen 88-seitigen Praxisleitfaden zur geschlechtersensiblen Kinder- und Jugendarbeit herausgegeben und kommt damit einem gesetzlichen Auftrag nach. Dieser ist nicht nur in den Kinderrechtskonventionen der Vereinten Nationen zu finden, sondern auch im Artikel zwei des Grundgesetzes zur freien Entfaltung der Persönlichkeit und dem Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Für die Umsetzung wurde der "Mädchen*-Arbeitskreis" und der "Jungen*-Arbeitskreis", wie auch der "Arbeitskreis Queer" gebildet. Projekte werden in der offenen Kinder- und Jugendarbeit, wie auch der Jugendverbandsarbeit, umgesetzt

Sichtbarkeit führt zu Akzeptanz und Schutz

Der Aktionsplan "Queer leben" des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist erst drei Jahre alt. Unter dem Titel "Was ist queer?" startete am 8. April 2025 die erste Kampagne des Queerbeauftragten Sven Lehmann, um durch Sichtbarkeit mehr Akzeptanz und dadurch mehr Schutz zu schaffen.

Jeden Tag werden, nach Angaben des Lageberichts zur kriminalitätsbezogenen Sicherheit von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen sowie queeren Menschen, des Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) und des Bundeskriminalamts (BKA), der Polizei in Deutschland statistisch mindestens sechs Angriffe auf Menschen aus der queeren Community gemeldet. Das muss auch der Cuxhavener Jürgen Sucht immer wieder erleben.

Daraus entstehe eine alarmierende Spaltung und Verrohung des gesellschaftlichen Klimas und Verachtung und Spott werden normalisiert, Hass und Hetze werden bestärkt. Umso wichtiger sei die Solidarität und Unterstützung der Bevölkerung.

Wofür steht "LGBTQIA+"?

LGBTQIA+ ist ein Sammelbegriff für Menschen mit vielfältigen sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten. Die Buchstaben stehen für lesbisch, schwul, bisexuell, trans-, queer, intersexuell, asexuell, und weitere Identitäten, die mit einem "+/-*-Symbol" gekennzeichnet sind.

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Bengta Brettschneider

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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