Deportiert und ermordet: Gedenktag für Familie Philippsohn in Osten beschlossen
Die Gemeinde Osten bekommt einen Gedenktag für die Familie Philippsohn, die 1941 deportiert und ermordet wurde. Stolpersteine und eine umbenannte Straße erinnern an ihr Schicksal und mahnen zur Wachsamkeit für die Zukunft.
Es ist ein Schicksal, das auch 85 Jahre Jahre später tief berührt: Adolf Leo Philippsohn (geboren 1899), seine Frau Irmgard (Jahrgang 1903) und ihre Tochter Anna Luisa (geboren 1928) mussten am 17. November 1941 ihre Heimat Osten verlassen. Unwiederbringlich. Sie wurden deportiert und im Ghetto Minsk ermordet.
Die Erinnerung an das Leid der jüdischen Familie Philippsohn, die einzig ihrer Konfession wegen den Tod fand, wird schon viele Jahre in Osten wachgehalten: ersichtlich für jeden seit 2001 durch die Umbenennung der Straße Am Dubben in Philippsohnstraße. Im September 2018 wurden vor der Schwebefähre, über die sie damals den Ort Richtung Bremen verlassen mussten, Stolpersteine verlegt, die als ein Mahnmal im öffentlichen Raum dienen. Und nun wird es ein weiteres Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus geben, um daran zu erinnern, dass sich dieses düstere Kapitel deutscher Geschichte niemals wiederholen darf.

Gemeinderat beschloss einstimmig
Auf Ansinnen des früheren Ostener Pastors Dieter Duksch findet künftig immer am 17. November - also dem Jahrestag der Deportation - in der Gemeinde an den Stolpersteinen ein lokaler Gedenktagstatt. Der Gemeinderat gab jetzt dafür einstimmig grünes Licht. Um eine funktionierende Demokratie weiterzuführen, sei es auch wichtig, eine Erinnerungskultur zu stärken, die dazu anrege, aus der Geschichte zu lernen, stellte Dieter Duksch dar. Er erläuterte: "Dieses Anliegen ist gerade jetzt von großer Bedeutung, da aktuell politische Kräfte am Werk sind, die die Gräueltaten und das Unrecht durch die Diktatur in Deutschland von 1933 bis 1945 verharmlosen und leugnen." Bürgermeister Carsten Hubert ist die Gedenkkultur ein wichtiges und richtiges Anliegen, das er von Anbeginn unterstützt hat. Eine seine ersten Amtshandlungen als Bürgermeister war vor 25 Jahren die Einweihung der Philippsohn-Straße.
In die bürgerliche Gesellschaft integriert
Adolf Leo Philippsohn, geboren am 24. Juli 1899 in Osten, entstammte einer Familie, die dort bereits seit 1740 aktenkundig war. Er war der jüngste Sohn von Julius Philippsohn. Seine beiden älteren Brüder waren als Soldaten im Ersten Weltkrieg gefallen. 1921 starb sein Vater, dessen Produktenhandel - in erster Linie mit Fellen - er übernahm. 1926 heiratete er Irmgard Mosenthal aus Dransfeld. Sie lebten im Haus Deichstraße 39.

Am 30. September 1928 erblickte ihre Tochter Anna Luise das Licht der Welt. Die Familie war in die bürgerliche Gesellschaft des Ortes integriert. Zunächst besuchte Anna Luise eine christliche Schule. Die zunehmend verschärften "Rassegesetze" der Nationalsozialisten, einhergehend mit immer stärkerer Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung, trafen die Philippsohns selbst im beschaulichen Osten. Nach der Pogromnacht im November 1938 musste Anna die Schule verlassen, und der Vater gab seine Geschäfte auf. Der Versuch einer Flucht in das Ausland scheiterte an einem fehlenden Stempel. Das schreckliche Ende dieser Familie im Holocaust soll auch den nächsten Generationen mahnend in Erinnerung gerufen werden - immer am 17. November wird künftig ihres Schicksals gedacht.
Am 17. November 1941 verließ Familie Philippsohn über die Schwebefähre den Ort zur Deportation nach Bremen. Von dort wurde die Familie in das Ghetto Minsk deportiert und gilt als verschollen.
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