Metzgerei-Sterben im Landkreis Cuxhaven: Von 55 Betrieben bleiben nur neun
Immer mehr Fleischereien im Landkreis Cuxhaven schließen für immer ihre Türen. Gab es vor rund 20 Jahren noch mehr als 50 von ihnen, sind es aktuell nur noch neun. Ein zentrales Problem: Immer weniger junge Menschen wollen Schlachter werden.
Plötzlich standen die Kundinnen und Kunden vor verschlossenen Türen: Vor zehn Jahren, im März 2016, machte die traditionsreiche Fleischerei Spechtmeyer dicht. Die Inhaber hatten sich aus Altersgründen zurückgezogen und trotz großer Bemühungen keinen Nachfolger gefunden. Damit endete in Cuxhaven eine mehr als 100-jährige Ära.
Was bei Spechtmeyer passiert ist, ist kein Einzelfall, sondern symptomatisch für eine ganze Branche. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Gab es nach Angaben der Fleischer-Innung Elbe-Weser vor 20 Jahren noch 55 aktive Fleischereien im Landkreis Cuxhaven, sind es heute nur noch neun. Das ist ein Rückgang um 84 Prozent. Bekannte Schlachtereien wie Seidel in Cuxhaven, Jankautzki in Neuenkirchen oder Bahr in Bad Bederkesa haben in den vergangenen Jahren ihre Pforten für immer geschlossen.
Ein Hauptgrund für das Sterben der Metzgereien ist der mangelnde Nachwuchs. Die Ausbildung zum Fleischer findet seit Jahren immer weniger Anklang - zum Frust der Fleischermeisterinnen und Fleischermeister. Detlef Brandt ist einer von ihnen. Der Schlachter aus Osten und stellvertretende Obermeister der Fleischer-Innung Elbe-Weser meint: "Viele junge Leute haben den Bezug zu den handwerklichen Ausbildungsberufen verloren." Deshalb hält er es für wichtig, handwerkliche Praktika zu fördern und sie in den Schulen zu einem möglichst frühen Zeitpunkt anzubieten. Derzeit würden Praktika in der Regel erst kurz vor der Schulentlassung absolviert. "Für eine berufliche Entscheidung ist das viel zu spät", sagt Brandt.
Wieder mehr Auszubildende im Fleischerhandwerk
Der Fleischermeister hofft auf eine Trendwende. "Im vergangenen Jahr hat es bundesweit erstmals wieder mehr Auszubildende im Fleischerhandwerk gegeben, da verstärkt im Ausland rekrutiert wurde", weiß Detlef Brandt. Er hofft, dass sich dieser Trend perspektivisch verfestigen wird.
Es gibt aber noch weitere Gründe für den Niedergang der Metzgereibetriebe. So macht die übermächtige Konkurrenz durch Supermärkte und Discounter dem traditionellen Metzgerhandwerk zu schaffen. Diese bieten abgepacktes Frischfleisch zu Preisen an, mit denen kleine Betriebe nicht mithalten können. Die Supermärkte profitieren zudem von großen Stückzahlen und können ihre Lieferanten unter Preisdruck setzen.

Hinzu kommt die schwierige Suche nach Nachfolgern. "Die Politik macht es jungen Menschen generell nicht besonders leicht, sich selbstständig zu machen und einen Betrieb zu übernehmen", argumentiert Detlef Brandt. Behördliche Auflagen, Bürokratie und die Umsetzung von neuen Vorgaben aus der Politik würden es den Ernährungsgewerken nicht unbedingt leicht machen. "Dazu kommen die angespannte Rohstoffversorgung und die gestiegenen Kosten, zum Beispiel für Energie."
Ein weiteres Problem: Betriebe mit eigener Schlachtung sehen sich zunehmend mit Gebühren für Entsorgung und Fleischbeschau konfrontiert. "Für kleine Betriebe ist das kaum zu stemmen", sagt Brandt. Hinzu komme eine wesentlich höhere Kontrolldichte mit großem Zeitaufwand für Dokumentation und Kontrolle.
Hängt die Schließung vieler Metzgereien möglicherweise auch mit einem veränderten Kaufverhalten der Kunden und dem Trend zu vegetarischen und veganen Alternativen zusammen? Detlef Brandt glaubt das nicht. "Ich habe noch von keinem Kollegen gehört, dass weniger Fleisch gekauft wird", sagt der Ostener Fleischer. "Im Gegenteil: Wenn bei Catering-Anfragen von Kunden vegetarische Alternativen gewünscht werden, werden diese bei den Veranstaltungen dann oft weniger gegessen als erwartet."
