Britta Quaiser (rechts), Chorleiterin der Sohl’nborger Büttpedder, beobachtet ein wachsendes Interesse für das Akkordeon. Foto: Potschka
Britta Quaiser (rechts), Chorleiterin der Sohl’nborger Büttpedder, beobachtet ein wachsendes Interesse für das Akkordeon. Foto: Potschka
Instrument des Jahres

Musiker aus dem Kreis Cuxhaven verraten, warum sie das Akkordeon so lieben

von Christian Mangels | 17.02.2026

Es kann so viel mehr als Seemannslieder: Das Akkordeon, lange Zeit als Quetschkommode verschrien, ist zum Instrument des Jahres 2026 gekürt worden. Vier Akkordeonspieler aus dem Kreis Cuxhaven sprechen über die Liebe zu ihrem Instrument.

Ein Blasebalg in der Mitte, die Luft daraus lässt Metallzungen vibrieren - dieses Instrument atmet: Das Akkordeon, von den deutschen Landesmusikräten zum Instrument des Jahres 2026 erklärt, ist ein echtes Klang-Chamäleon. Vom Tango bis zur Musette prägt es weltweit Musiktraditionen. "Das Akkordeon ist schon längst dem Klischee des reinen Volksmusik-Instruments entwachsen", schwärmt Norbert Balzer, begeisterter Akkordeonist und Gründer eines internationalen Akkordeonorchesters. "In seiner Vielfältigkeit über alle Genregrenzen hinweg, ist es unübertroffen, sowohl was seine Ausdrucksmöglichkeiten als auch seine weltweite Verbreitung betrifft." Für ihn ist es ein "Weltinstrument".

Der Cuxhavener Akkordeonist Norbert Balzer spielt das Tasteninstrument seit seinem fünften Lebensjahr und gibt seit 2010 Akkordeonunterricht. Foto: Balzer

Der Cuxhavener spielt das Tasteninstrument seit seinem fünften Lebensjahr und gibt seit 2010 Akkordeonunterricht. Trotz aller Klischees, die über das Akkordeon im Umlauf sind, hat Balzer das Gefühl, dass das Instrument derzeit an Beliebtheit gewinnt und seine Durststrecke der vergangenen Jahrzehnte überwunden hat. "Dazu trägt sicher auch der Einzug des Akkordeons in die Rock- und Popmusik bei", sagt Balzer. Viele Rockbands hätten das Schifferklavier mittlerweile als "cooles Instrument" entdeckt. 

Die Vielseitigkeit des Akkordeons schätzt auch der Hemmoorer Musiker Volker Peschel, der unter anderem mit dem Karsten-Rademacher-Trio auf der Bühne steht. "Es bringt Abwechslung in den Sound der Band", meint Peschel. Ob Tango, Jazz, Musette, Balkan, Polka oder Weltmusik - das Akkordeon sei ein wahrer musikalischer Alleskönner. Weiterer Vorteil: "Das Akkordeon braucht im Normalfall keinen Stecker oder Strom."

Der Hemmoorer Musiker Volker Peschel bringt mit dem Akkordeon Abwechslung in den Sound seiner Bands Pojaz! und Karsten-Rademacher-Trio. Foto: Grewe

Britta Quaiser, die an der Musikschule Cuxhaven Akkordeon unterrichtet und mit dem Duo Ebbe & Flut und den Sohl'nborger Büttpeddern auftritt, ärgert sich, dass das Akkordeon noch immer als Schifferklavier oder Quetschkommode abgetan wird. Auf der anderen Seite beobachtet sie ein wachsendes Interesse für das "Instrument des Jahres", auch bei jungen Menschen. "Ich habe schon eine Warteliste", sagt Britta Quaiser. Aktuell betreut sie sechs Schülerinnen und Schüler unter 16 Jahren. "Auch, wenn manchmal die Zeit zum regelmäßigen Üben fehlt, so bleiben doch alle mit Spaß bei der Sache."

Akkordeon klingt wehmütig, warm und emotional

Sie kenne kein Instrument, das wandlungsfähiger sei als das Akkordeon, versichert die Cuxhavenerin. "Leichte Unterhaltungsmusik, Volkslieder, Shantys, französischer Musettewalzer, argentinischer Tango, jiddische Klezmermusik, ja selbst die Gemeindebegleitung in Gottesdiensten - alles ist möglich." Das Akkordeon könne wehmütig, warm und emotional klingen, aber auch lebendig verspielt oder kraftvoll und spannungsgeladen, so Quaiser.

Udo Brozio, Leiter des Cuxhavener Shantychors, tritt häufig mit Akkordeon auf. Er schätzt die Klangfülle des Instruments. Foto: Schimmel

Udo Brozio, Musikpädagoge, Komponist und Leiter des Cuxhavener Shantychors, glaubt nicht, dass die Beliebtheit des Akkordeons durch die Wahl zum "Instrument des Jahres" steigen wird. "Im Bereich der Shanty-Chöre wird das Instrument hauptsächlich von ehemaligen, also älteren Tanzmusikern gespielt. An Nachwuchs mangelt es", erklärt er. Gefragt nach seinem Lieblingsstück auf dem Akkordeon, muss Brozio nicht lange überlegen: "Das ist 'Ole Guapa', ein Tango, komponiert von einem Holländer. Das Lied entwickelte sich in den Fünfzigern zu einem Welthit."

Brozio, der sich auch theoretisch umfassend mit Shantys und Seemannsbräuchen beschäftigt hat, weiß, wie das Akkordeon überhaupt  zu seinem Ruf als Schifferklavier gekommen ist: "Der Siegeszug des Akkordeons begann in den Seemannskneipen und Hafenbars", erklärt der Chorleiter. "Mit dem Erfolg der Heimat- und Seemannslieder der 1950er- und 1960er-Jahre, etwa durch Freddy Quinn, etablierte sich das Akkordeon dann endgültig als Synonym für Heimweh und Fernweh."

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Christian Mangels

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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