Diese beiden toten Schafe an der Hauptstraße in Mittelstenahe wurden am frühen Dienstagmorgen als Erstes entdeckt. Foto: Kramp
Diese beiden toten Schafe an der Hauptstraße in Mittelstenahe wurden am frühen Dienstagmorgen als Erstes entdeckt. Foto: Kramp
Blutige Schneise

"Bild des Schreckens" in der Börde Lamstedt: 19 tote Schafe nach Hetzjagd durch Wölfe

von Wiebke Kramp | 17.02.2026

Ein dramatischer Wolfsangriff erschüttert die Börde Lamstedt: Hundert Schafe werden kilometerweit gehetzt, viele verlieren ihr Leben. Die Blutspur endet mitten im Dorf Mittelstenahe (mit Video).

Solch einen Wolfsübergriff hat es in den zurückliegenden Dutzend Jahren noch nicht in dieser Region gegeben. Auf gut fünf Kilometern zwischen Stinstedt und Mittelstenahe in der Börde Lamstedt hinterließen sie eine blutige Schneise.

In der Nacht zu Dienstag (17. Februar 2026) hetzten vermutlich vier Wölfe hundert Schafe kilometerweit von ihrer Winterweide durch die Feldmark bis mitten ins Dorf Mittelstenahe, wo Jörg Offermann und Klaus Müller die überlebenden Tiere im Neuen Weg vor den Kälberboxen sicherten. Die Bilanz ist erschreckend: 19 tote hochträchtige Schafe - davon 13 gerissene und sechs eingeschläferte Tiere, die der Tierarzt aufgrund ihrer schweren Bissverletzungen nicht mehr retten konnte.

Mitten in Mittelstenahe fand das Tierdrama ein Ende. Ehepaar Offermann mit Schäfer Frank Mählmann (r.) bedauern, dass auch dieses schwer verletzte Schaf nicht gerettet werden kann. Kurz darauf wird es vom Tierarzt eingeschläfert. Foto: Kramp

Fährten im Neuschnee verfolgt

Die Nacht war um 3 Uhr für Jörg Offermann beendet, als das Telefon klingelte und ein Bekannter mitteilte, dass direkt an der Hauptstraße in Mittelstenahe zwei tote Schafe lagen. Gemeinsam mit Klaus Müller machte sich der Stinstedter Landwirt auf den Weg zur Winterweide, um zu kontrollieren, ob die Schafe noch da sind. "Dort haben wir ein Bild des Schreckens gesehen. Auf der Weide lagen neun tote Schafe - und dann sind wir den Fährten nach, es war ja Neuschnee ..."

So konnten sie auf dem frisch gefallenen Schnee durch die Trittsiegel genau nachvollziehen, wohin die Wölfe die Schafherde in der Feldmark vor sich hertrieben und eine sichtbare Blutspur hinterließen. Alle paar hundert Meter attackierten sie ein Schaf, die meisten mit Kehlbissen. In Mittelstenahe liefen sie schließlich durch die Gärten mitten ins Dorf.

Das Ende fand der offensichtliche Blutrausch auf dem Hof von Jürgen Stäckeler in der Neuen Straße in der Dorfmitte. Der Spielplatz und die Bushaltestelle sind nur einen Katzensprung entfernt. Autofahrer werden auf Schildern vor spielenden Kindern gewarnt, in den Gärten stehen Schaukeln. Am Morgen blöken hier die restlichen Schafe der Herde hinter einem Behelfszaun vor den Kälberboxen. Einige der Überlebenden wurden unterwegs eingefangen, tote Artgenossen liegen auf der Hofzuwegung.

Risse wurden begutachtet und DNA-Proben genommen

Seitens der Landwirtschaftskammer sind die Risse begutachtet und DNA-Spuren genommen worden. Den Fährten nach zu urteilen, sollen es laut Jörn Offermann vier Wölfe gewesen sein. "Es können aber auch ein oder zwei mehr gewesen sein", so Offermann gegenüber CNV-Medien. Er weiß von vier Wölfen, die am Sonntagmorgen in Stinstedt gesichtet worden seien. Der Vater zweier Kinder ist besorgt. Schon lange dürfen die nicht mehr alleine durch die Feldmark laufen oder fahren. Dem Landwirt ist die Hilflosigkeit angesichts der Wolfsproblematik anzumerken: "Von der Politik bin ich maßlos enttäuscht, da haben wir leider immer wieder leere Versprechungen bekommen."

Im frischen Schnee waren die Trittsiegel der riesigen Pfoten sehr gut zu erkennen.. Foto: Offermann

Zweiter Angriff innerhalb weniger Tage

Jörn Offermann und seine Frau Heidi haben das Ausmaß der Nutztierattacken dokumentiert. Sie sind Verpächter der Weide, die mit einem sogenannten wolfsabweisenden Zaun gesichert ist. Auch wenn sie nicht Halter der Tiere sind, so geht ihnen das Schicksal sichtlich nahe. Kurz vor Mittag erlöst der Tierarzt das letzte gebissene Schaf von seinem Leiden. Für Schock hat der Schäfer Frank Mählmann noch keine Zeit. Wie die Offermanns ist auch er seit den frühen Morgenstunden auf den Beinen und mit dem Tierdrama beschäftigt. Für den Oberndorfer ist es bereits der zweite Verlust von hochträchtigen Mutterschafen, den er innerhalb weniger Tage verkraften muss. Bereits am Freitag verlor er in Bülkau-Bovenmoor acht Tiere der vom Aussterben bedrohten Rasse Schwarzkopf. Mählmann lebt von der Schäferei, er hat insgesamt acht Herden und blieb vorher weitgehend von Wolfsübergriffen verschont.

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Wiebke Kramp

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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