Kreiskantor Christian Müller fühlt sich sichtlich wohl im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln. Offiziell eingeführt ins verantwortungsvolle Amt wird er am 18. April in der Kirche St. Severi in Otterndorf. Foto: Schoener
Kreiskantor Christian Müller fühlt sich sichtlich wohl im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln. Offiziell eingeführt ins verantwortungsvolle Amt wird er am 18. April in der Kirche St. Severi in Otterndorf. Foto: Schoener
Sonnabend-Interview

Neue Impulse für Kirchenmusik in Cuxhaven-Hadeln: Kantor Christian Müller im Gespräch

von Christian Mangels | 17.04.2026

Christian Müller ist der neue Kantor des Kirchenkreises Cuxhaven-Hadeln. Am Sonnabend, 18. April, wird er feierlich in sein Amt eingeführt. Im Interview verrät der 48-Jährige, wie er die kirchenmusikalische Arbeit vor Ort weiterentwickeln möchte.

Herr Müller, wann haben Sie selbst zum ersten Mal gespürt: Musik ist mehr als ein Hobby - sie ist Berufung?

Es war nicht dieser eine Moment, eher ein Weg. Sicherlich prägend waren die ersten nebenamtlichen Stellen als Chorleiter und Organist, die ich als Jugendlicher innehatte, und die einen kleinen Einblick gaben, was es bedeutet, regelmäßig Musik in der Kirche zu machen.

Sie haben in Heidelberg Kirchenmusik studiert. Welche musikalischen oder menschlichen Einflüsse aus dieser Zeit prägen Sie bis heute?

Einerseits natürlich das Handwerk wie unter vielem anderen Spieltechniken, Theorie, Gehörbildung, Chorleitung. Andererseits aber auch die Kontakte und Freundschaften, die bis heute bestehen und menschlich und musikalisch bereichernd sind.

Über 20 Jahre waren Sie Dekanatskantor im Raum Frankfurt. Was nehmen Sie aus dieser langen Zeit mit nach Cuxhaven-Hadeln?

Ich nehme - neben der rein praktischen Berufserfahrung - mit, dass Kirchenmusik Glaubensinhalte transportiert und sie in besonderer Weise erlebbar macht. Dass Kirchenmusik Menschen zusammenbringt - Chöre, Gemeinden, Zuhörende. Das gemeinsame Musizieren und Hören ist ein Ausdruck gelebter Gemeinde und ein Ort, an dem der Glaube erfahrbar wird.

Gibt es musikalische Vorbilder oder Komponisten, die Sie besonders geprägt haben?

Ich denke, es ist Johann Sebastian Bach: Als Kind entdeckte ich nämlich durch eine Kassette mit seiner Orgelmusik meine Leidenschaft für Kirchenmusik.

Was hat Sie an der Stelle im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln besonders gereizt?

Als ein im friesischen Varel aufgewachsenes "Küstenkind" hat es mich in den Norden zurückgezogen. Die Ausschreibung der Stelle in Otterndorf und im Kirchenkreis hat mich dabei sofort angesprochen: die gewünschte Fortführung bestehender Chorarbeit und die Möglichkeit, eine weitere mit Kindern und Jugendlichen aufbauen zu können. Und nicht zuletzt natürlich die fantastische Gloger-Orgel. Außerdem haben die wunderbare Lage an der Elbmündung in die heimatliche Nordsee und die charmante kleine Stadt selbst gelockt.

Sie treten die Nachfolge von Kai Rudl an. Wie gehen Sie mit einem solchen Erbe um?

In die Fußstapfen meines Vorgängers zu treten, heißt für mich, ein starkes Erbe anzunehmen. Ich empfinde Dankbarkeit und auch die Verpflichtung, mit derselben Hingabe weiterzumachen und dabei eigene Impulse zu setzen.

Sie beschreiben Musik als "Begegnung". Was bedeutet das konkret im Alltag eines Kantors?

Einerseits sind es die Begegnungen bei Proben, Auftritten oder Besprechungen. Wenn wir über Gestaltung oder Empfindungen sprechen. Das ist dann offensichtlich. Aber auch im Unsichtbaren geschieht Dialog oder Begegnung: nämlich dann, wenn die Musik, die wir machen, die Menschen erreicht. Dann ist Musik immer Austausch, immer Gemeinschaft und Begegnung - auch, wenn ich alleine an der Orgel sitze und etwas vortrage.

Wie kann Kirchenmusik Menschen erreichen, die sonst vielleicht keinen Zugang zur Kirche haben?

Ich glaube, wir sollten die Musik auch dorthin bringen, wo das Leben der Menschen ganz natürlich stattfindet. Vielleicht ein "Feierabend-Singen" am Deich oder musikalische Impulse am Hafen. Aber das funktioniert auch umgekehrt: Warum nicht mal Shantys in der Kirche singen? Ich freue mich sehr darauf, diese Brücken in Zukunft gemeinsam mit den Menschen vor Ort weiter auszubauen.

Christian Müller ist der neue Kantor des Kirchenkreises Cuxhaven-Hadeln. Foto: Schoener

Welche Rolle spielt für Sie das gemeinsame Singen in einer zunehmend individualisierten Gesellschaft?

Singen schafft Zusammenhalt. Wir müssen aufeinander hören, um einen schönen und homogenen Klang zu bekommen. Wenn wir daraus etwas in unseren Alltag mitnehmen, sensibilisiert es auch für das große Miteinander.

Ihnen liegt die Arbeit mit jungen Menschen besonders am Herzen. Warum gerade dieser Bereich?

Kinder- und Jugendchöre sind die Zukunft der kirchenmusikalischen Arbeit. Es bereitet mir Freude, das Interesse und die Offenheit der jungen Menschen zu erleben und sie an Kirchenmusik heranzuführen und zu fördern.

Wie kann man Kinder und Jugendliche heute für Kirchenmusik begeistern?

Ich denke, wir müssen sie an die Hand nehmen und ihnen die tollen Möglichkeiten aufzeigen, die Kirchenmusik bietet, und sie aktiv mitwirken lassen in Gottesdiensten und Konzerten. Wir müssen sie erleben lassen, wie mitreißend auch ein alter Choral sein kann und wie ergreifend ein modernes geistliches Lied. So erfahren die jungen Menschen, dass Kirchenmusik das Unsichtbare im eigenen Leben spürbar machen kann.

Planen Sie neue Projekte oder Formate speziell für diese Zielgruppe?

Es gibt auf dem Markt bereits viele schöne Ideen für diese Zielgruppe, seien es Kindermusicals, besondere Gottesdienstformate, oder spezielle Konzerte und Konzepte. Da ist es spannend zu schauen, was umsetzbar ist, was sich bewährt hat oder wo neue Gedanken Raum finden können.

Welche neuen Impulse möchten Sie im Kirchenkreis setzen?

Mir liegt die Förderung und Unterstützung der neben- und ehrenamtlich musizierenden Menschen sehr am Herzen und ich möchte ihnen Angebote machen. Auch möchte ich gerne Ansprechpartner für Gemeinden sein, wenn es um kirchenmusikalische Belange aller Art geht - insbesondere um die wertvollen Orgeln in unserem Kirchenkreis.

Gibt es musikalische Experimente oder ungewöhnliche Formate, die Sie gerne ausprobieren würden?

Kirchenmusik ist immer Entwicklung, ein lebendiger Prozess. Wir können zum Beispiel mit Räumen und Klängen experimentieren - dem möchte ich gerne nachspüren. Spannend finde ich auch, Orgelmusik mit anderen Kunstformen zu verknüpfen.

Welche Rolle kann Kirchenmusik in einer sich wandelnden Gesellschaft spielen?

Kirchenmusik ist Erdung und Konstanz. Auch bei neuen Formen und Experimenten bleibt eines immer gleich: Klänge. Klänge, die tief berühren und bewegen.

Muss sich Kirchenmusik verändern, um relevant zu bleiben - und wenn ja, wie weit darf sie sich verändern?

Sicherlich muss man mit der Zeit gehen und die Menschen in ihrer aktuellen Lebenswelt abholen. Dennoch muss das Traditionelle gut mit neuen Aspekten einhergehen. Beides braucht seinen Stellenwert und beides hat seine eigene Berechtigung und Ausstrahlung.

Wie erleben Sie die Verbindung von Tradition und Moderne in Ihrer Arbeit?

Ich erlebe sie als sehr bereichernd und fruchtbar. Beides spricht - wenn auch unterschiedlich - Menschen an und erreicht sie. Und genau das will Kirchenmusik.

Worauf freuen Sie sich bei Ihrer Einführung am meisten?

Auf den festlichen Gottesdienst, die Begegnungen mit lang vertrauten Menschen, aber selbstverständlich auch die Begegnungen mit denjenigen, die mir seit meinem Dienstbeginn hier ans Herz gewachsen sind.

Wenn Sie sich etwas für Ihre neue Wirkungsstätte wünschen dürften - was wäre das?

Ich wünsche mir für meine neue Wirkungsstätte immer genug Wind in den Segeln. Dass uns die Begeisterung für die Musik nie ausgeht und wir auch bei kräftiger Brise immer einen gemeinsamen Rhythmus finden, der uns trägt.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Welche Musik hören Sie, wenn Sie einmal nicht im Dienst sind?

Da bin ich - vielleicht berufsbedingt - sehr offen und höre gerne, was mir so in die Playlist rutscht. Wenn es mal keine Musik ist, dann freue ich mich über ein schönes Hörbuch oder einen Podcast - oder einfach über das Rauschen des Wassers am Deich.

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Christian Mangels

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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