Nico Kreth ist der neue Bufdi der Seemannsmission im Grünen Weg. Foto: Larschow
Nico Kreth ist der neue Bufdi der Seemannsmission im Grünen Weg. Foto: Larschow
Seemannsmission Cuxhaven

Zwischen Schiffen und Seeleuten: Das Leben als Bufdi bei der Seemannsmission Cuxhaven

von Tim Larschow | 15.08.2026

Nico Kreth aus Neuenkirchen absolviert seinen Bundesfreiwilligendienst in der Seemannsmission Cuxhaven. Zwischen Bordbesuchen, Clubabenden und Gesprächen mit Seeleuten aus aller Welt sammelt der 18-jährige Erfahrungen für seine berufliche Zukunft.

Wenn Nico Kreth morgens in der Seemannsmission seinen Dienst beginnt, steht zunächst nicht unbedingt der Kontakt zu Seeleuten auf dem Programm. An diesem Morgen ist Inventur angesagt. Getränke, Snacks werden gezählt, die später von den Seeleuten im Club gekauft werden können. Danach bereitet Kreth die Bordbesuche vor. Und wenig später geht es für ihn selbst hinaus in den Hafen.

Der 18-Jährige aus Neuenkirchen absolviert derzeit seinen Bundesfreiwilligendienst in der Seemannsmission. Ein Jahr lang will er erleben, was hinter den Kulissen passiert, mit Seeleuten aus aller Welt ins Gespräch kommen und herausfinden, wohin sein eigener Weg führen soll.

Langweilig wird es in der Mission nicht

Nach seinem Realschulabschluss in Otterndorf hatte er zunächst verschiedene Möglichkeiten im Kopf. Auch der Rettungsdienst und die Straßenmeisterei könnten sein Ding sein. "Der Rettungsdienst interessiert mich, weil ich gerne Menschen helfen möchte", sagt Kreth. Gleichzeitig ist die Seefahrt in seiner Familie allgegenwärtig.

Sein älterer Bruder ist Kapitän und wurde bereits mit 25 Jahren Schiffsführer. Auch die Freundin seines Bruders war früher in der Seemannsmission in Bremerhaven und absolvierte dort ein Freiwilliges Soziales Jahr. "Ich wollte früher Kapitän werden", erzählt Kreth. Bevor er sich möglicherweise für eine Ausbildung in der Seefahrt entscheidet, möchte er erst einmal ein Jahr im Hafen verbringen.

Langweilig wird es ihm in der Mission jedenfalls nicht. Neben den Bürozeiten am Vormittag gehören praktische Aufgaben zum Alltag: Rasen mähen, kaputte Dinge reparieren, Fahrzeuge tanken oder die Abholung der Seeleute für die Clubabende. Vormittags ist er meist zwischen 8.30 und 13 Uhr im Einsatz, am Nachmittag zwischen 14 und 17 Uhr. Bei Clubabenden kann der Dienst auch bis 21 Uhr dauern.

Besonders spannend sind für den Bufdi die Bordbesuche. In seiner ersten Woche waren es bereits vier. Etwa bei der "Ecomar", wo er zahlreiche Pakete an Bord bringen musste, die Crewmitglieder über Amazon bestellt hatten. "Das war natürlich eine Ausnahme", sagt er. Auch auf dem Bulk Carrier "Ocean Lucky" war er bereits. Dort hatte er erstmals Kontakt zu einer chinesischen Besatzung.

Sein Bruder hat ihn zwar schon früher mit an Bord genommen, trotzdem ist für Kreth jeder neue Schiffstyp interessant. "Es ist toll, sich die verschiedenen Schiffe anzugucken." Bei den Bordbesuchen kommt er häufig auch auf die Brücke. Noch wichtiger als die Technik sind ihm allerdings die Menschen. Auf die Gespräche mit den Seeleuten freue er sich am meisten, sagt er. Und ganz nebenbei möchte er sein Englisch verbessern.

In der Mittagspause im Hafen Schiffe gucken

Dass dabei auch unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen, gehört für ihn zum Reiz der Arbeit. Allein 2025 gab es 1.534 Bordbesuche in Cuxhaven. Bei mehr als der Hälfte war ein Freiwilliger mit dabei. Insgesamt wurden mehr als 4.300 Begegnungen mit Seeleuten an Bord gezählt. Im Club trafen Menschen aus 42 verschiedenen Nationen aufeinander.

Nico Kreth wohnt während seines Freiwilligendienstes teilweise in der Seemannsmission. Das Zimmer ist für ihn eine Art Zweitwohnsitz. Gerade an den Abenden sei das praktisch, sagt er. Nach einem Clubabend müsse er nicht noch zurück nach Neuenkirchen fahren. Wenn er dagegen Mittagspause hat, zieht es ihn häufig wieder in Richtung Hafen. "Ich fahre dann gerne in den Hafen, schaue aufs Wasser und sehe mir die Schiffe an."

Das Meer gehört ohnehin schon lange zu seinem Leben. Als Sechsjähriger war er zum ersten Mal mit seinem Opa auf Helgoland. Seitdem fuhr er mit seinen Eltern, die beide im DRK aktiv sind, etwa alle zwei Jahre auf die Insel.

In seiner Freizeit ist Kreth allerdings nicht nur am Wasser unterwegs. Seit etwa einem Jahr engagiert er sich im DRK-Ortsverein Neuenkirchen, hilft dort unter anderem bei Bingo-Abenden beim Aufbau. Wenn er Ruhe braucht, geht er angeln - an der Medem oder am Hadelner Kanal. Auch musikalisch probiert er Neues aus. Zu Hause übt er E-Orgel und Gitarre. "Noch hört es sich nicht schön an", scherzt er. Vielleicht spielt er eines Tages gemeinsam mit den Gästen im Club. Die Idee gefällt ihm jedenfalls.

Bis zum nächsten Sommer will er möglichst viele Erfahrungen sammeln, Kontakte knüpfen und herausfinden, ob sein Weg tatsächlich in die Seefahrt oder zum Rettungsdienst führt. Eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker könne er sich vorstellen. "Was ich an der Region schätze, sind die Leute", sagt Kreth. "Ich bin eher Dorfkind als Stadtkind." Im kommenden Jahr wird er allerdings fast täglich im Hafen unterwegs sein. Für den Fall, dass sich bis zum nächsten Sommer noch keine klare Perspektive ergibt, hat Kreth bereits einen Plan: "Zur Not mache ich noch ein zweites Jahr hier, wenn sich niemand für den Bundesfreiwilligendienst findet", sagt er und grinst.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Tim Larschow
Tim Larschow

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

tlarschow@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
+++ Update +++

Unfall zwischen Lüdingworth und Neuenkirchen: K9 nach frontaler Kollision gesperrt

von Redaktion

Bei einem Frontalzusammenstoß auf der K9 zwischen Lüdingworth und Neuenkirchen sind am Donnerstagmorgen drei Menschen verletzt worden. Nach Angaben der Polizei Cuxhaven wurde ein Auto durch die Wucht des Aufpralls in einen Graben geschleudert.

Ein technischer Defekt

Gefährliche Rutschpartie verhindert: 90 Liter Hydrauliköl laufen in Neuenkirchen aus

Ein technischer Defekt an einer landwirtschaftlichen Zugmaschine hat in Neuenkirchen (Kreis Cuxhaven) für einen Feuerwehreinsatz gesorgt. Rund 90 Liter Hydrauliköl liefen auf die Dorfstraße.

Zwei Tage Festival

"Scholien Rocks" 2026 in Neuenkirchen: Alle Infos zu Programm, Tickets und Flohmarkt

von Christian Mangels

"Scholien Rocks" geht in die sechste Runde: Am 7. und 8. August wird Neuenkirchen wieder zum Treffpunkt für Musikfans und Familien. Zahlreiche Bands, Flohmarkt und Camping gehören zum Programm - möglich gemacht durch viele freiwillige Helfer.

Tanktransporte

Hygiene-Verdacht in Neuenkirchen: Das ergaben die internen Prüfungen bei Döhler

von Christian Mangels

Bei der Untersuchung möglicher Hygienemängel rund um Tanktransporte für das Döhler-Werk in Neuenkirchen wurden keine Verunreinigungen oder Unregelmäßigkeiten festgestellt. Das Unternehmen hält dennoch an Sperren fest und kontrolliert strenger.