Kostbarkeiten in der Festhalle: Das war die Ausstellung "Aus dem Koffer" in Neuhaus
In der Festhalle von Neuhaus/Oste zeigte der erste Kunsthandwerksmarkt "Aus dem Koffer", wie viel Können, Nachhaltigkeit und Persönlichkeit in handgemachten Unikaten stecken.
Es braucht nicht viel, um etwas Besonderes zu schaffen: Zeit, einen Blick für das Schöne, geschickte Hände und Liebe zum eigenen Tun. Beim ersten Neuhäuser Kunsthandwerksmarkt "Aus dem Koffer" in der Festhalle war genau das zu erleben. Statt großer Gesten gab es kleine Kostbarkeiten, liebevoll gefertigt und aufmerksam präsentiert - Dinge, in denen neben handwerklichem Können auch viel Persönlichkeit steckte.
Organisiert wurde der Markt von Silvia Fercke. Sie engagiert sich im Verein "Bunter Flecken", der dazu beitragen möchte, dass in Neuhaus viel Schönes entsteht. Vertreten waren nach ihren Angaben unter anderem Maler, Buchautoren, Kunsthandwerker sowie Arbeiten aus den Bereichen Genähtes, Bemaltes, Gesticktes und Gehäkeltes.
"Slow Fashion" als Leitgedanke
Eine wichtige Rolle spielte Nachhaltigkeit. "Slow Fashion" war ein Leitgedanke des Marktes. Jelka aus Neuhaus verarbeitet gebrauchte Stoffe zu kunstvoll gearbeiteten Stulpen. Tischler Garlef fertigt aus alten Sägeblättern scharfe Messer. Beeke aus Wischhafen brachte ihr Spinnrad und regionale Wolle mit; bei ihr gibt es auch ungekämmte Wolle, etwa zur Herstellung von Kuscheltieren.

Der Name des Marktes war Programm: Aus Koffern, auf Tischen und an liebevoll gestalteten Ständen entfaltete sich eine Welt handgemachter Dinge. Jeder Aussteller brachte seine eigene Handschrift mit. Geprägt wurde der Markt von der stillen Leidenschaft für Material und Gestaltung - und von einer norddeutschen Vorliebe für das Ungekünstelte und Ursprüngliche. Die Weite der Marsch, der raue Charme der Küste und das wechselnde Licht über der Oste schienen sich in der Haltung vieler Aussteller widerzuspiegeln: Nicht das Perfekte von der Stange zählt, sondern das Echte mit Ecken, Kanten und Charakter.
So wurde "Aus dem Koffer" zu einem Ort der Begegnung für Menschen, die verweilen, sich die Entstehung der Arbeiten erklären lassen und ein bislang unentdecktes Kleinod finden wollten. "Es ist schön, wenn jemand stehen bleibt, sich für die Arbeit interessiert und erkennt, wie viel Herzblut darin steckt", sagte Frauke Thimm. Ihre Idee: Kunst aus Zigarettenautomaten ziehen.
Cuxhavener Kinderhospiz profitiert
Auch der gute Zweck kam nicht zu kurz. Gehäkelte Glückswürmchen von Ulrike wurden zugunsten des Kinderhospizes Cuxhaven-Bremerhaven angeboten. Kulinarisch rundeten selbstgebackene Köstlichkeiten wie Apfelschmandkuchen das Angebot ab.
Susanne aus Neunkirchen hatte ihren Koffer mit einer besonderen Botschaft gefüllt. Ihre kleine handgemalte Schnecke Linné soll daran erinnern, "dass das Leben auch langsam sein darf und dass die Kraft in der Ruhe wohnt".
Die Qualität dieses ersten Kunsthandwerksmarktes zeigte, dass die schönen Dinge des Lebens nicht groß und glänzend sein müssen. Manchmal passen sie in einen Koffer. Die Festhalle von 1896 bot mit ihrer geschwungenen Empore eine stimmungsvolle Bühne - auch für die Einstimmung auf die Weihnachtszeit.
Von Joachim Tonn
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