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Blick vom Garten auf das historische Landratsamt. Foto: Kramp
Blick vom Garten auf das historische Landratsamt. Foto: Kramp
Historische Mauern

Gemeinsam statt einsam: So soll das neue Wohnprojekt in Neuhaus (Oste) aussehen

von Wiebke Kramp | 02.10.2026 Zuletzt aktualisiert: 02.10.2026 17:58 Uhr

Im historischen Ambiente von Neuhaus (Oste) entsteht ein einzigartiges Mehrgenerationen-Wohnprojekt. Mit Fantasie und Fachwissen wird aus veralteten Räumen ein Ort für inklusives und nachhaltiges Wohnen geschaffen.

Auf dem Papier haben die neuen Wohnungen im denkmalgeschützten Backstein-Ambiente bereits Kontur. Die Wirklichkeit verlangt dem Betrachter allerdings viel Vorstellungskraft ab, wie aus diesen tristen, sichtlich in die Jahre gekommenen Räumen ein schmuckes, gemeinschaftliches Mehrgenerationen-Wohnprojekt für Jung bis Alt entstehen kann. Realisiert werden solle es unter dem Dach als zu gründende Genossenschaft - also mit finanziellen Anteilseignern, die das Gesamtkonstrukt ermöglichen und für solidarisch-sicheres Wohnen sorgen. 

Die historischen Wurzeln des Komplexes reichen zurück in die Kaiserzeit. Das Ensemble atmet jede Menge Orts- und sogar Kreisgeschichte. Es zeugt von der einstigen Bedeutung des Fleckens Neuhaus als Kreissitz. Zwei Gebäude, darunter das alte Landratsamt aus dem Jahr 1723, gebaut von Amtmann von der Pahlen, stehen unter Denkmalschutz. Es besitzt ein markantes Sandsteinportal im Barockstil. 1889 kam ein weiteres Verwaltungsgebäude in der Nachbarschaft hinzu. Von 1947 bis 1958 war dort die Außenstelle des Krankenhauses Otterndorf untergebracht. Prägend in der jüngeren Geschichte war die Zeit zwischen 1960 und 2004 als die Gebäude als Kinderheim des Landes Hadeln und später des Landkreises Cuxhaven genutzt wurden. In dieser Zeit kam auch der Zwischenbau hinzu. 2005 gelangten sie unter die Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt Soziale Arbeit GmbH Loxstedt, die dort Kinder und Jugendliche betreute.

Die Interessenten Bettina und Stephan Noesser (M.) mit Frank Maier (r.) und seiner Frau Birte. Foto: Kramp

Doch den denkmalgeschützten Teilen der früheren Verwaltungsgebäude stecken die vielen zweckdienlichen Jahre als Kinderheim und zuletzt als Flüchtlingsunterkunft sichtlich in den Mauern. Von langen Fluren gehen die zellenartigen Zimmer ab. Ausgetretene Bodenbeläge, Gemeinschaftsbäder und Essräume zeugen heute von der langjährigen Nutzung.

Herangehen mit Fachwissen und Fantasie

Die Grundstücksfläche der drei Gebäudeteile beträgt circa 21.800 Quadratmeter, die Nutzfläche wird mit 1635 Quadratmetern angegeben.

Als Architektin besitzt Bettina Noesser das notwendige Fachwissen und die Fantasie, wie in das Amtshaus und das ehemalige Landratsamt in Neuhaus durch ganz neue Zuschnitte wohnliches Leben einkehren kann. "Bestehende Gebäude werden genutzt, ergänzt und behutsam weiterentwickelt." Mit den Plänen in der Hand verdeutlicht sie bei einem Ortstermin einer Handvoll Interessierten ihre Vorstellungen von den unterschiedlich großen, dabei kompakten Wohnungen und individuell zugeschnittenen Wohnformen für jeden Zweck. "Hier könnten Innenbäder entstehen, sodass wir für die Wohnräume Licht durch die Fenster bekommen", zeigt sie. Jeder hat zwar seine eigenen vier Wände, aber es gibt zusätzlich Raum für Gemeinschaft beziehungsweise gemeinsame Nutzung, zum Beispiel Waschküchen.

Dieser Gebäudekomplex entstand 1889. Foto: Kramp

Auch sie selbst und ihr Mann Stephan werden mit von der Partie sein bei dieser Verwirklichung von genossenschaftlichem, gemeinschaftlichem Leben in Neuhaus. Eine entsprechende Bauvoranfrage an den Landkreis sei gestellt, die Denkmalpflege mit im Boot, erläutert Bettina Noesser. Und bei aller historischen Behutsamkeit sollen doch moderne Annehmlichkeiten nicht ausgespart werden. Sie möchte gern eine Luftwärmepumpe ein- und Balkone zur Gartenseite anbauen lassen, Fotovoltaik soll auf der Rückseite aufs Dach. Ebenfalls in Planung ist ein Fahrstuhl zwecks Barrierearmut.

Das Wohnen ist ausdrücklich nicht nur rein auf Senioren ausgerichtet. Im Gegenteil: Es ist generationsübergreifend und inklusiv gedacht. Es sollen 24 maßgeschneiderte Individualwohnungen entstehen sowie Wohnraum explizit für jüngere Leute.

An jüngere Leute ist ausdrücklich gedacht

Geplant sind Grundrisse für eine Wohngemeinschaft mit Gemeinschaftsraum und zwei Bädern sowie Cluster-Wohnen in Mikroappartements für jeweils fünf Leute - beispielsweise für Auszubildende -, die jeweils in den Obergeschossen entstehen. Der parkähnliche Garten bietet zudem Platz für mehrere Bauwagen. Gedacht ist an Gemeinschaftsflächen, zum Beispiel von Hauswirtschaftsräumen, im Mittelbau, der perspektivisch einem Neubau weichen soll.

Das Barockportal des alten Landratsamtes aus dem Jahr 1723. Foto: Kramp

Bettina Noesser und ihr Mann Stephan, der Pastor ist, leben zwischen Köln und Düsseldorf. Nachdem sich ein angedachtes gemeinschaftliches Wohnprojekt zerschlagen hatte, blieben sie auf der Suche nach einem geeigneten Objekt. Auf die Immobilie in Neuhaus wurden sie über ihre Bekanntschaft zu dem Wohnprojektberater Frank Maier fündig. Er hatte bereits mit seiner Frau Birte in Freiburg/Elbe ein Wohnprojekt aus der Taufe gehoben - und ist jetzt bei diesem Projekt "Neje Bihuus" in Neuhaus aus Überzeugung dabei. Die Initiatoren suchen jetzt weiter aktiv Mitgestalterinnen und -gestalter. Erste Treffen hat es nicht nur vor Ort gegeben, sondern auch online. Mit ihrem Wohnprojekt wollen die Macherinnen und Macher ausdrücklich in den Ort hineinwirken, sich einbringen und die dörfliche Infrastruktur stärken. Ausdrücklich soll ein respektvoller Umgang gegenüber historischer Bausubstanz, umgebender Ortschaft und Natur erfolgen. Großgeschrieben werden Nachhaltigkeit und wohngesunde Bauweise.

Interessenten beim Rundgang durch das Gemäuer. Foto: Kramp

Mit der AOW, die den Komplex veräußern möchte, stehen die Interessenten in Verhandlung. Weil in den zurückliegenden Jahren offenkundig zu wenig in den Erhalt investiert worden sei, haben sie die Hoffnung auf eine akzeptable Kaufsumme nicht aufgegeben, zudem die AWO seinerzeit den Komplex für einen Euro vom Landkreis übernommen habe.

Kein Interesse hingegen bestehe an der Gedenkstätte für Kriegsopfer, die sich ebenfalls im Portfolio des gesamten Verkaufsobjektes befindet. "Die AWO sollte das Denkmal an die Gemeinde geben, denn dort gehört es auch hin", betont Frank Maier. Bei diesem Denkmal handelt es sich um das Ehrenmal des Fleckens Neuhaus. Dort sind sämtliche Gefallenen der beiden Weltkriege des vorigen Jahrhunderts namentlich aufgeführt.

Aufruf: Wer hat alte Bilder?

Die Architektin und Initiatorin Bettina Noesser hat erklärtes Interesse daran, den denkmalgeschützten Komplex  behutsam entsprechend der historischen Optik zu gestalten.

 Deshalb hoffen die Wohnprojekt-Initiatoren auf alte Ansichten auf Gemälden  oder Fotografien. Wer darüber verfügt, wird gebeten, davon Fotos zu machen und sie per E-Mail an Frank Maier zu senden. Kontakt: frank.j.maier@gmx.de.

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Wiebke Kramp

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