Vier Generationen auf dem Deichbrand in Wanhöden: Festival wird zum Familientreffen
Vier Generationen, ein Festival: Für die Familie Matthes ist das Deichbrand längst mehr als nur Musik. Zwischen Konzerten, Lagerfeuer und Familientraditionen erleben sie das Festival jedes Jahr aufs Neue.
Auf der Fire Stage spielt eine Band, der Bass dröhnt, die Stimmung ist ausgelassen. Ein Stück weiter, auf dem Playground, bahnt sich ein kleines Mädchen ihren Weg durch die Menschenmenge: Die neunjährige Lilith läuft an der Hand ihrer Oma Bettina über das Festivalgelände. Es ist laut, bunt und voller Menschen - es ist Deichbrand.
Seit 2013 ist das Festival fest im Kalender von Bettina Matthes verankert. Inzwischen verbindet das Deichbrand gleich mehrere Generationen ihrer Familie. Liliths Uropa Alfred hat sie zum Festival gebracht - damit sind zeitweise vier Generationen rund um das Deichbrand unterwegs gewesen. Doch die Art und Weise, wie die Familie das Festival erlebt, hat sich im Laufe der Jahre deutlich verändert.
Beim Deichbrand ist Familie Matthes wieder vereint
Am Anfang war es allen Beteiligten wichtig, getrennt zu feiern. Alle schlugen ihre eigenen Lager auf und sahen sich eher selten auf dem Gelände. Der Grund? "Es gibt Sachen, die meine Mutter nicht unbedingt sehen muss", sagt Tochter Lovis und lacht. Der Kontakt beschränkte sich in den ersten Jahren meist darauf, dass die Kinder morgens zum Frühstück, auf einen Kaffee oder für eine Kopfschmerztablette im Camp ihrer Mutter vorbeischauten.

Mit den Jahren änderte sich das. Je älter die Familienmitglieder wurden, desto näher rückten sie auch auf dem Festivalgelände zusammen. Mittlerweile leben sie an verschiedenen Orten: Bettina in Bremerhaven, Schwester Sabine in Schiffdorf, Lovis mit ihrer Tochter Lilith in Bremen und Sohn Niclas in Kiel. Umso mehr genießen sie die gemeinsame Zeit auf dem Deichbrand. Das Festival ist einer der Termine im Jahr, an dem alle zusammenkommen - jeder auf seine Weise, aber doch als Familie.
Vom Notfall-Taxi zum festen Teil der Festival-Gruppe
Jahrelang hatte Bettinas Schwester Sabine eine ganz besondere Aufgabe: Sie war das offizielle Notfall-Taxi. Weil sie nicht weit entfernt wohnt, war sie die Rettung, wenn jemand etwas Wichtiges vergessen hatte oder plötzlich Zahnschmerzen bekam. Dann klingelte ihr Telefon. Die Familie hielt Ausschau nach dem Cuxhavener Kennzeichen und wartete auf die Rettung durch Tante Sabine.
Mittlerweile ist sie selbst mittendrin: Seit drei Jahren kommt Sabine mit einem Tagesticket aufs Festival. Auch die neunjährige Lilith verbringt ihre Tage auf dem Gelände, übernachtet aber nicht dort. Gerade in diesem Jahr findet sie das etwas schade. "Die Bands, die sie gerne sehen will, kommen erst sehr spät", sagt ihre Oma Bettina. Zum Beispiel Sido. "Letztes Jahr war es besser", sagt Lilith. Trotzdem fällt ihr Urteil eindeutig aus. Auf die Frage, wie ihr das Festival gefällt, antwortet sie ohne zu zögern: "Perfekt."

Dass bei so vielen Menschen auch unterschiedliche Vorstellungen vom perfekten Festivaltag aufeinandertreffen, liegt auf der Hand. "Jeder hat seine eigenen Pläne, wie es laufen soll", sagt Niclas. Er mag es lieber etwas ruhiger und sitzt abends gerne am Lagerfeuer.

"Manchmal ist es eben eine Überdosis Familie", fasst Bettina zusammen und lacht. Doch genau das mache für sie den Reiz aus. "Eine Familie braucht Wurzeln und Flügel", sagt sie. Man kann sich jederzeit begegnen, gemeinsam etwas unternehmen oder eben auch getrennte Wege gehen. Tagsüber verliert man sich schon mal im Gedränge, weil die einen zu einer bestimmten Band wollen und die anderen lieber über das Gelände schlendern. Ein Programmpunkt ist für die Familie allerdings gesetzt: der Auftritt der Band Raum 27. "Das hat auch mit Lokalpatriotismus zu tun", sagt Bettina und grinst.
Von Feenke Hornbostel
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