Nach der Bergung wurden Presse und Museumsvertretern erste Blicke auf das in Nordholz wieder aufgetauchte Sturmgeschütz gewährt. Foto: Reese-Winne
Nach der Bergung wurden Presse und Museumsvertretern erste Blicke auf das in Nordholz wieder aufgetauchte Sturmgeschütz gewährt. Foto: Reese-Winne
Sensationsfund

Über 80 Jahre im Boden: Nordholzer Sturmgeschütz hat sein neues Zuhause erreicht

von Maren Reese-Winne | 20.08.2026

Ein spektakulärer Fund aus dem Zweiten Weltkrieg hat seine Reise beendet: Das Nordholzer Sturmgeschütz ist sicher an seinem neuen Standort angekommen. Dort beginnt für das mehr als 80 Jahre alte Relikt nun ein neues Kapitel.

. Das "Nordholzer Sturmgeschütz" sollte in Nordholz keine Zukunft haben. Dafür ist es jetzt an der nächsten Station angekommen: Gegen Mittag sollte am gestrigen Donnerstag im Deutschen Panzermuseum in Munster der neue Standort erreicht sein.

Es war eine Sensation, als das Relikt des Zweiten Weltkriegs am 30. April bei Erdarbeiten am Rande des Flugplatzes entdeckt wurde. Experten identifizierten das über 80 Jahre alte Kettenfahrzeug als Stug III, Typ F (Stug steht für Sturmgeschütz). Unter archäologischer Begleitung und nach vorheriger Untersuchung der Fundstelle und der  Umgebung durch den Kampfmittelräumdienst wurde das Fahrzeug freigelegt und in einem Teilstück des Marinefliegergeschwaders zwischengelagert.

Unter anderem meldete das Aeronauticum Interesse an, das Fahrzeug dauerhaft in seine Ausstellung zu übernehmen. Den Zuschlag erhielt jedoch das Militärhistorische Museum der Bundeswehr (MHMBw) in Dresden, das das Stück im Panzermuseum Munster präsentieren wird. Das historische Zeugnis soll dauerhaft bewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Dieses Element an der Kanone kennzeichnet die Variante "G". Die weißen Rine auf dem Rohr (vorn) zeigten die Anzahl der vernichteten feindlichen Ziele. Foto: Reese-Winne

Was vorher passieren musste

Nach Angaben von Götz Ulrich Penzel, Leiter der Abteilung Sammlung/Forschung am Militärhistorischen Museum der Bundeswehr, habe das Sturmgeschütz zusammen mit Landesbehörden zunächst unter anderem auf Gefahrenstoffe untersucht werden müssen. Außerdem habe die Schussfähigkeit der Hauptwaffe ausgeschlossen werden müssen. 

Am vergangenen Montag (17. August) wurde das Fahrzeug mit einem Kran auf einen Schwerlasttransporter der Bundeswehr verladen und zum Schutz der auf dem Fahrzeug befindlichen Sandschicht (die Teil der Präsentation werden soll)  vor Wind und Regen mit einer Plane abgedeckt, wie die Bundesanstalt für Immobilien unserer Redaktion auf Anfrage berichtete.

Der Transport vom Marinefliegerstützpunkt in Nordholz zum Deutschen Panzermuseum Munster (DPM) sei dann  in der Nacht vom 18. auf den 19. August (Mittwoch) erfolgt. Im Einsatz war dabei das 2. Versorgungsbataillon 7 Rotenburg. Es startete um 20 Uhr und erreichte sein Ziel auf dem Gelände der Panzertruppenschule Munster kurz nach Mitternacht. "Der Transport wurde von spezialisierten BF3-Begleitfahrzeugen (Spezialfahrzeuge zur Absicherung von Schwertransporten) begleitet und verlief reibungslos", heißt es.

Von der Panzertruppenschule Munster aus sollte es am Donnerstag, den 20. August 2026, ab 9.30 Uhr in die Ausstellung des Deutschen Panzermuseums Munster (DPM) überführt werden und gegen 12.30 Uhr seinen dort vorgesehenen Platz erreicht haben.

Kleinere Beifunde, die dem StuG III zugeordnet werden konnten, verbleiben nach Angaben der BImA zunächst auf dem Marinefliegerstützpunkt in Nordholz. Sie werden zu einem späteren Zeitpunkt gesondert nach Munster transportiert werden. 

Museum veröffentlicht
Videos bei Youtube

Der Transport des StuG III sei außerdem von Vertretern des Panzermuseums begleitet worden, um Video- und Bildmaterial anzufertigen. Das Museum plane, ein Video des Transports auf YouTube zu veröffentlichen. Nach bisherigen Plänen soll das Sturmgeschütz zunächst als Leihgabe in der Lehrsammlung der Panzertruppenschule in Munster als Bodenfund präsentiert werden und zu einem noch undefinierten Zeitpunkt nach Dresden wechseln.

Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich bei dem Nordholzer Stug um ein Geschütz der Fallschirmjäger-Sturmgeschützbrigade 12, die nach dem D-Day zunächst in der Normandie gegen die Alliierten im Einsatz war und sich mit dem sich abzeichnenden Kriegsende immer weiter in den Nordosten Deutschlands und schließlich ins Elbe-Weser-Dreieck - Ziel: Cuxhaven - zurückzog.

Das Sturmgeschütz blieb nach der Kapitulation, dem Einmarsch britischer Truppen und dem Geländetausch mit den US-Amerikanern in Nordholz stehen und wurde beim Rückzug der US-Army zusammen mit Mengen an anderen Kriegsmaterialien - inklusive der amerikanischen - im Sand vergraben.

Berichtet wird darüber unter anderem in einem Video des Panzermuseums bei Youtube. Der wissenschaftliche Direktor Ralf Raths berichtet dort auch über die Chancen und Perspektiven, die die Ausstellung in Munster bietet: "Es passt ins Sammlungskonzept, wir dürfen Kriegswaffen ausstellen und haben Raum zur Verfügung. Das Nordholzer Stug III solle in seinem Bergungszustand - mitsamt Sandanhaftung - in direkter Sichtachse zu einem restaurierten Pendant platziert werden - eine "Gewaltmaschine", die nicht schön, heil und glänzend daherkomme, sondern von Vernichtung und Leid erzähle.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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