Bunte Särge und Urnen: Ina und Markus Merz aus Odisheim geben dem Tod Farbe
Die letzte Ruhestätte eines Verstorbenen muss nicht immer dunkel, schlicht und schmucklos sein. Ina und Markus Merz aus Odisheim gestalten Urnen und Särge in bunten Farben und individuellen Designs. Das Geschäft mit dem Tod läuft außergewöhnlich gut.
Nein, man hat kein mulmiges Gefühl, wenn man in die Werkstatt- und Atelierräume von Inas und Markus Merz, direkt am Hadelner Kanal gelegen, tritt. Hier stehen zwar unzählige Holzkisten, aber sie rufen weder Unbehagen noch einen Schauder hervor, wie das beim Anblick von Särgen oder Urnen sonst meist der Fall ist. Vielleicht liegt es an dem produktiven Durcheinander, das aus jeder Ecke des ehemaligen Landgasthofs dringt und mehr Lebendigkeit denn Andächtigkeit versprüht. Oder es ist die unkonventionelle Gestaltung der Särge: Bunte Unikate stehen hier, mit Berpanorama, Herbstwald oder Sommerwiese auf den Deckeln. Mit Sicherheit trägt auch das freundliche und lockere Auftreten von Ina und Markus Merz dazu bei, dass keine trübsinnigen Empfindungen aufkommen. Mit leuchtenden Augen erzählen sie von ihrem Geschäft, das sie in den vergangenen Jahren mit ausgeklügelter Technik und neuen Kooperationen weiterentwickelt haben. Die bunt und individuell gestalteten Urnen und Särge aus Odisheim sind heiß begehrt. "Wir kommen kaum noch hinterher", sagt Ina Merz.

Angefangen hat die Erfolgsgeschichte im Jahr 2020, zu Beginn der Corona-Pandemie. Ina Merz arbeitete damals noch als Tätowiererin. Ein Kunde, der Bestatter ist, brachte sie auf die Idee, es mal mit Särgen und Urnen zu versuchen. "Ich hatte Zeit und habe das einfach mal ausprobiert", erzählt die gebürtige Heidelbergerin.
An ihr erstes Sargmotiv erinnert sie sich noch ganz genau: ein Fischkutter, der im Sonnenuntergang aufs Meer hinausfährt. Sie beschreibt diesen Malprozess als Schlüsselmoment in ihrem Leben: "Ich habe ein großes Glück verspürt und wusste: Das ist es." Und plötzlich öffnete sich die Tür zu einem neuen Geschäftsfeld, das mittlerweile durch die Decke geht. Anfragen und Aufträge bekommen Ina Merz und ihr Mann Markus heute aus ganz Deutschland und darüber hinaus.
Die Aufgaben sind klar verteilt: Während Ina für den künstlerischen Part zuständig ist, kümmert sich Markus um die Technik, Logistik und die Geschäftsführung. "Wir ergänzen uns hervorragend", sagt Ina Merz. Ihre Schwester unterstützt das Paar als Grafikerin am Computer.
Anfangs war jede gestaltete Urne, jeder Sarg noch eine Einzelanfertigung, mittlerweile hilft die Technik, bestimmte Motive in Serie zu produzieren. "Pigmenttransfer", so nennt das Ehepaar sein selbst entwickeltes Verfahren, mit dem es gelingt, eine Landschaft oder ein buntes Muster seriell auf Särge zu zaubern - eine echte Arbeitserleichterung. "Das gibt mir die Zeit, auf individuelle Wünsche einzugehen", sagt Ina Merz.
Individuelle Wünsche für Urnen und Särge
Und ganz persönliche Anliegen zur Sarg- und Urnengestaltung gibt es immer wieder: So wollte eine Familie den verstorbenen Vater gern mit seinem Lieblingsauto auf die letzte Hülle pinseln lassen. Andere Kunden wünschen sich den Lieblingsfußballverein oder ein Bild des verstorbenen Haustiers auf der Urne. Nicht aus dem Kopf geht Ina Merz der Wunsch einer Familie, ihre verstorbene Tochter als Cinderella abbilden zu lassen. "Das war so bewegend."

Ina und Markus Merz legen großen Wert auf Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit. Ihre Urnen werden aus Naturstoffen oder Keramik gefertigt, was sie auch für Beisetzungen im Ruheforst geeignet macht. Neueste Errungenschaft sind Urnen aus Paludigras, die die Odisheimer zusammen mit ihrem Vertriebspartner, einem Urnengroßhändler, entwickelt haben. Das Gras wird aus wiedervernässten Mooren gewonnen. "Wir arbeiten mit dem NABU und Landwirten aus dem Cuxland zusammen", berichtet Markus Merz.
Wenn das Paar über den Tod spricht, wirkt das ermutigend. "Es muss nicht immer dunkel und trüb sein", sagen die Eltern zweier Kinder, 14 und 16 Jahre alt. Mit ihren bunt gestalteten Urnen und Särgen wollen sie einen positiven Rahmen bei Bestattungen schaffen und den Hinterbliebenen so den Abschied etwas leichter machen. "Es geht doch darum, wie man einen verstorbenen Menschen in Erinnerung behalten möchte." Sie plädieren dafür, offener über das Sterben zu sprechen.
Dass sie mit ihrer Arbeit offenbar einen Nerv treffen, zeigt die stetig wachsende Zahl an Aufträgen. Das Geschäft läuft sogar so gut, dass Ina und Thomas Merz über zusätzliches Personal und einen Standortwechsel nachdenken. "Wir bräuchten eigentlich mehr Platz und eine Halle", sagt das Paar.
