Zwischen Fakten und Fiktion: Die Oste-Saga verbindet dokumentarische Inhalte mit szenischem Spiel. Foto: Lana-Mariesa Schütt
Zwischen Fakten und Fiktion: Die Oste-Saga verbindet dokumentarische Inhalte mit szenischem Spiel. Foto: Lana-Mariesa Schütt
Zeitreise-Konzept

Oste-Saga in Himmelpforten: Multimediaprojekt lässt Geschichte lebendig werden

14.04.2026

In Himmelpforten feiert die Oste-Saga eine erfolgreiche Premiere. Das Multimediaprojekt lässt historische Figuren zu Wort kommen und nimmt das Publikum mit auf eine eindrucksvolle Zeitreise zwischen Fakten und Fiktion.

Der Moderator lebt im Hier und Jetzt. Seine Gesprächspartner sind längst tot, aber für eine besondere Zeitreise quicklebendig. Die Oste-Saga ist Heimatkunde mal anders.

Eine gelungene Premiere in Himmelpforten - sind sich Publikum und Initiatoren einig. Das Multimediaprojekt Oste-Saga macht Geschichte auf eine besondere Art lebendig.

In der voll besetzten Eulsete-Halle nimmt Thomas Rosteck die Besucher mit auf eine kurzweilige Zeitreise. Zwischen Fakten und Visionen - zwischen "So war es" und "So könnte es gewesen sein" - bewegen sich die historischen Figuren, die er als Autor des Spektakels zwischen den kurzen Dokumentarfilmen zum Interview bittet.

Der Initiator der Oste-Saga: Thomas Rosteck im Gespräch mit Amtsmann Pflüg. Foto: Felsch

Schwere Sturmfluten: Drei Kinder verloren

Die Oste sei nicht immer so friedlich gewesen wie auf den eingeblendeten Bildern, erklärt Rosteck und erinnert an die verheerenden Flutkatastrophen. Amtsmann Ernst-Friedrich Pflüg - auferstanden aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts - kann ein trauriges Lied davon singen.

"Eine Familie verlor drei ihrer Kinder durch das Unglück", sagt er nachdenklich. Einen Vorreiter des Deichbaus nennt ihn Rosteck, als Frank Drewes alias Pflüg von seinen Bemühungen berichtet, einer erneuten Sturmflut zu trotzen. Auf die Frage, ob sein Job mit dem eines Samtgemeindebürgermeisters zu vergleichen sei, schüttelt der Himmelpfortener energisch den Kopf.

So tickten damals die Gutsherren

"Ich war Polizeipräsident, Richter, Gerichtsvollzieher, Finanzverwalter und hatte noch nicht mal einen, der mir den Kaffee serviert." Noch mit 72 Jahren habe er sein Amt ausgeübt."Vorruhestand gab es ja noch nicht", sagt er trocken. Bei aller Bescheidenheit wünsche er sich, sein Tagebuch würde gelesen. "Da kann man viel lernen."

Die Darsteller der Oste-Saga mit dem Autoren der historischen Zeitreise, Thomas Rosteck, in ihrer Mitte. Foto: Lana-Mariesa Schütt

Weniger von dem wortkargen Gutsherrn Max von Marschalck, 1877 in Hechthausen geboren, den Erich Büsing verkörpert. Ein Adliger, der einen Verein zum Schutz der Ritter vor den Nationalsozialisten gründete, ein passionierter Jäger, der in der Oste badete und der immer die Notbremse zog, wenn der Zug an seinem Zuhause vorbeifuhr, um den weiten Weg vom Bahnhof zu sparen.

Sein Gegenüber betrachtet er mit einem mitleidigen Blick, von oben herab, wenn der ihn auf seine "Gutsherrenart" anspricht. "Das hat keinen Sinn, Ihnen das zu erklären", sagt er.

Keine gute Idee: Kaufmann setzt auf Walfang

Ein müdes Lächeln hat auch der Gräpeler Reedereigründer Klaus Wilhelm tom Wörden, gespielt von Detlev Burfeind, auf den Lippen, als er über die Seefahrt um 1900 berichtet.

Der gelernte Schiffszimmermann, der mit Anfang 40 noch sein Kapitänspatent machte und Schiffe nicht nur baute, sondern auch fuhr, spricht wie ein geduldiger Lehrer von dem Auf und Ab, den Wirtschaftskrisen und der maritimen Entwicklung, den Dreimastschonern aus Holz hin zu motorbetriebenen Schiffen, auf die er "umsattelte". Mit der Folge, dass das Schiffkontor heute international operiert. Was früher besser war: "Auf See konnten wir abschalten, anders als heute."

Sie laden ein auf die Zeitreise der Oste-Saga (von links): Denise Volkens als Anna, Jörn-Hinnerk Abbe (Johann Thumann), Frank Drewes (Amtmann Pflüg), Uwe Uhlendorf (Christian Schwarz), Detlev Burfeind (Klaus Wilhelm Tom Wörden), Erich Büsing (Max von Marschalck) und Amelie Markull (Anna). Foto: Lana-Mariesa Schütt

Über schwere Zeiten klagt auch der Kaufmann Johann Thumann aus Geversdorf, der im 18. Jahrhundert auf den Walfang setzte, was nicht immer eine gute Idee war, wie Jörn-Hinnerk Abb eindrucksvoll darzustellen weiß.

Ein Henker mit Galgenhumor

Die bekannteste Persönlichkeit ist Anna aus Blumenthal, die im 19. Jahrhundert in Himmelpforten hingerichtet wurde. Zwei Darstellerinnen, Denise Volkens und Amelie Markull, einmal im Film, einmal auf der Bühne, erwecken die tragische Figur zum Leben, das ihr der Henker Christian Schwarz nimmt.

Der verteidigt mit Galgenhumor seinen Beruf. Es ist zuweilen zum Lachen, obwohl es einem eiskalt den Rücken runterläuft, wenn Uwe Uhlendorf mit todernster Miene von seiner "erfolgreichen" Arbeit erzählt und sein blank geputztes Richtschwert dabei liebevoll streichelt.

Anna schildert den Mord an ihrem Ehemann. Foto: Felsch

Was Anna mit dem Gericht ausgehandelt hat, damit ihre Tochter nach ihrem Tod versorgt ist, warum sie heute bei RTL statt im Knast landen würde und was sonst noch so alles an Geschichten aufgetischt wird, ist an folgenden Terminen - jeweils um 19 Uhr - zu sehen:

  • Donnerstag, 16. April, Kirche Hechthausen (Karten: Rathaus Hechthausen)
  • Donnerstag, 23. April, Ostekrug Geversdorf (Karten: Bürgerbüro Rathaus Cadenberge)
  • Freitag, 8. Mai, Gasthof Zur Post Oederquart (Karten: Gasthof Zur Post)
  • Donnerstag, 21. Mai, Kulturscheune Drochtersen (Karten: Rathaus Drochtersen)
  • Donnerstag, 28. Mai, Kulturmühle Osten (Karten: Nicotel Osten)

Stimmen aus dem Publikum

Antje tom Wörden ist begeistert: "Super, wie die Geschichte dargestellt wird." Insgesamt habe sie viel Interessantes und Neues erfahren. Peter Gottschalk: "Ich habe ja miterlebt, wie meine Frau Angela die Kostüme hergestellt hat, sie jetzt auf der Bühne zu sehen, beeindruckt mich." Manuela Schreiber ist gekommen, weil sie kulturell interessiert ist. Bereut hat sie es nicht. "Die Interviews mit den historischen Personen haben es aufgelockert." Angelika Funke stimmt ihr zu: "Es war mir am Anfang etwas zu lang, aber ich habe viel Neues gehört." Voll des Lobes sind Sabine und Joachim Fronzek. Die Gästeführer aus dem Alten Land sind dankbar, dass so viel Geschichtliches erzählt wurde. "Die Historie in Kombination mit den Interviews ist genial."

Von Franziska Felsch

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