Kirchenfusion im Kreis Cuxhaven: Basbeck, Warstade und Osten rücken nun zusammen
Die Kirchengemeinden Basbeck, Osten und Warstade haben sich zur neuen Kirchengemeinde An der Oste zusammengeschlossen. Ein Festgottesdienst in der St.-Petri-Kirche Osten markiert den Beginn einer neuen Ära des Glaubens und der Gemeinschaft.
"Siehe, ich mache alles neu" - die Jahreslosung der christlichen Kirchen prägt den Festgottesdienst am Sonntag in der St.-Petri-Kirche in Osten. Passend dazu sind die Kirchengemeinden Basbeck, Osten und Warstade nun offiziell zur neuen Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde An der Oste verschmolzen. Abgeschlossen ist dieser Weg damit allerdings noch nicht.
Viele Gespräche, Diskussionen und Abschiede gewürdigt
Dass eine Fusion kein einfacher Verwaltungsakt ist, sondern Kraft kostet, macht Superintendentin Kerstin Tiemann in ihrem Grußwort deutlich. Sie würdigt die vielen Gespräche, Diskussionen und Abschiede von Vertrautem, die den Zusammenschluss begleitet hätten. Gerade weil Menschen mit Herzblut an ihren Gemeinden hingen, sei dieser Schritt herausfordernd gewesen. "Umso größer ist der Respekt vor allen, die Brücken gebaut, Kompromisse ausgehalten und diesen Weg im Vertrauen auf Gott gegangen sind."
Als aussagekräftiges Bild dafür bringt Tiemann eine kleine Glocke mit den Namen der vier Evangelisten mit. Sie stehe für unterschiedliche Stimmen, die dennoch einen gemeinsamen Klang ergeben. Einheit, so Tiemann, bedeute nicht Gleichklang, sondern Zusammenklang - verlässlich, nah bei den Menschen und getragen vom Evangelium.

Diese Gedanken werden im Gottesdienst sichtbar: Während eines der ersten Stücke des Gospelchores halten die Kirchenvorstände Maren Wicke (Warstade), Wilfried Mahler (Osten) und Jan Tiedemann (Basbeck) die Schilder mit den Namen ihrer bisherigen Kirchengemeinden hoch und fügen sie symbolisch zu einem Ganzen zusammen.
In einer Wechselpredigt nehmen anschließend die Pastoren Martina Wüstefeld und Johannes Drechsler den Predigttext aus dem Buch Jeremia in den Blick. Die Bilder von Dürre, leeren Brunnen und rissiger Erde verbanden sie mit den Erfahrungen heutiger Kirche. Fusion, so die Botschaft, bedeute auch Verlust und gleiche einer Wüstenzeit. Doch die Wüste nehme zwar Sicherheiten, nicht aber Gott selbst.
"Kirche ist kein Besitz und keine Notlösung, sondern Berufung"
Besonders eindrücklich ist der Hinweis, dass Zweifel und Klagen ihren Platz im Glauben haben. Jeremias verzweifelter Ruf sei kein Zeichen von Unglauben, sondern Ausdruck einer ehrlichen Beziehung zu Gott. "Glaube bedeutet, Gott festzuhalten - auch mit leeren Krügen." Der Blick richtet sich schließlich nach vorn: "Kirche ist kein Besitz und keine Notlösung, sondern Berufung." Die neue Kirchengemeinde An der Oste verstehe sich als Antwort auf Gottes Ruf in dieser Zeit - nicht perfekt, aber lebendig, im Fluss wie die Oste selbst.
Musikalisch erhält der Gottesdienst einen festlichen Rahmen durch den Gospelchor "the christians" unter der leidenschaftlichen Leitung von Christian Kordes, den Posaunenchor Osten, Heidemarie Haak an der Orgel sowie Julia Karch mit der Querflöte.
Kirchengemeinden benötigen keine Degen, sondern Gottes Segen
Weitere Grußworte unterstreichen die Bedeutung der Fusion über die Kirche hinaus. Lamstedts Pastor Peter Seydell - als Musketier "verkleidet" - erinnert augenzwinkernd daran, dass die drei Kirchengemeinden für ihren gemeinsamen Weg künftig keine drei Degen, sondern vor allem Gottes Segen benötigten. Hemmoors Bürgermeisterin Sabine Wist und Samtgemeindevertreter Uwe Dubbert bezeichnen die Fusion als hoffnungsvolles Unternehmen und werten den geplanten Bau des Gemeindezentrums in Hemmoor als starkes Zeichen kirchlicher Präsenz in einer zunehmend säkularisierten Welt. (red)
