Tiemo Wölken (SPD) aus Otterndorf kämpft um Wiedereinzug ins EU-Parlament
Tiemo Wölken blickt mit leichtem Herzklopfen auf den Tag der Europawahl am 9. Juni. Der aus Otterndorf stammende EU-Abgeordnete hofft, dass die SPD bundesweit nicht ins Stimmen-Tief abrutscht - denn dann wäre er nach acht Jahren sein Mandat los.
Tiemo Wölken ist viel unterwegs dieser Tage. Ein Termin jagt den nächsten. Die Uhr tickt. Nur noch wenige Tage bis zum Wahlsonntag. Trotz der Termindichte wirkt der Sozialdemokrat nicht abgehetzt. Er strahlt Optimismus aus. Das liegt sicherlich auch daran, dass er vor wenigen Wochen Vater geworden ist.
Wölken kam vor acht Jahren - als 30-Jähriger - recht überraschend ins Europäische Parlament. Sein Parteifreund Mathias Groote wurde damals zum Landrat des Kreises Leer gewählt und gab sein Europa-Mandat an Wölken ab. Bei der Wahl 2019 verteidigte Wölken seinen Sitz. Damals holte die SPD bundesweit 16 Prozent.
Sollten sich die Sozialdemokraten auf diesem Niveau halten, ist auch der gebürtige Otterndorfer ganz sicher wieder dabei. "Mindestens 13 Prozent" müssten es sein, sagt er, damit sein Listenplatz 12 ziehe. Die jüngsten Umfragen sehen die SPD zwischen 14 und 16 Prozent. Es könnte also reichen für den Rechtsanwalt, der in Osnabrück lebt.
Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit - auf diese drei Themen setzt Wölken im EU-Wahlkampf. "Denn in einer Welt, die den Kampf gegen den Klimawandel verliert, ist Wirtschaftswachstum wertlos", findet der SPD-Politiker. "Und eine Transformation, die keine guten Arbeitsplätze schafft, die Menschen nicht mitnimmt und ihnen keine guten Lebensbedingungen garantiert, darf nicht das Ziel einer demokratischen Gesellschaft sein."
Mit 38 schon ein alter Hase im politischen Geschäft
Mit seinen gerade einmal 38 Jahren ist Tiemo Wölken schon ein alter Hase im politischen Geschäft. Geboren in Otterndorf und aufgewachsen in Buxtehude, wurde er schon als Jugendlicher politisiert. "Für mich gab es nicht den einen ausschlaggebenden Grund, mich politisch zu engagieren. Ich erinnere mich aber an einen Moment, der heute aktueller denn je ist, den ich als prägend empfinde", erzählt Wölken. Im Jahr 2000 habe es in Düsseldorf einen rechtsextremen Sprengstoffanschlag gegeben. "Daraufhin wurden überall im Land, auch in Buxtehude, Lichterketten organisiert, um gegen rechtsextremistisch motivierte Gewalt ein Zeichen zu setzen." Für ihn war es der Moment, in dem er zum ersten Mal "richtig etwas von Politik gespürt" habe. Im Anschluss trat er den Jusos in Buxtehude bei, mit 18 der SPD.
Nach unterschiedlichen politischen Positionen in Osnabrück und als Mitglied im SPD-Bezirksvorstand Weser-Ems, wurde er 2016 ins Europäische Parlament gewählt. Von 2019 bis 2022 war er als rechtspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im EU-Parlament tätig, bis er in den Bereich der Umwelt- und Gesundheitspolitik wechselte.
In seiner Fraktion gilt Wölken als Social-Media-Star. Seinen Youtube-Kanal haben mehr als 43.000 Nutzerinnen und Nutzer abonniert. 260 Videos hat er dort schon veröffentlicht. Wölken berichtet mal in Anzug und Schlips aus dem Europa-Parlament, mal im Kapuzenpullover über Abgasnormen und Lieferkettengesetz.
Besonders beliebt sind seine Youtube-Filme zum "Mythen-Mittwoch", die er in einem improvisierten Studio im Wahlkreisbüro dreht. Dort greift der SPD-Politiker Legenden über die EU auf und pflückt sie auseinander. Zum Beispiel, was es mit der viel geschmähten Verordnung über den Krümmungsgrad von Gurken wirklich auf sich hat.
Aber nicht nur auf Youtube ist Wölken aktiv. Er spricht seine (jungen) Wählerinnen und Wähler auch über Instagram, X (Twitter), Twitch, Facebook oder LinkedIn an. Und TikTok? "Ich überlege noch." Gegen die Plattform, die einem chinesischen Staatskonzern gehört, hat die EU-Kommission ein Verfahren wegen mutmaßlicher Verstöße gegen den Jugendschutz und Werberichtlinien eingeleitet.
In seiner Heimatstadt lässt sich Tiemo Wölken nur noch selten blicken. "Durch meine Tätigkeit schaffe ich es leider nur sehr unregelmäßig nach Otterndorf", sagt der EU-Abgeordnete. Aber natürlich bleibe er seinem Heimatort weiterhin eng verbunden, versichert er, "nicht nur durch viele positive Erinnerungen aus meiner Kindheit".
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