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Bunte Strandkabinen säumen den Grünstrand von Otterndorf, ein Symbol für das Bestreben, das Nordseebad ganzjährig attraktiv zu gestalten und den Tourismus über die Sommermonate hinaus zu beleben. Foto: Cuxland-Tourismus/Florian Trykowski
Bunte Strandkabinen säumen den Grünstrand von Otterndorf, ein Symbol für das Bestreben, das Nordseebad ganzjährig attraktiv zu gestalten und den Tourismus über die Sommermonate hinaus zu beleben. Foto: Cuxland-Tourismus/Florian Trykowski
Nordseebad will wachsen

Tourismuskonzept: Otterndorf setzt auf Digitalisierung und neue Freizeitangebote

von Christian Mangels | 10.06.2026 Zuletzt aktualisiert: 12.06.2026 07:24 Uhr

Mit neuen Ideen für Freizeit, Infrastruktur und Digitalisierung will Otterndorf seine Position als Nordseebad stärken. Das Tourismusentwicklungskonzept zeigt Wege auf, Gästezahlen zu sichern und neue Impulse für Wirtschaft und Innenstadt zu setzen.

Wie soll sich der Tourismus in Otterndorf in den kommenden Jahren entwickeln? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Tourismusausschuss in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag. Auf der Tagesordnung steht die Beschlussfassung über das neue Tourismusentwicklungskonzept (TEK), das von der dwif-Consulting GmbH (Berlin) erarbeitet wurde und als strategischer Fahrplan für die touristische Zukunft des Nordseebades dienen soll.

Das 50-seitige Konzept beschreibt den Tourismus ausdrücklich als "tragenden Standort- und Wirtschaftsfaktor". Das touristische Angebot solle sich künftig "nachhaltig, qualitätsorientiert und ganzjährig" entwickeln. Dabei sollen sowohl Gäste als auch Einheimische von einer hohen Aufenthalts- und Lebensqualität profitieren. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf einer stärkeren Vernetzung der touristischen Akteure sowie einer besseren Zusammenarbeit innerhalb der Cuxland-Region.

Übernachtungszahlen stagnieren seit einigen Jahren

Die Notwendigkeit einer strategischen Neuausrichtung ergibt sich auch aus aktuellen Entwicklungen. Zwar zählt der Tourismus weiterhin zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Stadt, doch die Übernachtungszahlen stagnieren seit einigen Jahren. Im Jahr 2024 wurden in Otterndorf 227.190 Übernachtungen registriert, knapp zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig zeigt die hohe Tourismusintensität mit mehr als 30.000 Übernachtungen je 1.000 Einwohner die große Bedeutung des Fremdenverkehrs für die Stadt.

Im Mittelpunkt des Entwicklungskonzeptes stehen mehrere Handlungsfelder. Besonders wichtig sind nach Einschätzung der Gutachter die Bereiche Infrastrukturentwicklung, Tourismusakzeptanz sowie Organisation und Strukturen. Zudem sollen die Querschnittsthemen Nachhaltigkeit und Digitalisierung künftig bei allen touristischen Entscheidungen berücksichtigt werden.

Zu den wichtigsten geplanten Maßnahmen gehört die Weiterentwicklung des Ganzjahrestourismus. Ziel ist es, die starke Konzentration auf die Sommermonate aufzubrechen und zusätzliche Angebote für Herbst und Winter zu schaffen. Die Experten sehen darin einen wichtigen Hebel für die Zukunft. "Ganzjahrestourismus führt zu einer Entzerrung der Saison" und sorge für "wirtschaftliche Stabilität", weil Einnahmen, Arbeitsplätze und Investitionen weniger von den Sommermonaten abhängig seien.

Die idyllische Landschaft und der gut besuchte Campingplatz verdeutlichen die touristische Bedeutung der Region. Mit innovativen Konzepten soll das Nordseebad Otterndorf künftig auch außerhalb der Sommersaison noch attraktiver werden. Foto: Christoph Partsch

Diskutiert werden unter anderem neue Veranstaltungen außerhalb der Hauptsaison, eine stärkere Nutzung bestehender Freizeitangebote über längere Zeiträume hinweg sowie zusätzliche wetterunabhängige Freizeit- und Kulturangebote. Als denkbare Projekte werden unter anderem Indoor-Angebote, Kulturveranstaltungen und ein Ausbau des Wellnessbereichs rund um die Sole-Therme genannt.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Verbesserung der touristischen Infrastruktur. Vorgesehen sind Investitionen in die Qualität der Rad- und Wanderwege, die Schaffung zusätzlicher Rast- und Serviceangebote sowie eine stärkere Erlebnisinszenierung entlang der Wege. Damit soll insbesondere der Rad- und Aktivtourismus gestärkt werden.

Zu den Empfehlungen der Gutachter gehört auch die Schaffung eines Reisemobilstellplatzes in Innenstadtnähe. Die Experten von dwif-Consulting sehen darin die Chance, zusätzliche Kaufkraft in die Otterndorfer Innenstadt zu holen. Die Stadt verfolgt diesen Ansatz bereits konkret: Hinter der Sole-Therme ist ein Stellplatz für Wohnmobile geplant, der vornehmlich Kurzzeitgäste ansprechen soll.

Digitale Buchungssysteme sollen ausgebaut werden

Auch die Digitalisierung soll vorangetrieben werden. Das Konzept empfiehlt unter anderem eine stärkere Beteiligung an Open-Data-Projekten, den Ausbau digitaler Informations- und Buchungssysteme sowie die Qualifizierung touristischer Betriebe im Umgang mit digitalen Anwendungen und Künstlicher Intelligenz.

Ein weiteres zentrales Anliegen ist die Stärkung der Tourismusakzeptanz. Die Gutachter betonen, dass die touristische Entwicklung nur dann erfolgreich sein kann, wenn Bevölkerung, Politik und Wirtschaft die Bedeutung des Tourismus als Standort- und Wirtschaftsfaktor gemeinsam tragen. Deshalb sollen Kommunikation, Transparenz und der Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern intensiviert werden. "Es geht darum, neben den Gästen künftig auch die Einheimischen stärker als Zielgruppe in den Fokus zu rücken", heißt es im Konzept.

Mit dem Tourismusentwicklungskonzept erhält die Stadt erstmals einen umfassenden strategischen Leitfaden für die kommenden Jahre. Der Tourismusausschuss wird in seiner Sitzung am Donnerstag, 11. Juni, darüber beraten, ob die vorgeschlagenen Ziele und Maßnahmen als Grundlage für die zukünftige Entwicklung des Nordseebades beschlossen werden sollen. Anschließend befassen sich Verwaltungsausschuss (15. Juni) und Stadtrat (23. Juni) mit dem Papier. 

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Christian Mangels

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