23 Jahre lang war das Windrad (im Hintergrund) Wahrzeichen des Otterndorfer Sommercamps. Im Dezember ist es abgebaut worden. Archivfoto: Kramp
23 Jahre lang war das Windrad (im Hintergrund) Wahrzeichen des Otterndorfer Sommercamps. Im Dezember ist es abgebaut worden. Archivfoto: Kramp
Nach 23 Jahren Betrieb abgebaut

Windrad im Otterndorfer Sommercamp ist in Ruhestand getreten

von Redaktion | 12.02.2026

Nach über zwei Jahrzehnten endete die Ära des Windrads im Otterndorfer Sommercamp. Mit insgesamt über 31 Millionen Kilowattstunden Stromproduktion trug es zum Erhalt des Camps bei und unterstützte dessen ökologischen Umbau nachhaltig.

23 Jahre hat das Windrad im Sommercamp Otterndorf der Landeshauptstadt Hannover Strom produziert und den ökologischen Umbau des Camps mitfinanziert. Als die Windenergieanlage im Dezember 2025 abgebaut wurde, blickte die Betreibergesellschaft auf 23 Jahre erfolgreichen Betrieb zurück.

Ein Repowering oder Neubau ist nicht geplant. Angefangen hat alles Mitte der 1990er Jahre durch eine Idee des Fördervereins des Sommercamps: Die bekanntermaßen starken Winde direkt am Deich an der Nordsee sollten zur umweltfreundlichen Stromproduktion genutzt werden. Zudem sollten die wirtschaftlichen Überschüsse den Erhalt des Sommercamps sichern und den ökologischen Umbau voranbringen.

"Das mit Abstand erfolgreichste Projekt des Fördervereins"

Der Förderverein überzeugte die Stadt Hannover und sprach die Windwärts Energie GmbH in Linden (heute JUWI GmbH) an. Die Projektgesellschaft wurde im Jahr 1998 mit den Gesellschaftern Landeshauptstadt Hannover und Förderverein Sommerlager Otterndorf (je 45 Prozent Anteil) und Windwärts Energie GmbH (10 Prozent Anteil) gegründet. "Die Windkraftanlage war über viele Jahre hinweg nicht nur ein vertrautes Wahrzeichen des Sommercamps, sondern auch das mit Abstand erfolgreichste Projekt des Fördervereins", so dessen Vorsitzender Christoph Kröner.

Windwärts übernahm die Projektierung zu Selbstkosten, um die Idee zu unterstützen. Doch es war ein langer und schwieriger Weg bis zur Genehmigung des so nah am Deich und damit in direkter Nähe des Nationalparks Wattenmeer gelegenen Standortes. Kurz vor Weihnachten 2001 wurde die Windenergieanlage mit einer Turmhöhe von 50 Metern genehmigt und etwa ein Jahr später errichtet und in Betrieb genommen.

In 23 Jahren über 31 Millionen Kilowattstunden erzeugt

Die Gesamtinvestition von etwa 650.000 Euro wurde durch Eigenkapital der Gesellschafter sowie mehrerer Privatpersonen und ein Bankdarlehen gestemmt. Im Betrieb hat die Anlage die Erwartungen dann deutlich übertroffen. Die Lage an der Außenelbe direkt am Deich hat für hohe Erträge von im Durchschnitt 1,35 Millionen Kilowattstunden (kWh) pro Jahr gesorgt. Insgesamt hat die Anlage in 23 Betriebsjahren mehr als 31 Millionen kWh erzeugt. Das ist ungefähr das dreizehnfache des Stromverbrauchs im Sommercamp.

"Gemeinsam haben wir eine einmalige Kombination der Nutzung der Windenergie an einem Küstenstandort mit Umweltbildung und Beiträgen zum ökologischen Umbau geschaffen", so Lothar Schulze, Geschäftsführer der Sommerlager Otterndorf Energie GmbH.

Angesichts des nahezu störungsfreien Betriebs und der hohen Erträge konnte die Betreibergesellschaft den ökologischen Umbau des Sommercamps jährlich mit Spenden von bis zu 5000 Euro unterstützen. Im Jahr 2008 hat die Gesellschaft auf dem Gelände des Sommercamps eine Photovoltaikanlage mit 21 kW Leistung in Betrieb genommen.

Überschüsse konnten im Camp reinvestiert

"Die mit dem Betrieb des Windrades erzielten Überschüsse konnten im Camp reinvestiert werden und wurden für weitere ökologische Sanierungsmaßnahmen eingesetzt. Mitfinanziert wurden der Bau der Bodenfilteranlage am Badesee, der Austausch einer Kühlzelle, die Beschaffung von Fahrrädern und der Bau der Photovoltaikanlage", so Thomas Rott, Sachgebietsleiter Jugend Ferien-Service der Landeshauptstadt Hannover.

Der Standort mit salzhaltiger Nordseeluft hat jedoch zuletzt technische Probleme am Generator des Windrads verursacht. Die Betreiber mussten die Leistung der Anlage daher reduzieren und kostenintensive Reparaturen durchführen. Wegen der immer häufiger auftretenden Probleme und hoher Reparaturkosten haben die Gesellschafter im Sommer 2025 den Abbau der Anlage beschlossen.

Abbau der Windenergieanlage am Sommercamp Otterndorf im Dezember 2025. Foto: JUWI GmbH

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