Ehemaliger Hinrichtungsraum Strafgefängnis Berlin Plötzensee. Foto: Hans-Jürgen Kahle
Ehemaliger Hinrichtungsraum Strafgefängnis Berlin Plötzensee. Foto: Hans-Jürgen Kahle
In der Stadtscheune Otterndorf

Vortrag über das Schicksal der Zeugen Jehovas im Kreis Cuxhaven von 1933 bis 1945

von Redaktion | 11.02.2026

Der Kreis Cuxhaven beleuchtet 2026 mit einem Vortrag von Hans-Jürgen Kahle das bewegende Kapitel der Zeugen Jehovas während der NS-Zeit. Einblicke in Originalbriefe und regionale NS-Geschichte erwarten die Besucher.

Das Themenjahr "Demokratie und Erinnerungskultur" 2026 des Landkreises Cuxhaven startet mit einem Fachvortrag von Hans-Jürgen Kahle aus Cuxhaven. Zu diesem lädt das Archiv des Landkreises Cuxhaven am Montag, 23. Februar 2026, um 19.30 Uhr in die Stadtscheune Otterndorf ein.

Hans-Jürgen Kahle - ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der NS-Geschichte im Cuxland - wird über das Schicksal der Zeugen Jehovas in den Jahren 1933 -1945 berichten. Unterstützt wird der Autor und Verleger von fünf Schülerinnen des Gymnasiums Otterndorf. Diese lesen aus einem eindrucksvollen Zeitzeugnis: den Originalbriefen inhaftierter "Bibelforscher" an ihre Angehörigen.

Bereits kurze Zeit nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten gerieten die Zeugen Jehovas in das Visier der NS-Behörden in Cuxhaven. Denn die Gläubigen verweigerten vielfach die Teilnahme an Wahlen und Volksabstimmungen sowie den Wehrdienst. Da die Ordnung Gottes für sie vorrangig sei, organisierten sie sich nicht in weltlichen, politischen Gemeinschaften außerhalb ihrer Organisation. Dies machte sie in den Augen der Machthabenden verdächtig. Man sagte ihnen nach, "Wegbereiter des jüdischen Bolschewismus" zu sein. Mitte der 1930-er Jahren wurden die Zeugen Jehovas verboten. Für zahlreiche Männer und Frauen aus dem Cuxland folgten schreckliche Jahre bis hin zur Inhaftierung in Gefängnissen und Konzentrationslagern.

Die Zeugen Jehovas sind in sogenannten Versammlungen organisiert. Eine zentrale Rolle im Gemeindeleben spielt die Bibel, in welcher Gläubige Antworten auf die Fragen des Lebens finden. Die Lehre von der Dreifaltigkeit in Form von Vater, Sohn und heiligem Geist teilen sie nicht. Sie glauben an den allmächtigen Gott "Jehova" und den bevorstehenden Untergang der Welt. Hieran schließe sich ein Paradies auf Erden und im Himmel für Auserwählte an. Vor rund 150 Jahren entstand die Vereinigung in den USA. Heute gehören ihr in Deutschland rund 170.000 Menschen an.

Hans-Jürgen Kahle hat für seinen Vortrag Quellen zur Region Cuxhaven aus dem gesamten Bundesgebiet ausgewertet und stellt die Ergebnisse dieser bemerkenswerten Forschung erstmalig vor. In seinen Publikationen hat der Cuxhavener Autor seit Ende der 80-er Jahre die regionale Geschichte der NS-Organisationen, die Parteiengeschichte, den Einsatz von Zwangsarbeitern während des Zweiten Weltkriegs sowie zahlreiche Einzelschicksale beleuchtet.

 Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wird eine vorherige Anmeldung unter der E-Mail-Adresse archiv@landkreis-cuxhaven.de empfohlen. Es wird dann automatisch ein Platz reserviert. Bei Rückfragen steht das Archiv des Landkreises Cuxhaven telefonisch unter der Nummer (04751) 9148-0 zur Verfügung. (red)

Zeugen Jehovas auf einem Familienfoto zur Konfirmation in Geversdorf, circa zwischen 1930 und 1935. Foto: Archiv des Landkreises Cuxhaven

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