Vor Ort beim Rocker-Treffen in Ihlienworth: Einblicke in den "Gremium MC Cuxhaven"
Das Treffen des "Gremium"-Klubs MC Cuxhaven in Ihlienworth hatte schon seit längerer Zeit für Gesprächsstoff gesorgt. Jetzt sind die Motorradfahrer wieder abgereist; Zeit für ein Fazit.
Es ist nichts los in Ihlienworth. Ein paar Spaziergänger und Radfahrer, durch die Ortsdurchfahrt bewegt sich träge der übliche Verkehr. Und doch ist etwas anders: Plötzlich werden an den Ortseingängen Kontrollpunkte der Polizei eingerichtet, Fahrzeuge und Motorräder kontrolliert und im Ortskern ist das "Schwarze Eck" ja nun auch schon seit einigen Tagen von Sichtschutzzäunen optisch verborgen. Dort feiert "Gremium MC Cuxhaven" an diesem Sonnabend (15. August 2026). Und das sorgt für einen (präventiven) Polizeieinsatz. Am Ende bleibt aber alles friedlich. Viel Aufregung um nichts. Die Redaktion der Niederelbe-Zeitung und der Cuxhavener Nachrichten war vor Ort; ein nicht ganz gewöhnlicher Ortstermin.
Oliver kommt mir schon auf dem Parkplatz entgegen. Kein Wunder. Der Redakteur mit der Kamera und dem Block in den Händen fällt auf und passt so gar nicht zum sonstigen Erscheinungsbild der Männer, die - in Schwarz gekleidet - zwischen den schweren Harleys, Yamahas oder Kawasakis stehen. Er begrüßt mich, ich stelle mich vor und nach kurzer Zeit sagt er: "Dann lass uns doch mal reingehen und wir unterhalten uns." Alles gut, das war ja mein Ziel.
"Ihlienworther haben uns sehr aufgenommen"
Wenig später sitze ich mit Oliver - dem Gremium-Chef aus Cuxhaven - und seinem Vize-Präsidenten Stefan am Tisch im "Schwarzen Eck". Rund drei Jahre lang haben die Gremium-Jungs dort die ehemalige Gaststätte und den Blumenladen zum Vereinsheim umgebaut. Im vergangenen Jahr erfolgte die Einweihung bei einem gut besuchten "Tag der offenen Tür". "Da war eine Menge los", sagt Oliver und ergänzt: "Die Ihlienworther haben uns sehr gut aufgenommen." Den schmucken vorderen Teil des Vereinsheimes, der den Vergleich mit einer Gaststätte ganz gewiss nicht scheuen muss, könne man auch mieten: "Hier gab es schon viele Veranstaltungen." 30 bis 40 Leute könne man dort locker unterbringen.
Doch für Oliver und Stefan geht es an diesem Tag nicht um das Vereinsheim, sondern um das 25-jährige Jubiläum des Cuxhavener Klubs. Rund 200 Gäste - vorwiegend aus Norddeutschland - kommen. Weniger als erwartet. Der Präsi und sein Vize bedauern das natürlich, aber sehen den Grund dafür auch in der großen Polizeipräsenz und den Kontrollen: "Da sind einige, die das vorher erfahren haben, sicherlich wieder umgedreht", meint Oliver.

Gremium steht unter besonderer Beobachtung
Aber warum zeigt die Polizei dort mit Dutzenden Einsatzkräften Flagge? "Gremium" zählt allgemein zu den - so heißt es beim Bundeskriminalamt (BKA) offiziell - "polizeilich relevanten Rockergruppierungen". In einem Atemzug werden auch die "Hells Angels" und auch die "Bandidos" genannt. Taten von und Prozesse mit Gremium-Mitgliedern in Deutschland färben da auch auf die einzelnen "Chapter" (dabei handelt es sich um die Ortsgruppen wie Cuxhaven) natürlich ab. Laut BKA sind die Klubs "hierarchisch gegliedert" und es gelte ein "strenges Reglement mit teilweise drastischen Strafandrohungen bei Regelverstößen". Rockergruppen wie "Gremium" würden erhebliche Potenziale für eine "kriminelle Nutzung" bergen.
Davon spürt man in Gesprächen mit den MC-Mitgliedern an diesem Sonnabend nichts. Vielmehr präsentieren Oliver und Stefan ihren Club als einen Verein, in dem sich Motorradbegeisterte organisieren, Ausfahrten unternehmen oder sich eben im Vereinsheim treffen.
Eine Hierarchie würde es aber tatsächlich geben. Wer vom Verein aufgenommen werde, müsse schon eine "Lehr- und Probezeit" durchlaufen und könne sich nicht gleich zum Präsidenten wählen lassen. "Die Chemie muss schon stimmen", sagt Stefan. Und auch die Größe des Motorrades. Mit einer Zündapp muss bei "Gremium" niemand vorfahren. Maschinen ab 500 Kubikzentimetern sollten es schon sein. Und möglichst in schwarzer Farbgebung. Mit einem kanariengelben Motorrad wird man in diesem Verein nämlich nichts: "Aber da lässt sich ja mit einer schwarzen Sprühdose farblich nachhelfen", lacht Oliver.

Frauen? Höchstens in der zweiten Reihe
Ein weiteres "No-go": Laut Statuten des 1972 in Deutschland gegründeten Gremium-Vereins werden keine Frauen als Mitglieder aufgenommen. "Das bedeutet ja aber nicht, dass sie nicht dabei sind", sagt der Präsident. Auch an diesem Samstag wirbeln einige Frauen durch den Laden. Sie sorgen im Wesentlichen für die Versorgung der Gäste. Mehr geht nicht. So sind die Regeln.
Ortswechsel: Bei meinem Gang durch Ihlienworth treffe ich einige Spaziergänger und Radfahrer. So auch ein Pärchen aus Cadenberge. Ihren Namen wollen sie nicht nennen, aber sagen: "Wir waren einfach mal neugierig, was hier so abgeht." Das Gespräch mit einem anderen Radfahrer verläuft anders. Er hat kein Verständnis dafür, dass einer seiner Bekannten "Gremium" beigetreten ist: "Man weiß doch, was da so läuft", sagt er kopfschüttelnd mit Hinweis auf Straftaten, die bundesweit immer wieder für Schlagzeilen sorgen und von Körperverletzung und Erpressungen bis hin zum Drogenhandel reichen.

Dann hält ein Wagen wenige Meter neben uns an. Maik Schwanemann steigt gut gelaunt aus. Er ist einer der drei Kandidaten für das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters in der Samtgemeinde Land Hadeln und ist gerade dabei, Wahlplakate anzubringen. Bei der Frage, was er von der "Gremium"-Präsenz in Ihlienworth hält, denkt er kurz nach und antwortet dann: "Ich habe ehrlich gesagt noch nicht gehört, dass es hier Ärger gegeben hat."
Einige hundert Meter weiter ist ein Kontrollposten der Polizei aufgebaut. Mehr als ein Dutzend Beamte - zum Teil mit Maschinenpistolen bewaffnet - winken die Fahrer von Transportern und Motorrädern auf eine Hofeinfahrt. Sie haben es auf - wie es noch in der Nacht in einer Pressemitteilung heißt - "das öffentliche Zeigen von Kennzeichen und Symbolen, deren Verwendung nach den vereinsrechtlichen Bestimmungen untersagt ist", abgesehen. Konkret: Es geht um das sogenannte "Kuttenverbot". Die Gremium-Mitglieder dürfen ihre Westen nicht in der Öffentlichkeit tragen. Wer eine solche Kutte in seinem Gepäck hat, muss sie der Polizei aushändigen, kann sie später nach der Jubiläumsfeier wieder abholen oder tritt gleich die Heimreise wieder an.
Polizei auch nachts noch im Einsatz
Inzwischen sind an diesem Kontrollpunkt auch Oliver und Stefan eingetroffen. Sie reden mit der Einsatzführung der Polizei und beklagen sich, dass zu rigoros bei den Kontrollen vorgegangen werde. Einige potenzielle Gäste seien schon lange vor Ihlienworth umgekehrt, weil sie sich das Prozedere aus Kontrolle und/oder Zurückweisung ersparen wollten. Den Polizeibeamten vor Ort will Olliver keine Vorwürfe machen, aber im Vorfeld der seit Monaten angekündigten Jubiläumsfeier habe es andere Absprachen gegeben.
Die Polizei bleibt noch bis in die späten Abendstunden vor Ort. Einschreiten muss sie bei der Jubiläumsfeier nicht. Gewalttätige Auseinandersetzungen seien nicht gemeldet worden. Das wird auch in einem Telefonat am Sonntag bei der Polizeiinspektion Cuxhaven unterstrichen: "Das verlief störungsfrei", heißt es auf NEZ/CN-Nachfrage.
Das Fazit: viele Erwartungen (der Organisatoren), hoher personeller Aufwand der Polizei und die Erkenntnis, dass lokale Ableger einer großen und umstrittenen Organisation sich auch kritischen Stimmen stellen müssen - ob ungerechtfertigt oder nicht.
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