Nach Insolvenz & Filial-Aus: Wie sich das Armstorfer Schuhhaus Steffens neu aufstellt
Turbulente Zeiten liegen hinter dem Schuhhaus Steffens. Der Familienbetrieb aus Armstorf (Samtgemeinde Börde Lamstedt / Kreis Cuxhaven) musste 2024 Insolvenz anmelden und mehrere Filialen schließen. Wie läuft es in den Geschäften?
Die Schuhbranche ist unter Druck. Laut einer Analyse des Handelsforschungsinstituts IFH Köln ist die Zahl der Schuhhändler in Deutschland seit dem Jahr 2000 von mehr als 7000 auf zuletzt rund 2600 gesunken. Auch große Unternehmen wie Görtz sind unter die Räder gekommen. Zu den Hauptgründen für diese Entwicklung zählen die hohe Inflation, die Corona-Pandemie, die Kaufzurückhaltung der Verbraucher, Nachfolgeprobleme bei mittelständischen Händlern und der Wettbewerb durch den Online-Handel.
Auch das Schuhhaus Steffens, das seine Wurzeln in Armstorf hat, ist infolge der Corona-Krise in schwieriges Fahrwasser geraten. Im August 2024 meldete Inhaberin Anne Springer Insolvenz an. Gegenüber dem Weser-Kurier berichtete die Unternehmerin von einem Umsatzverlust in Millionenhöhe. Zudem hätten fällige Kredite aus der Corona-Zeit sich zu einer hohen sechsstelligen Summe addiert. Die Geschäfte in Lamstedt, Bremervörde, Harsefeld und Fredenbeck wurden geschlossen.

Die Rettung des Familienbetriebs kam in Gestalt des Unternehmers Jörg Fasting aus Brake. Der Landwirt und Einzelhandelskaufmann, der selbst zwei Schuhgeschäfte führt, war für seine Läden auf der Suche nach einem Verkaufsprofi mit Leidenschaft für die Ware und einem Blick für das Segment Mode - und wurde fündig in Person von Anne Springer.
Fasting sieht Arbeitsplätze "aktuell als sicher" an
Fasting übernahm die vier verbliebenen Steffens-Filialen in Osterholz-Scharmbeck, Otterndorf, Hemmoor und Bad Bederkesa (Stadt Geestland) sowie die Schuhorthopädie-Werkstatt in Armstorf, wo Anne Springers Großvater im Jahr 1949 den Familienbetrieb Steffens einst gründete. Unter dem Dach der neu gegründeten Schuh & Fashion GmbH mit 30 Mitarbeitenden soll es für das Schuhhaus Steffens und die beiden Fasting-Standorte in Brake und Nordenham in die Zukunft gehen. Fasting sieht die Arbeitsplätze "aktuell als sicher" an.
Anne Springer ist - nun als Angestellte - an allen sechs Standorten für Personal, Marketing, Einkauf und Vermarktung zuständig. "Wir führen zusammen die Geschäfte", sagt Jörg Fasting. "Anne Springer bringt viel Erfahrung in Sachen Mode, Social Media, Werbung und Verkauf mit."

Aus Sicht des Geschäftsführers passen die sechs Filialen vom Angebot, den Orten und den Kundennachfragen gut zusammen. "Sie ermöglichen es uns, Vorteile beim Einkauf, bei der Werbung, bei Schulungen und Aktionen aufeinander abzustimmen und zu bündeln", sagt Fasting. Viele Punkte, die mit der Zusammenlegung verbunden sind, etwa die einheitliche Warenwirtschaft und die Internetpräsenz, seien auf den Weg gebracht worden. "Jetzt gilt es, dieses alles mit Leben zu füllen."
Die Standorte Otterndorf und Hemmoor entwickeln sich laut Fasting gut, "was nicht zuletzt an den langjährigen, erfahrenen und bekannten Mitarbeitern liegt". Ein gutes und freundliches Personal im Geschäft sei das A und O, betont auch Anne Springer. "In Krisenzeiten zeigt sich, wie loyal Menschen sind, und bezogen auf das Schuhhaus Steffens ist es so, dass das gesamte Team in den bestehenden Filialen das gleiche geblieben ist", erklärt die frühere Geschäftsführerin. Dieser Zusammenhalt komme nicht von irgendwoher, "er ist in drei Generationen geschaffen".
Das Führungsduo ist von der Zukunft stationärer Läden überzeugt. Kundenerlebnisse wie Beratung, das Ausprobieren und sich inspirieren lassen würden weiter in den Fokus rücken, ist Jörg Fasting überzeugt. Anne Springer ergänzt: "Vertrauen, Gemeinsamkeit, persönliche Gespräche vor Ort - alles, was unser Leben mit schönen Erlebnissen füllt, erlebt man im Schuhgeschäft, nicht im Internet."
Und dennoch: Die Lage bleibt schwierig, die Corona-Pandemie hallt noch immer nach. "Die Unsicherheit und das veränderte Kaufverhalten dämpfen auch aktuell noch die Stimmung", sagt Fasting. Anne Springer empfiehlt, den Blick nach vorn zu richten: "Was war, war. Es lässt sich nicht ändern. Unser Schuhhaus glänzt mit tollen Produkten, Mitarbeitern und Läden. Es gilt, die Laune bei Kunden zu wecken."