"In Sicherheit bringen": Vier Jahre Krieg - Kreis Cuxhaven nimmt weiter Ukrainer auf
Seit vier Jahren herrscht Krieg in der Ukraine. Der Kreis Cuxhaven ist für einige Ukrainer zur neuen Heimat geworden. Sie lernen Deutsch, suchen Arbeit. Noch immer besteht der Flüchtlingsstrom: Manche Ukrainer sind erst seit kurzer Zeit im Cuxland.
Seit über vier Jahren herrscht in der Ukraine Krieg. Am 24. Februar 2026 jährte sich der Angriff Russlands auf die Ukraine zum vierten Mal. Deutschland hat seit Kriegsbeginn viele Flüchtlinge aufgenommen - auch der Landkreis Cuxhaven. Manche Ukrainer sind erst seit Kurzem in der Region.
"Ich wollte meine Kinder in Sicherheit bringen"
Die meisten Ukrainer kamen in den Jahren 2022 und 2023 in die Region. Aktuell sind es jedoch immer noch ungefähr zehn Personen pro Woche, die in den Landkreis Cuxhaven kommen. Das teilte der Landkreis auf Nachfrage von cnv-medien.de mit. Der 32-jährige Nikita lebt seit einem halben Jahr mit seiner Familie in Ihlienworth. Mit seiner Frau und den drei Kindern hat er Kiew verlassen. "Seit vier Monaten lerne ich Deutsch", erzählt er im Gespräch.

Seine Eltern leben noch in der Ukraine: Jeden Tag schreibt oder telefoniert er mit ihnen. Sein Vater ist 57 Jahre alt. Bis er 60 wird, darf er nach dem geltenden Kriegsrecht das Land ohne Erlaubnis nicht verlassen. Als Familienvater von drei Kindern oder mehr darf man jedoch ausreisen, so auch Nikita. "Die Drohnen- und Raketenangriffe wurden verschärft. Jeden Tag gibt es welche", erklärt er die Flucht aus der Ukraine. "Ich wollte meine Kinder in Sicherheit bringen." Ob er je in die Ukraine zurückkehren wird, weiß er nicht. Aktuell will er Deutsch lernen, um einen Job zu finden. Dafür besucht er täglich einen Deutschkurs an der Volkshochschule in Otterndorf. Er wünsche sich eine gute Integration. "Alles Schritt für Schritt", sagt der Vater.
1629 Ukrainer leben zurzeit im Landkreis Cuxhaven, heißt es von der Pressestelle des Landkreises aus CN/NEZ-Anfrage. In dieser Zahl sind die Ukrainer in der Stadt Cuxhaven jedoch ausgeklammert. Dort sind es 782, wie Pressesprecher Marcel Kolbenstetter mitteilt. Wie viele von ihnen eine Arbeit gefunden haben, kann die Pressestelle des Landkreises nicht genau beziffern. "Es gibt ukrainische Schutzsuchende, die zwischenzeitlich ihre Ausbildung anerkannt bekommen haben und als Fachkraft arbeiten, aber auch Personen, die im Rahmen von Nebenjobs arbeiten. Darüber hat der Landkreis keine Kenntnis."

"Es ist gefährlich, dort zu leben"
Auch Dmytro und seine Freundin Anastasia sind seit sechs Monaten in Ihlienworth. Sie konnten die Ukraine erst zu diesem Zeitpunkt verlassen, da Ende August 2025 das Ausreiseverbot für junge Männer aufgehoben wurde, erklärt der 22-Jährige. Seitdem dürfen Männer im Alter von 18 bis 22 Jahren die Grenze überqueren. "Meine Eltern leben in Cherson. Jeden Tag wird die Stadt beschossen", berichtet Dmytro aus der Heimat. Anastasia hat Angst vor dem Krieg, erzählt sie. Ihre Eltern wohnen nicht weit von einem Flughafen entfernt - auch der werde täglich beschossen. "Es ist gefährlich, dort zu leben."
Heimat an der Frontlinie
Maxim ist mit seiner Mutter Valentina nach Deutschland gekommen. Sie lebten im Süden der Ukraine - in Cherson. Seit vier Jahren befindet sich ihre Heimat an der Frontlinie, jeden Tag gab es Raketenangriffe. Ihr Wohnviertel ist komplett zerstört worden, berichtet Valentina. "Wir haben keine Chance, zurückzukehren." Fünf bis sechs Monate sind sie inzwischen in Deutschland - auch sie haben die Ukraine nach der Gesetzesänderung verlassen können. Die beiden leben zusammen mit Dmytro, Anastasia und ihrer Schwester in einem Haus.
Die Sechs eint ein gemeinsames Schicksal, welches sie zufällig zusammengeführt hat. Nun lernen sie gemeinsam Deutsch, fahren gemeinsam mit dem Auto, gehen spazieren und essen manchmal zusammen zu Abend.