"Soll in den Mittelpunkt rücken": So läuft die Sanierung der Flusskirche in Oberndorf
Die Sanierung der St.-Georg-Kirche in Oberndorf ist eine gewaltige Herausforderung. Trotz hoher Kosten und umfangreicher Arbeiten blickt die Gemeinde hoffnungsvoll in die Zukunft und plant die Wiedereröffnung.
Die Kirche am Fluss ist feucht, das Mauerwerk "blüht" seit vielen Jahren. Eine Sanierung muss sein - ein wichtiges Projekt, eine handwerkliche Herausforderung und eine große Anstrengung für alle Beteiligten. Am 31. Mai 2026 sollen sich die Türen um 16 Uhr wieder öffnen, um Gottesdienst zu feiern.
Anja Asendorf ist fast jeden Tag in der Kirche, auch an diesem Nachmittag. Die Vorsitzende des kleinen Kirchenvorstands verfolgt die Arbeiten aufmerksam, beobachtet jede Veränderung, jeden Fortschritt. Seit Juni vergangenen Jahres, kurz nach Pfingsten, schaffen die Handwerker fleißig im und am Gemäuer nahe der Oste. Seither ist das Gemeindehaus provisorisches Ausweichquartier für Gottesdienste.

Für die Sanierung wurde im sechs Meter hohen Kirchensaal alles Abnehmbare abgebaut, eingerüstet oder eingelagert: der Taufengel, die Bänke, der Hochaltar, die Orgel. Erst dann konnten die Fachleute dem Putz zu Leibe rücken, der seit Jahren kontinuierlich abgeplatzt war. Es staubte gewaltig, und das fortwährende Hämmern war nichts für empfindliche Ohren. Doch der Einsatz lohnt sich, auch wenn noch nicht alles fertig ist.
"Die Wände wirken nun weiß und einladend, nicht mehr dunkel und kahl", sagt Anja Asendorf, während sie die knarrende Empore zur Orgel hinaufsteigt. "Blühender Klinkerstein", fügt sie kopfschüttelnd hinzu, "war einer Kirche nicht mehr würdig." Von außen ist das Mauerwerk bereits verfugt. Auch dort hat die Nässe deutliche Spuren hinterlassen.
"In Kürze wird rund um das Gebäude, dessen Entstehung auf das Jahr 1653 datiert, ein Graben ausgehoben, um die Fundamente zu versiegeln", berichtet die 62‑Jährige und schaut übers Geländer nach unten. Dort arbeiten Jean Salvagnac und Joscha Caroll, Gesellen der Firma Uhtenwoldt aus Oberndorf, am neuen Elektronikkasten. Hoch über ihren Köpfen rauscht neben der sorgsam verpackten Orgel die Lüftung. Ein silberner Schlauch saugt Tag und Nacht Feuchtigkeit aus dem Inneren des markanten Wahrzeichens. Später wird eine neue Belüftung eingebaut. Was sein muss, muss sein.

Größten Teil der Kosten übernimmt Landeskirche
Die Arbeiten sind gewaltig, auch finanziell: Rund 530. 000 Euro kostet die Sanierung von St. Georg. Etwa 60. 000 Euro übernimmt der Kirchenkreis, den größeren Teil trägt die Landeskirche. "Wir sind froh und dankbar für die Unterstützung", sagt Asendorf, die mit Kirchenvorstand und Pastoren ungezählte Stunden investiert hat, um grünes Licht für die Sanierung zu erhalten. Besonders schätzt sie die verlässliche Begleitung von Küsterin Yvonne Sieb, die die Baustelle bei Wind und Wetter im Blick behält.
"Wir müssen immer wieder handeln", sagt Anja Asendorf und erinnert sich an eine Begehung aus dem Jahr 2012. Seinerzeit frisch in den Kirchenvorstand gewählt, sah sie - wie andere auch - das Problem: Überall löste sich der Putz. St. Georg brauchte Hilfe. Dringend. Expertise kam unter anderem von Professor Dr. Thorsten Albrecht von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim, dazu Bauskizzen, Finanzpläne und Anträge. Immer wieder Anträge. Tatkräftig unterstützt wurde der Kirchenvorstand von Pastor Uwe Beuermann, inzwischen pensioniert, und seinem Kollegen Klaus Volkhardt. Ende Oktober 2024 kam schließlich die ersehnte Zusage aus dem Amt für Bau‑ und Kunstpflege in Verden sowie aus dem Kirchenamt in Bremerhaven.

Darüber freut sich heute auch Tileman Wiarda, seit September 2025 neuer Pastor in Oberndorf. Gemeinsam mit Anja Asendorf, Annegret Tiedemann, Uta Scholvin und Kerstin Engelbrecht vom Ortskirchenvorstand blickt er hoffnungsvoll voraus. "Wir haben im hinteren Teil der Kirche auf jeder Seite drei Bänke herausgenommen", erzählt der 51‑Jährige. Der Raum soll künftig auch anderen Anlässen dienen: Tauf‑, Konfirmanden‑ oder Hochzeitsgesellschaften, Klönschnack‑ und Kinderspielnachmittagen. "Die Kirche stand immer im Mittelpunkt des Dorfes", betont Wiarda, "sie soll wieder in den Mittelpunkt des Lebens der Menschen rücken, die hier wohnen."
Bis dahin ist Endspurt. Jeden Tag. An der Pforte trifft Asendorf die beiden Gesellen von Uhtenwoldt, die für heute Feierabend machen und alte Elektrokabel zum Auto tragen. "Wir sehen uns", ruft sie ihnen nach. Morgen ist Anja Asendorf wieder da. Und übermorgen auch - bis sich die Türen am 31. Mai um 16 Uhr wieder öffnen.
Von Andreas Schoener/Kirchenkreis Cuxhaven-Land Hadeln