Politischer Rückzug in Otterndorf: Thomas Bullwinkel (CDU) rechnet mit Ratsklima ab
Thomas Bullwinkel gibt seine Mandate im Otterndorfer Stadtrat und Samtgemeinderat Land Hadeln auf. Persönliche Anfeindungen und ein vertracktes politisches Klima veranlassen den Christdemokraten zu diesem unerwarteten Schritt.
Ein politischer Paukenschlag: Thomas Bullwinkel (CDU) verzichtet auf seine Mandate im Otterndorfer Stadtrat sowie im Samtgemeinderat Land Hadeln. Er begründet diesen Schritt in einer Pressemitteilung mit dem Wahlergebnis sowie persönlichen Anfeindungen bis hin zu einer anonymen Strafanzeige: "Neben der verfahrenen politischen Konstellation führt mich jedoch auch ein tiefgreifender persönlicher Grund zu diesem Schritt: Die politische Kultur und das Klima in den Gremien der Stadt und der Samtgemeinde haben für mich im Ehrenamt ein erträgliches Maß überschritten."
Der beliebte Christdemokrat, der sich ausdrücklich herzlich bei seinen Wählerinnen und Wählern bedankt, kündigt an, er werde sich in der kommenden Wahlperiode politisch nur noch auf seine Arbeit im Cuxhavener Kreistag konzentrieren.
"Zukunftsorientierte Zusammenarbeit nicht möglich"
Von 2016 bis 2021 war er in Otterndorfs bereits Bürgermeister und wollte es wieder werden. Thomas Bullwinkel, der als Kandidat erneut die meisten persönlichen Stimmen der Wählerinnen und Wähler erzielte, hat sich die Entscheidung zum Rückzug nicht leichtgemacht. Er habe sie erst nach reiflicher Überlegung getroffen: "Das Vertrauensvotum der Bürger macht mich stolz, aber es verpflichtet mich auch. Die Wähler haben ein klares Signal für einen politischen Wechsel gesendet. Doch leider sind Gespräche gescheitert bzw. verweigert worden, so dass eine zukunftsorientierte Zusammenarbeit für mich in der von uns angedachten Form nicht möglich ist."
Thomas Bullwinkel lag bei den persönlichen Stimmen mit 1669 Stimmen deutlich vor dem amtierenden Bürgermeister Claus Johannßen (SPD, der 1527 Stimmen erhielt. Nach der Kommunalwahl ist die Lage im neuen Otterndorfer Stadtrat vertrackt, denn es gibt keine klaren Mehrheitsverhältnisse.
CDU ist mit sieben Sitzen stärkste Kraft
Die CDU ist mit 30,83 Prozent und sieben Sitzen knapp stärkste Kraft geblieben. Die SPD folgt mit 30,01 Prozent und sechs Mandaten. Zugelegt haben die Grünen: Sie kommen auf 16,03 Prozent und drei Sitze. Der Einzelbewerber Dirk Grabau und die FDP erhalten jeweils ein Mandat. Die Linke erhält ein Mandat, ebenfalls mit einem Mandat ist die AfD vertreten, die zwar Stimmen für zwei Mandate gewonnen hatte, aber nur eine Kandidatin benannt hatte. Dadurch wird der neue Otterndorfer Rat statt der vorgesehenen 21 nur 20 Mitglieder haben.

Bullwinkel beschreibt, dass besonders auch die jüngsten Sitzungen rund um die Wahl deutlich gezeigt hätten, "dass sachliche Politik vor Ort zunehmend durch persönliche Anfeindungen aus allen Richtungen ersetzt wird". Sein persönlicher Anspruch an ein respektvolles Miteinander, seine Familie und seine Gesundheit, ließen es nicht zu, "mich diesem zermürbenden Klima für weitere fünf Jahre auszusetzen". Er kündigte aber an, im Kreistag sicherzustellen, dass die Interessen Otterndorfs und der gesamten Samtgemeinde Land Hadeln ein starkes Gewicht auf Kreisebene behalten
Michael Merz, Vorsitzender des CDU-Samtgemeindeverbands Land Hadeln, teilt auf Nachfrage unseres Medienhauses sein Bedauern über den Schritt mit. Thomas Bullwinkel habe es erläutert, wie es zu der persönlichen Entscheidung gekommen sei: "Das müssen wir respektieren." Für ihn sei der Schritt nachvollziehbar. Hinsichtlich der Otterndorfer Bürgermeisterwahl meint Merz, dass die Gruppengespräche derzeit noch liefen, sich aber Tendenzen abzeichneten. Ob die Otterndorfer CDU einen eigenen Kandidaten für das Bürgermeisteramt aufstelle, stehe noch nicht fest, so Merz.
Malte Hinck, SPD-Fraktionsvorsitzende in Stadt- und Samtgemeinderat, sagt auf Nachfrage von CNV-Medien zum Rückzug Bullwinkels: "Ich bedauere es sehr, dass er diesen Schritt getan hat. Auch wenn wir politisch nicht immer einer Meinung waren, haben wir es doch sachlich ausgetragen. Persönlich gab es zwischen uns keine Probleme." Vor allem bedauere er es, dass jemand wegen des Klimas ein ehrenamtliches Mandat abgebe: "Das darf und soll nicht so sein." Hinck betont, dass mit der CDU verständigt worden sei, auf einem guten Niveau, in sachlicher Atmosphäre zusammenzuarbeiten. Bezüglich der künftigen Ratsarbeit betonte der Sozialdemokrat: "Wir führen aktuell mit allen außer der AfD Gespräche und ich bin optimistisch, dass es in Kürze zu einer Gruppenlösung kommt."
Nach dem Verzicht von Bullwinkel sollen als Nachrücker Hjördis Plate für die CDU in den Stadtrat einziehen und der Odisheimer Stefan Skowron in den Samtgemeinderat.
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