Veränderungen des Arbeitsmarktes in Cuxhaven: "Qualität in der Stadt ist gestiegen"
Der Arbeitsmarkt im Landkreis Cuxhaven trotzt globalen Herausforderungen und zeigt Widerstandskraft. Die Integration ausländischer Arbeitskräfte ist ein relevantes Thema. Was sich in der Region tut.
"Unser Arbeitsmarkt hat sich im Jahr 2025 insgesamt noch ganz robust gezeigt und damit seine Widerstandsfähigkeit unter Beweis gestellt", betont Dagmar Froehlich, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Stade. Der Elbe-Weser-Raum sei noch ganz gut aufgestellt, besonders durch eine hohe Branchenvielfalt, erzählt sie anlässlich der Jahrespressekonferenz weiter. Ungefähr 80 Prozent der Angestellten seien in kleinen und mittelständischen Betrieben beschäftigt. Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen und globaler Unsicherheiten konnte ein Zuwachs bei Beschäftigung und Arbeitskräfte-Nachfrage verzeichnet werden.
Die Zahl der Beschäftigten im Agenturbezirk Stade stieg um 1,4 Prozent an, jedoch gab es ebenfalls einen Anstieg der Arbeitslosen - dieser lag bei 2,9 Prozent. Es sei ein dynamisches Verhältnis. "Es hält sich die Waage zwischen Menschen, die sich arbeitslos melden, und denen, die wieder aus der Arbeitslosigkeit hinauskommen", beschreibt die Vorsitzende der Geschäftsführung.
Bei arbeitslosen Menschen lassen sich unterschiedliche Personengruppen ausmachen, die unterschiedlich stark von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen seien. Den höchsten Anstieg gab es bei älteren Personen ab 50 Jahren (plus 5,0 Prozent) und Menschen mit einer Schwerbehinderung (plus 4,6 Prozent).
Im Vergleich der drei Landkreise verzeichnete Cuxhaven den geringsten Anstieg an Arbeitslosen:
- Cuxhaven: 0,9 Prozent
- Stade: 3,5 Prozent
- Rotenburg: 5,0 Prozent
Die Arbeitslosenquote der Landkreise liegt bei:
- 5,9 Prozent in Cuxhaven
- 4,0 Prozent in Rotenburg
- 6,0 Prozent in Stade
Ausländische Menschen immer besser integriert
Erfreulich zu sehen sei, dass Menschen, die aus dem Ausland nach Deutschland gekommen sind, immer besser integriert werden, beschreibt Froehlich. Die Zahl der Arbeitslosen mit ausländischem Hintergrund sank im Jahr 2025 um 1,2 Prozent. "Der Anstieg von Arbeitnehmern im Kreis ist den ausländischen Arbeitskräften zu verdanken", sagt Froehlich. Auch Torsten Stoltz, Geschäftsführer des Jobcenters Cuxhaven, vermerkt einen deutlichen Rückgang bei ausländischen Menschen. Fehlende Sprachkenntnisse hätten bei Ukrainern in den vergangenen Jahren Schwierigkeiten bereitet - inzwischen gehen die Zahlen an benötigten Sprachkursen zurück. Nach Aufbau von Sprachkenntnissen könnten die Ukrainer in Deutschland Fuß fassen, beschreibt Stoltz. "Die Wahrscheinlichkeit der Integration ist inzwischen gleich hoch - egal welche Nationalität", betont er.

Problematisch sei die Entwicklung der Vakanzzeit, so Froehlich. Diese Zeit gibt an, wie lange es dauert, bis eine Arbeitsstelle adäquat besetzt wird. "Die Zahl hat sich erhöht. Inzwischen liegen wir bei fast acht Monaten", gibt die Vorsitzende zu bedenken.
"Auf kurzem Weg zusammenkommen"
"Die nächsten Jahre werden spannend", sagt Sven Menke. Der Teamleiter vom Arbeitgeber-Service erklärt, dass gute Formate zur Vermittlung von Arbeitskräften eingeführt wurden - beispielsweise der "Job-Treff". Dieser soll monatlich von Januar bis Juni und zwischen August und November stattfinden. "Arbeitnehmer und Arbeitgeber können so auf kurzem Weg zusammenkommen", erklärt Menke.
Er sehe Chancen in der Industrie und dem Einzelhandel. Die zeitnahe Eröffnung von Kaufland sei sehr positiv für Cuxhaven. "Dort wird es einen großen Bedarf an Bewerbern auf die zu besetzenden Stellen geben", erläutert er.
Die Zahl der in ungelernten Berufen, sogenannten Helfertätigkeiten, Beschäftigten in Cuxhaven sei in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent gesunken - es gab einen Anstieg an Fachkräften, Experten und Spezialisten. "Die Qualität in der Stadt ist gestiegen", so Menke.
Fast jeder Fünfte schafft den Weg in den Arbeitsmarkt
Im vergangenen Jahr habe das Jobcenter 1473 Menschen zu einer Anstellung verholfen. "Fast jeder Fünfte schafft den Weg in den Arbeitsmarkt", stellt Torsten Stoltz erfreut fest.
Es gab einen Anstieg von 8,6 Prozent von Menschen, die in den Langzeitbezug gekommen seien "Der Wert hat sich aber auf einem vernünftigen Niveau gehalten", betont Stoltz. Trotz dessen hat das Jobcenter knapp 3 Prozent weniger Geld ausgegeben. Positiv hebt er hervor, dass fast 70 Prozent der Menschen nach einem Jahr der Anstellung immer noch in ihrem Job seien. "Es ist eine nachhaltige Integration zu sehen."
Positiver Blick auf 2026 trotz verhaltener Prognosen
Trotz bundesweit verhaltener Prognosen, sei Froehlich verhalten optimistisch. "Hier tut sich was in der Region." Sie erwarte zwar einen leichten Anstieg der Arbeitslosen, aber auch einen Anstieg an verfügbaren Stellen. Besonders im Fokus soll weiterhin die Weiterbildung und Qualifizierung von Arbeitskräften in der Region stehen. Für 2026 stünden der Arbeitsagentur dafür 24 Millionen Euro zur Verfügung. Im Jobcenter werde intensiv daran gearbeitet, Vorgänge weiter zu digitalisieren. "Vor allem wollen wir Menschen Chancen eröffnen", betont Stoltz. Eine solche Chance könnte die "Frühjahrsmesse Arbeit 2026" sein, die im März im Landkreis Cuxhaven stattfinden wird. "Ich bin guter Dinge, dass durch Neuansiedlungen auch neue Chancen geboten werden", sagt Menke vom Arbeitgeber-Service.