Vermisster 13-Jähriger in Loxstedt: So geht die Polizei Cuxhaven bei der Suche vor
Die Vermisstenfälle im Kreis Cuxhaven sorgen für Unruhe: Eine Jugendliche tauchte wohlbehalten wieder auf, doch ein 13-Jähriger bleibt verschwunden. Wie die Polizei bei der Suche vorgeht und welche Hürden sie überwinden muss.
Fast jeder kennt die emotionale Belastung, wenn das eigene Kind nicht wie gewohnt nach der Schule nach Hause kommt oder wegfährt und sich nicht mehr meldet. Im Cuxland sorgten in den vergangenen Wochen zwei Vermisstenfälle für Aufregung. Eine 15-Jährige aus Geestland war in der letzten Aprilwoche nicht nach Hause gekommen. Glücklicherweise tauchte die Jugendliche nach einer Woche wohlbehalten wieder auf.
Ein weiterer Fall beschäftigt die Polizei Cuxhaven weiterhin: Der 13-jährige Damien Hartmann aus Loxstedt wird seit zwei Wochen vermisst. Zuletzt wurde er am 22. April auf dem Parkplatz eines Netto-Marktes in Loxstedt gesehen. Doch was passiert eigentlich bei der Polizei, wenn ein Kind als vermisst gemeldet wird? Mit welchen Mitteln sucht die Polizei nach einem vermissten Kind?
Vermisstenmeldung: Die Kriterien der Polizeiarbeit
"Es erfolgt wie bei jedem polizeilichen Einsatz eine Lage- und Einsatzbewertung", sagt Stephan Hertz von der Polizeiinspektion Cuxhaven. Anhand bestimmter Fragen wird der Fall konkretisiert: Wie ist das häusliche und familiäre Umfeld? Wie alt ist die Person? An welchen sozialen Orten hält sie sich häufig auf? Wie ist ihr gesundheitlicher Zustand? Besteht für das Kind oder andere eine Gefahr? Hat die Person Kommunikationsmittel dabei? Ist sie schon einmal abgängig gewesen?
Anhand dieser Kriterien werden unterschiedliche Maßnahmen zur Suche nach vermissten Kindern eingeleitet. Dies geschieht zunächst intern. Eine Öffentlichkeitsfahndung wird erst dann eingesetzt, wenn andere Möglichkeiten wenig Erfolg versprechen. Auch rechtlich ist diese Form der Fahndung an hohe Hürden gebunden, wie Hertz erklärt.
Rechtliche Hürden bei der Öffentlichkeitsfahndung
Ist die vermisste Person noch ein Kind, gelten für die Polizei andere Vorschriften. "Bei Kindern unter 14 Jahren sind wir rechtlich verpflichtet, immer polizeiliche Maßnahmen zur Suche einzuleiten, da wir bei Kindern in dem Alter grundsätzlich von einer Gefahr für das Kind ausgehen müssen", so Hertz. "Je jünger das Kind, desto intensiver gestalten sich die Maßnahmen." Bei erwachsenen Vermissten werden die rechtlichen Hürden für eine aktive Suche höher, da diese ihr Aufenthaltsbestimmungsrecht selbstständig ausüben dürfen.
Einsatzmittel im Fall Damien Hartmann
Im aktuellen Vermisstenfall des Jungen aus Loxstedt hat die Polizei Cuxhaven verschiedene Schritte eingeleitet. Die Öffentlichkeitsfahndung läuft laut Polizeisprecher Hertz weiterhin, sie wurde über klassische und soziale Medien verbreitet. "Wir überprüfen regelmäßig bekannte Anlaufstellen sowie soziale und familiäre Kontakte", erläutert er. "Wir hoffen weiter sehr auf Hinweise aus der Bevölkerung zum Aufenthalt des Jungen."
Eine weitere Möglichkeit für die Polizei wäre eine Handy-Ortung. Da der in Loxstedt vermisste Junge allerdings kein Smartphone mit sich führt, entfällt diese Option. "Ohne Handy kann die Polizei für eine Suche keine technischen Hilfsmittel wie Drohnen oder Suchhunde zielgerichtet einsetzen, da ein genauer Suchraum nicht abzugrenzen ist." Im Fall von Damien Hartmann geht die Polizei weiterhin von einem Vermisstenfall aus. "Es gibt bislang keinerlei Hinweise auf einen strafrechtlichen Hintergrund", betont Hertz.
Wie oft werden Kinder in Deutschland vermisst?
Erfahrungen der Polizei zeigen: Kinder werden häufiger vermisst gemeldet, besonders in den Sommermonaten. Oft kommt es vor, dass Kinder als temporär vermisst gelten, etwa im Urlaub oder in unbekannten Regionen. In Deutschland werden jedes Jahr mehrere zehntausend Kinder als vermisst gemeldet. Die Suche nach vermissten Kindern verläuft meist erfolgreich: Rund die Hälfte der Fälle wird innerhalb von einer Woche aufgeklärt, mehr als 80 Prozent innerhalb eines Monats. Nur ein sehr kleiner Anteil bleibt länger als ein Jahr ungeklärt. Die allermeisten Kinder tauchen wieder unversehrt auf.
Von Ismail Kul
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