Vogelfutteranbau im Kreis Cuxhaven: Eine Erfolgsgeschichte
Wildvogelfutteranbau in der Börde Lamstedt ist eine zwar noch kurze, dafür aber eine Erfolgsgeschichte. Und sie wird fortgeschrieben, wenn auch unter neuen Voraussetzungen. Das ändert sich für Bauer Christian Pülsch-Janßen aus Stinstedt.
Noch stehen die Sonnenblumen auf dem Feld am Rande von Stinstedt. Die Köpfe sehen zwar nicht mehr taufrisch und hübsch aus, aber das sollen sie auch gar nicht: Schließlich dienen sie einem anderen Zweck. Als Bestandteil eines gesunden, artgerechten und nachhaltig produzierten Wildvogelfutters helfen sie der Artenvielfalt auf die Sprünge. Die hiesige Landwirtschaft geht damit neue Wege ein.
Der Wildvogelfutteranbau ist eine Erfolgsgeschichte - und sie wird fortgeschrieben, wenn auch unter anderen Voraussetzungen und mit neuen Protagonisten. Bauer Christian Pülsch-Janßen wird dann wieder mehr Zeit für seine Familie haben.
Begonnen mit einer Schüler AG
Begonnen hatte alles mit dem Schüler-Startup AG der Naturschutzorganisation Wilde Natur im Jahr 2020, als Christian als Anbaupartner für hochwertiges Wildvogelfutter gewonnen wurde. Nachdem die Online-Vermarktung ab November 2020 so stark anlief, lag die Entscheidung nahe, 2021 den Anbau auf elf Hektar zu planen und auszusäen. Bereits im März 2021 entschied der Landwirt sich dazu, in das Unternehmen einzukaufen; im Oktober des Jahres übernahm er es schließlich komplett.
Der Ernteerfolg war riesig. 16 Gesamtmenge, die innerhalb von neun Monaten restlos ausverkauft war. Die Anbaufläche für Pflanzen wie Buchweizen, Sonnenblumen oder Hanf wurde vergrößert auf 34 Hektar. Die Gesamternte im vorigen Jahr betrug 75 Tonnen. Auch bei der Verpackung wurde durch Einsatz von Graspapier mehr Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Versand aus Onlineshops, das Marketing, die Rekrutierung neuer Verkaufsstellen und Werbung nahm er selbst vor - und stellte fest: "Ich stoße an Grenzen."
Wachsen oder umorientieren?
Sollte er noch größer werden, neue Hallen bauen und die Produktion ausweiten - oder gab es eine andere Lösung? "Für mich steht die Familie an erster Stelle - und dieser Zustand war so nicht mehr tragbar", betont Christian, Vater von drei Kindern zwischen vier und 14 Jahren. Schließlich betreibt er neben der Vogelfutterproduktion noch die konventionelle Landwirtschaft und melkt beispielsweise 160 Kühe.
Und da kommt Claas Bangemann aus Moormerland in Ostfriesland ins Spiel. Über Ecken durch Bekannte fanden beide zusammen und die Chemie stimmte sofort. Claas ist Geschäftsführer vom familiengeführten Saatguthersteller ProSaat und die nachhaltige Erzeugung von Vogelfutter passt für ihn perfekt ins Portfolio, zumal das Thema Nachhaltigkeit eine große Rolle in seinem Betrieb spiele. "Wir haben den gleichen Anspruch an das Produkt und wurden uns schnell auf Augenhöhe einig", sagt der Ostfriese und unterstreicht: "Vogelfutter in größeem Ausmaß fehlte uns noch in unserem Sortiment." Mittlerweile sind die Verpackungsmaschinen, die Abfüllung und Waage bereits vond er Börde nach Moormerland umgezogen. Und der neue Geschäftsführer von möchte ganz im Sinne von Christian weitermachen.
Vogelfutterproduktion geht in der Börde weiter
Mit der Firmenübergabe ist das Kapitel Vogelfutterproduktion in der Börde Lamstedt jedoch keinesfalls beendet. Christian baut weiterhin im Auftrag von Claas auf insgesamt 29 Hektar Vogelfutterpflanzen in Stinstedt sowie in Armstorf unter naturschutzfachlichen Aspekten ohne den Einsatz von mineralischer Düngung an.
Davon verspricht er sich letztlich eine Verbesserung der Böden. Ohnehin sei ja eine weitere Fruchtfolge politisch erwünscht. Dadurch werde die Bodenhygiene anders, weil nur die Frucht geerntet werde, verbleibe die Restpflanze danach auf der Fläche und es komme zu einer besseren Humusbildung. Der Boden werde tatsächlich lockerer.
Von der Produktqualität und dem Beitrag für mehr Artenvielfalt ist auch der neue Chef Claas überzeugt und verrät "Ich habe das natürlich vorher von der Familien und Freunden ausprobieren lassen und die Vögel gehen wirklich wie verrückt darauf …." Christian nickt: "Das ist auch, was uns Kunden so berichten."
Christian bleibt Hauptanbaupartner, aber Claas steht auch in Kontakt zu weiteren Landwirten. Abern eines ist beiden Landwirten aus Ostfriesland wie auch der Börde Lamstedt bedeutsam. "Das muss auch ins Konzept passen, wir wollen hier schließlich kein Greenwashing betreiben."
Und in vier bis sechs Wochen sind auch die Sonnenblumen reif zur Ernte und ergänzen die Mischung, die künftige aus Claas Familienunternehmen vertrieben wird.
