Wahl in Land Hadeln: Der neue Samtgemeinderat wird deutlich bunter
Die Kräfteverhältnisse im Samtgemeinderat Land Hadeln verschieben sich deutlich. CDU und SPD büßen Stimmen ein, die AfD gewinnt stark hinzu, die Linke schafft erstmals den Einzug. Auch die neu gegründete Bürgerliste ist künftig im Rat vertreten.
Der neue Rat der Samtgemeinde Land Hadeln wird deutlich vielfältiger als bisher. Bei der Kommunalwahl am Sonntag (13. September) blieb die CDU zwar stärkste Kraft, musste jedoch ebenso wie die SPD und die Grünen Verluste hinnehmen. Deutlich zulegen konnte die AfD. Erstmals ziehen zudem die Linke und die neu gegründete Bürgerliste Land Hadeln in den Samtgemeinderat ein.
Die CDU erreichte 36,08 Prozent der Stimmen und 13 Sitze. 2021 waren es noch 40,27 Prozent und 14 Mandate. Auch die SPD verlor deutlich und kam auf 30,85 Prozent sowie elf Sitze. Vor fünf Jahren hatte sie 38,03 Prozent erreicht und wie die CDU 14 Ratsmitglieder gestellt. Die Grünen landeten mit 8,46 Prozent bei drei Sitzen. Auch sie schnitten schwächer ab als 2021, als sie 9,90 Prozent und vier Mandate erreicht hatten.
Größter Gewinner ist die AfD. Sie steigerte sich von 3,31 auf 13,58 Prozent. Rechnerisch stehen ihr fünf Sitze zu, besetzen kann sie jedoch nur zwei, da lediglich zwei Kandidaten angetreten waren. Dadurch wird der neue Samtgemeinderat trotz ursprünglich 36 zu vergebender Sitze nur 33 Mitglieder haben.
Die Linke zieht auf Anhieb mit zwei Sitzen ein. FDP und Bürgerliste Land Hadeln erhalten jeweils ein Mandat. Die Wahlbeteiligung stieg von 63,74 Prozent im Jahr 2021 auf 69,88 Prozent. Wahlberechtigt waren 22.488 Menschen.
Welche Mehrheiten bilden sich?
Spannend dürfte nun werden, wie sich die Mehrheiten im neuen Rat bilden. Rechnerisch sind mehrere Bündnisse möglich. Eine Mehrheit hätten etwa SPD, Linke und Grüne gemeinsam. Auch ein Bündnis aus CDU, FDP und Grünen (Jamaika-Koalition) käme rechnerisch auf eine Mehrheit. Ebenso möglich wäre eine Zusammenarbeit der beiden stärksten Fraktionen, CDU und SPD. Die AfD dürfte bei möglichen Bündnissen hingegen außen vor bleiben.
Stimme und Sitz im neuen Samtgemeinderat hat auch der neu gewählte Samtgemeindebürgermeister Frank Thielebeule, der sich bei der Bürgermeisterwahl mit 52,38 Prozent durchgesetzt hatte.
Kein Hehl daraus macht der bisherige Ratsvorsitzende Patrick Pawloski (CDU), dass er dieses Amt auch gern im neuen Samtgemeinderat bekleiden möchte: "Der Ratsvorsitz hat mir viel Spaß gemacht und ich würde es gern weitermachen." Der Wingster Christdemokrat erhielt die meisten Direktstimmen aller Kandidatinnen und Kandidaten: 1921 entfielen auf ihn, gefolgt von Thomas Bullwinkel (1709), Michael Merz (1416), Carmen Sodtke (1414) und Nicole Friedhoff (1258).
Doch die Wahl zum Samtgemeinderat war nur ein Teil des Wahlsonntags. Auch in den Mitgliedsgemeinden wurden die Räte neu gewählt - mit teils bemerkenswerten Ergebnissen.
Otterndorf: Die CDU bleibt nach der Kommunalwahl stärkste Kraft im Otterndorfer Stadtrat, kann daraus aber keine eigene Mehrheit ableiten. Sie erreicht sieben Sitze, die SPD sechs und die Grünen drei; außerdem sind künftig AfD, Linke, FDP und Einzelbewerber Dirk Grabau vertreten. CDU-Mann Thomas Bullwinkel erhielt zwar die meisten persönlichen Stimmen, doch Amtsinhaber Claus Johannßen (SPD) kann ebenfalls auf mögliche Mehrheiten hoffen.
Cadenberge: Hier fällt die Wahl eindeutig zugunsten der SPD aus: 52,17 Prozent erzielten die Sozialdemokraten, auf die CDU entfielen 37,61 Prozent und auf die Grünen 10,22 Prozent. An der Spitze im Gemeinderat wird es einen Wechsel geben, da für die SPD Wolfgang Heß nicht mehr zur Wahl stand. Die langjährige SPD-Fraktionsvorsitzende Carmen Sodtke empfiehlt sich für das Bürgermeisteramt und hat dabei einen deutlichen persönlichen Stimmenvorsprung. Im Gemeinderat hat die SPD acht Sitze, die CDU sechs und die Grünen einen Sitz.
Wingst: Als große Gewinnerin geht die CDU (56,6 Prozent) hervor - und hier hat besonders der amtierende Bürgermeister riesigen Grund zur Freude: Patrick Pawlowski (CDU) vereinte mit 1759 Direktstimmen so viele auf sich, wie kein anderer. Michael Schlobohm (SPD) war mit 352 Direktstimmen nächstplatziert. Die CDU erhält acht Sitze im Rat, die SPD (25,10 Prozent) vier Sitze. Der Gemeinderat Wingst bekommt eine neue Farbe hinzu: Erstmals sitzt dort ein Vertreter von Die Linke (3,48 Prozent). Grüne (6,32 Prozent) und "Wir für die Wingst" (8,48 Prozent) erhalten jeweils einen Sitz.
Odisheim: Klare Verhältnisse herrschen in Odisheim: Für die sieben Sitze im Gemeinderat kandidierten ausschließlich Bewerber der CDU. Bürgermeister Stefan Skowron erhielt 194 Stimmen und startet damit mit großem Rückhalt aus der Bevölkerung in die neue Wahlperiode.
Nordleda: Bei der Gemeinderatswahl in Nordleda bleibt die CDU mit 54,38 Prozent klar vorn und sichert sich fünf Sitze. Die SPD folgt mit 23,76 Prozent und zwei Mandaten. Grüne (14,01 Prozent) und FDP (7,85 Prozent) ziehen mit jeweils einem Sitz in den Rat ein. Stimmenkönig war Bürgermeister Uwe Blohm (CDU).
Wanna: Angeführt von Bürgermeisterin Nicole Friedhoff, die beeindruckende 804 Stimmen erzielte, behauptete die SPD in Wanna ihre Spitzenposition. Mit 51,71 Prozent und sieben Sitzen sicherte sie sich die absolute Mehrheit im Rat. Auf die CDU entfallen vier Mandate, auf Grüne und FBW jeweils eines.
Osterbruch: Osterbruchs neuer Gemeinderat wird vollständig von "Wir für Osterbruch" (WfO) besetzt. Die Wählergemeinschaft um Bürgermeister Peter von Spreckelsen stellte die Interessen der Gemeinde über Parteipolitik und gewann alle sieben Sitze. CDU und SPD sind damit nicht mehr vertreten.
Neuenkirchen: An der Vormachtstellung der SPD in Neuenkirchen hat sich nichts geändert. Die Partei von Bürgermeisterin Dagmar Diers erreichte 52,65 Prozent und damit sechs der elf Sitze im Gemeinderat. Die CDU kommt auf drei Mandate, FDP und Linke auf jeweils eines.
Steinau: Die CDU hat die Wahl in Steinau souverän gewonnen. Mit 69,73 Prozent lag sie weit vor der SPD mit 19,89 Prozent und den Grünen mit 10,38 Prozent. Das stärkste persönliche Ergebnis verbuchte Wolfgang Lunden: Der CDU-Politiker erhielt 287 Stimmen und soll dem scheidenden Bürgermeister Armin Heitmann im Amt folgen.
Ihlienworth: Christian Roth bleibt Ihlienworths Stimmenmagnet: 496 Wählerinnen und Wähler machten ihr Kreuz beim 56-jährigen Bürgermeister. Seine CDU kam auf 49,57 Prozent (fünf Sitze), vor der SPD mit 27,85 Prozent (drei Sitze) und den Grünen mit 8,60 Prozent (ein Sitz). In den Rat schafften es außerdem die Einzelbewerber Timo Ketelhut und Michael Marunde.
Belum: Die Kandidatinnen und Kandidaten der Bürgerliste Belum/Kehdingbruch holten 93,96 Prozent der Stimmen - das entspricht acht Sitzen im Rat. Damit scheint gesichert, dass der alte Bürgermeister auch der neue wird: Matthias Peter, der auf Samtgemeindeebene aufseiten der SPD sitzt. Die Grünen erreichten in Belum und Kehdingbruch 6,04 Prozent und einen Sitz.
Bülkau: Deutlich vorn mit 71,7 Prozent liegt die CDU, gefolgt von der AfD (12,22 Prozent). Die Grünen erzielen 8,99 Prozent und die SPD 7,09 Prozent. Der künftige Gemeinderat hat neun Sitze. Sechs fallen an die CDU, sodass Heinz-Wilhelm Woltmann sicherlich weiterhin Bürgermeister bleibt. Jeweils einen Sitz bekommen SPD, Grüne und erstmalig die AfD.
Neuhaus: Hier gibt es einen Bürgermeisterwechsel, da der bisherige Amtsinhaber Udo Miertsch auf eine Kandidatur für den Gemeinderat verzichtet hat. Die "Bürger für Neuhaus" haben mit 53,91 Prozent die Nase vorn und sie sitzen mit sechs Leuten im Gemeinderat. Kurios: Die meisten Stimmen mit 23,72 Prozent erzielte der Einzelbewerber Michael Henze, dem damit rein rechnerisch drei Ratssitze zustünden. Die CDU kommt auf 22,3 Prozent und zwei Sitze im neuen Gemeinderat.
Oberndorf: Auch hier trat eine Bürgerliste an, die starke 83,20 Prozent auf sich vereinnahmt. Zweitstärkste Partei wird aus dem Stand Die Linke mit 9,10 Prozent. Die Grünen erreichen 7,70 Prozent. Jeweils einen Sitz erhalten die Grünen und erstmals die Linkspartei. Die restlichen neun Sitze fallen an die Bürgerliste, wobei die amtierende Bürgermeisterin Anne Cunow die meisten Stimmen erhielt.
Von Wiebke Kramp und Jens-Christian Mangels
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