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Maximilian Meyer (l.) hat den Azubi-Award 2022 von der Handels- und Gewerbekammer (HGK) gewonnen. Chef Claus Peter ist sichtbar stolz auf seinen Mitarbeiter. Foto: Kramer
Maximilian Meyer (l.) hat den Azubi-Award 2022 von der Handels- und Gewerbekammer (HGK) gewonnen. Chef Claus Peter ist sichtbar stolz auf seinen Mitarbeiter. Foto: Kramer
Ausbildung

So kam der Azubi Maxi in der Wingst in die Erfolgsspur

von Redaktion | 12.01.2023 Zuletzt aktualisiert: 12.01.2023 12:09 Uhr

Kreis Cuxhaven. Maximilian Meyer aus Geversdorf ist ein Gewinner. Das war nicht immer so. Sein Chef Claus Peter aus der Wingst steht seit 2016 hinter seinem Auszubildenden. Und manchmal gibt es für Maxi sogar eine Benjamin-Blümchen-Torte.

Es ist ein eingespieltes Team, das sich im Genusshotel Peters zum Interview eingefunden hat. Der Auszubildende Maximilian Meyer ist 27 Jahre alt und trägt eine schwarze Kochjacke - er übt gerade für seine Abschlussprüfung. Neben ihm steht sein Chef Claus Peter. Sie lachen, wirken vertraut. Der langjährige Gastronom ist sichtbar stolz. Sein Auszubildender hat erreicht, wovon viele junge Menschen nur träumen: Er gewann im Oktober den Azubi-Award der Handels- und Gewerbekammer (HGK). Peter ist an diesem Erfolg nicht unbeteiligt. Er sieht es als seine Aufgabe, besonders Bewerber ohne geradlinigen Lebensweg zu fördern. Dazu zählte vor sieben Jahren auch Maximilian Meyer.

Warum ein wertschätzendes Miteinander im Beruf an erster Stelle steht, wie ,,Maxi'' zum Aushängeschild des Hotels wurde und warum kleine Betriebe eine Chance für Menschen ohne Perspektive sein können, verrät das Duo im Gespräch mit Lena Kramer.

Sie haben den Azubi-Award der HGK gewonnen. Haben Sie mit dem ersten Platz gerechnet?
Meyer: Nein, gar nicht. Herr Peter hat mich gefragt, ob ich mal wieder an einem Wettbewerb teilnehmen will. Ich wollte. Wettbewerbe machen immer Spaß. Wochen später zeigte er mir bei einem Grillfest mit Kollegen das Bewerbungsvideo, für das viele Leute aus meinem Umfeld gefilmt wurden, sogar mein Fußballtrainer. Als mir jeder Glück wünschte und nette Dinge über mich sagte, sind bei mir die Tränen geflossen und ich habe durchschaut, worum es wirklich geht. Der Gewinn war trotzdem überwältigend. Mir hätte es schon gereicht, überhaupt dabei zu sein. 

Warum haben Sie Maximilian Meyer für den Preis vorgestellt?
Peter: Ich bin ein riesiger Fan von Maxi. Er ist immer gut gelaunt, lässt sich nie unterkriegen und hat wirklich hart gearbeitet. Für seinen Beruf würde er alles tun. Das hat er in den Jahren hier oft bewiesen. Maxi ist ein Entertainer und nun als Preisträger ein Vorbild für Schulabbrecher, Arbeitslose und Jugendliche mit schwerer Vergangenheit. Er hat wirklich Potenzial!

Haben Sie dieses Potenzial sofort gesehen oder hat sich das erst später herausgestellt?
Peter: Maxi hat sich mit dem Berufswunsch Koch beworben, war aber damals in einer schulischen Maßnahme, weshalb ich sehr skeptisch ein Praktikum vorschlug. Er hat mich mit seiner Pünktlichkeit direkt überrascht. Aber ich habe nicht geahnt, dass er ein solches Durchhaltevermögen besitzt. Erkannt habe ich das nach einem Festival, das ich ehrlicherweise unterschätzt habe: Wir waren unterbesetzt - extrem anstrengend. Als Maxi am nächsten Tag in die Küche kam, dachte ich, dass er nun hinschmeißt. Ich hätte es sogar verstanden. Aber er rief strahlend: ,,Das war so cool!'' Den ganzen Tag redete er über nichts anderes. Da sah ich plötzlich sein Talent, in allem das Positive zu suchen und niemals aufzugeben. Das macht ihn zu einem Aushängeschild für unser Hotel.

Ihr Lebensweg war kein geradliniger. Fällt es Ihnen schwer, darauf zurückzublicken?
Meyer: Nein, zwar war ich kein guter Schüler und habe meinen Hauptschulabschluss nur knapp geschafft, aber ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, es war einfach so. Bei Einstellungstests ausschließlich zwischen Abiturienten zu sitzen, war trotzdem einschüchternd. Mein Leben verlief immer ein wenig holprig.

Woher nahmen Sie die Motivation für einen Wandel und was hat sich seitdem verändert? 
Meyer: Die Motivation war immer schon da, aber ich sah keinen Weg. Herr Peter schlug mir vor, vor der Koch-Ausbildung erst mal Fachkraft für Gastronomie zu lernen, weil das nicht so schwer ist. Irgendwie habe ich geahnt, dass das der Weg zum Ziel ist. Ich wurde Gastronomie-Fachmann, jetzt koche ich für meine Abschlussprüfung ein Drei-Gänge-Menü. Der lange Weg hat sich gelohnt, die Zeit verging schnell. Früher war ich ein dicker, fauler Schüler. Heute ist es anders; ich habe einen Beruf, den ich liebe. Sogar in der Schule bin ich erfolgreich. Ich bin selbstbewusster geworden und kann nun Verantwortung übernehmen. Auch meine Einstellung zu Lebensmitteln hat sich um 180 Grad gedreht. Damals habe ich nur Fast Food gegessen, jetzt gehe ich auf den Wochenmarkt, achte auf gute Qualität und Herkunft der Lebensmittel. Aber zu Chips greife ich manchmal trotzdem, das gehört ja irgendwie zu einer gesunden Balance dazu.

Sie möchten Menschen mit steiniger Vergangenheit eine Chance geben. Wie kam es zu diesem Anliegen?
Peter: Als kleines Hotel ist man für Bewerber oft die zweite Wahl, alle wollen von den großen Ketten ausgebildet werden. Für Menschen, die es bisher schwer hatten, ist das aber oft der falsche Weg. In großen Hotels ist keine Zeit für kleine Details, da zählt die Gesamtleistung. Wer nicht funktioniert, ist raus. Ich will solchen Menschen eine Chance geben, denn wer in einem Bereich Defizite hat, hat wo anders irgendein Talent. Darauf will ich eingehen. 

Stand für Sie schon immer fest, dass Sie Koch werden wollen? Wieso haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?
Meyer: Nein, absolut nicht. Ich habe nie einen Gedanken daran verschwendet, mein großes Interesse galt den Autos und ich wollte unbedingt Kfz-Mechatroniker werden. Ich habe viele Praktika in dem Bereich absolviert, war damit aber nicht glücklich. Ich habe spät erkannt, dass das Kochen meine Leidenschaft ist, obwohl ich schon als Kind bei jeder Gelegenheit mit meiner Oma am Herd stand. Eine einzige Bewerbung habe ich deshalb verschickt - die ging ans Hotel Peters, weil meine Großeltern immer davon schwärmten. Ich durfte an Silvester Probe arbeiten, kam direkt vom Minijob als Zeitungsausträger und Herr Peter sagte mir, dass ich nicht bis zum Ende bleiben müsse. Aber das bin ich, weil es so viel Spaß gemacht hat, in der Küche zu stehen und Gäste zu bedienen. Da war mir klar: Das ist mein Beruf!

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf am meisten? Und gibt es Dinge, die Sie am Koch-Dasein stören?
Meyer: Ich liebe es, zu kochen, kreativ zu sein und mir neue Gerichte auszudenken. Natürlich gibt es auch schlechte Tage, aber das liegt nicht am Beruf, sondern an mir selbst. Manchmal bin ich unkonzentriert, will alles auf einmal machen und dadurch passieren Missgeschicke. Da klebt mir der Dreck an den Fingern und es gelingt nichts mehr. Aber wenn ein Gast zu mir sagt, dass ihm mein Essen schmeckt, bin ich glücklich.

Die Abbruchquote in der Gastronomie ist sehr hoch. Wie sorgen Sie dafür, dass Ihre Auszubildenden nicht aufgeben?
Peter: Wertschätzung ist motivierend. Deshalb geben wir den Azubis die Chance, ihr Können bei Veranstaltungen zu präsentieren. Außerdem ist persönliche Unterstützung wichtig. Maxi rief zum Beispiel eines Abends mehrfach an, doch ich konnte ihn erst später zurückrufen. Da erzählte er mir, dass er in der Berufsschule eine Eins geschrieben hat. Ich sagte: ,,Toll, Maxi, aber das hätte doch bis morgen warten können.'' Und er antwortete: ,,Nein, Herr Peter, Sie verstehen nicht. Es ist die erste Eins in meinem ganzen Leben!'' Für ihn war es ein riesiger Erfolg, also besorgte ich als Überraschung eine Benjamin-Blümchen-Torte und informierte das ganze Team. Keiner hat verstanden, warum die Eins ein Grund zum Feiern war, aber Maxi strahlte vor Stolz, als ich ihm die Torte überreichte. Die anderen Azubis forderten danach natürlich auch für jedes ,,sehr gut'' eine Torte, aber wenn eine rosa Elefanten-Torte sie zur Bestform bringt, ist das doch toll. Seitdem gibt es für jede Eins eine Torte.

Eine Ausbildung in einem Hotel-Restaurant der gehobenen Klasse ist sicherlich nicht einfach. Was müssen junge Leute mitbringen, um einen ähnlichen Weg erfolgreich zu gehen?
Meyer: Man muss bereit sein, sich aufzuopfern. Das Geld, die Freizeit, Privates - das muss hinten angestellt werden. Leidenschaft muss man mitbringen, alles andere kommt von allein. Wenn man ein nettes Team hat und respektvoll miteinander umgeht, egal, welche Religion, Hautfarbe, Sexualität oder Vergangenheit man hat, macht der Job Spaß, ob Sterne-Hotel oder nicht.

Haben Sie vor, in der Wingst zu bleiben oder möchten Sie, wie Ihr Chef auch in jungen Jahren, etwas von der Welt sehen und andere Küchen erleben?
Meyer: Natürlich gibt es einige Orte, die ich gerne bereisen würde, aber mein Zuhause ist hier. Ich fühle mich in dieser Küche wirklich wohl, obwohl ich mit Abstand der älteste Auszubildende bin, und kann mich auf jeden verlassen. Herr Peter übernimmt mich nach meiner Ausbildung, das ist für mich eine riesige Ehre. Außerdem wohnt hier meine Familie, ohne die ich nicht leben könnte. Deswegen bleibe ich vorerst in der Wingst.

Welchen Tipp würden Sie perspektivlosen, jungen Menschen geben - und welchen Tipp Arbeitgebern, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken?
Peter: Wenn man viele Berufe ausprobiert, findet man irgendwann seine Leidenschaft. Ich glaube nämlich nicht, dass es perspektivlose Menschen gibt. Vielen fehlt einfach jemand, der sie motiviert. Und das wäre mein Tipp an Arbeitgeber: Junge Menschen brauchen Zeit zum Wachsen, Motivation und ein respektvolles Miteinander, in dem sie wertgeschätzt werden. Wenn ihnen all das geboten wird, wird es funktionieren, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

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