"Gesundheit muss Vorrang haben": Insolvenzantrag für Wingster Hotel Peters gestellt
Ein Traditionshotel in der Wingst steht vor einem neuen Kapitel: Für das "Peters - Das Genusshotel in der Wingst" wurde ein Insolvenzantrag gestellt. Dahinter stecken gesundheitliche Herausforderungen.
Es war kurz vor der Jahrhundertwende: Im Dezember 1899, wurde in der Wingst ein Bahnhofshotel fertiggestellt. Mehr als ein Jahrhundert später ist aus dem Haus ein fester Anker der regionalen Gastlichkeit geworden, und nun steht es an einem Wendepunkt. Der Hotel- und Restaurantbetrieb "Peters - Das Genusshotel in der Wingst" hat einen Insolvenzantrag gestellt.
Am Freitagmittag (23. Oktober 2026) ging der Antrag nach Informationen von cnv-medien.de beim Amtsgericht Cuxhaven ein. Der Grund ist für die Familie kein wirtschaftlicher, sondern ein menschlicher: Betreiber Claus Peter ist gesundheitlich angeschlagen und braucht Zeit für Genesung und Rehabilitation. Offizieller Insolvenzgrund ist drohende Zahlungsunfähigkeit. Eine Eigenverwaltung wurde nicht beantragt.
Seit Jahrzehnten wird das Haus von einer Familie geprägt. Claus Peter übernahm den Betrieb im Jahr 1998 von seinen Eltern. Die Eltern blieben in den folgenden Jahren aktiv im Unternehmen und begleiteten den Generationswechsel mit Erfahrung und Rückhalt. So wurde aus einem traditionsreichen Gebäude ein Ort, der über die Region hinaus bekannt wurde.

Seit 30 Jahren arbeitet Claus Peter im Betrieb, inzwischen führt er das Hotel und Restaurant in dritter Generation. Besonders am Herzen liegt ihm die Nachwuchsförderung. Auszubildende bekamen bei ihm früh Verantwortung und wurden ermutigt, an Wettbewerben teilzunehmen, bei denen er sie selbst begleitete. Auch seine Kochduelle mit ehemaligen Auszubildenden, die inzwischen in der weiten Welt arbeiten, haben dem Haus einen Namen gemacht.
"Die notwendige Genesung und Rehabilitation werden einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen", heißt es vonseiten der Familie. Eine verantwortungsvolle Führung des Hotel- und Restaurantbetriebs sei unter diesen Umständen derzeit nicht möglich. Die Insolvenz sei daher ein schwerer, aber notwendiger Schritt, um den gesundheitlichen Herausforderungen angemessen begegnen zu können.
"Der Betrieb ist weit mehr als ein Unternehmen für mich"
Claus Peter selbst findet deutliche Worte: "Diese Entscheidung zählt zu den schwierigsten meines Lebens. Der Betrieb ist weit mehr als ein Unternehmen für mich. Er ist Teil unserer Familiengeschichte. Dennoch muss ich mir eingestehen, dass die Gesundheit jetzt Vorrang haben muss."
Sohn Hendrik Peter, 30 Jahre alt und mit Finanzhintergrund, steht seinem Vater in dieser Zeit eng zur Seite. "Papa und ich sind viel in Abstimmung", betont er im Gespräch mit der NEZ/CN-Redaktion. Der Betrieb lebe vom Familiären, und die Familie leide sichtbar unter der Situation. Unterstützung finden sie bei Claus Peters Schwester und ihrem Ehemann.

Trotz der Insolvenz steht der Betrieb nach Angaben der Familie gut da. Die Auslastung sei gut, die Gehälter für Oktober seien vollständig gezahlt worden, und auch alle Partnerbetriebe seien bezahlt worden. Die Gläubiger hätten dabei Vorrang, betont die Familie.
22 Mitarbeiter gehören zum Betrieb. Bei einer Betriebsversammlung am Montag (26. Oktober 2026) erläuterten Claus Peter und die stellvertretende Geschäftsführerin Ute Köster die Situation. Die Reaktionen seien emotional gewesen, berichtet Hendrik Peter. "Damit hat keiner gerechnet." Gleichzeitig habe er eine große Geschlossenheit gespürt. Viele Mitarbeiter seien dem Betrieb im Laufe der Zeit treu geblieben, einige seit über 30 Jahren.
Hotel Peters vor Insolvenz: Bar offen, Restaurant geschlossen
In den nächsten zwei Wochen läuft das Haus in abgespeckter Form weiter. Die Bar öffnet, der Hotelbetrieb läuft, und an bestimmten Tagen gibt es weiterhin Frühstücksbuffet. Das Restaurant "Oehlschläger Stube", benannt nach dem Heimatmaler Mario Oehlschläger, bleibt dagegen geschlossen. Auch die Weihnachtsfeiern müssen nach aktuellem Stand abgesagt werden. Denn bei großen Events stand bisher Claus Peter selbst in der Küche. Heute sind nur noch zwei Auszubildende und ein Geselle übrig. "Damit würde es schwierig, der hohen Erwartung der Gäste gerecht zu werden", bedauert Hendrik Peter.
Wie es danach weitergeht, ist offen. Die Familie will dem Insolvenzverwalter zeigen, dass das Haus funktionierende Strukturen und eine Zukunft hat. "Wir wollen uns proaktiv mit dem Insolvenzverwalter zusammensetzen, damit es weitergeht", sagt Hendrik Peter. "Es liegt uns etwas daran, gemeinsam eine Lösung zu finden."
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