Bitte nicht reden - ich werde sonst älter...
Seit Jahren begeistert die Kolumne "Moin Cuxhaven" die Leserinnen und Leser der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung. Inzwischen sorgt die Rubrik auch auf cnv-medien.de für Unterhaltung. Heute: Nervensägen lassen uns schneller altern.
Bislang war es nur ein diffuses Gefühl. Denn beweisen lässt sich so etwas ja nicht so leicht. Aber viele dürften ihn kennen: diesen kleinen Alterungsschub nach endlosen Diskussionen. Etwa wenn sich ein Elternabend daran abarbeitet, ob Zucker im Pausensnack schon Kindeswohlgefährdung ist. Oder wenn in einer Konferenz jeder schon geredet, aber noch keiner etwas gesagt hat. Oder wenn beim Grillfest jemand lautstark den Untergang des Abendlandes verkündet, während er sich noch eine Bratwurst nachlegt. Zack, wieder ein paar Jahre drauf.
Was wir bisher nur ahnten, wird nun von einer wissenschaftlichen Studie untermauert: Dauerhaft anstrengende Mitmenschen können uns Jahre unseres Lebens kosten. Ein Forschungsteam der University of Indiana in den USA hat 2345 Menschen befragt und herausgefunden, dass wir schneller altern, wenn uns bestimmte Personen im Alltag ständig auf die Nerven gehen. Der körperliche Verfall beschleunigt sich demnach im Schnitt um 1,5 Prozent pro toxischer Beziehung. Umgerechnet kommen da durchschnittlich neun Monate biologische Lebenszeit zusammen.
Was also tun? Kontakt abbrechen wäre eine Möglichkeit, gesellschaftlich jedoch leicht unhöflich. Bleibt die Flucht nach innen. Tief durchatmen, freundlich lächeln und sich denken: Das kostet mich gerade zwei Minuten Lebenszeit. Oder drei. Oder ein halbes Jahr. Oder wir führen einfach ein neues Warnsystem ein: "Achtung, dieses Gespräch kann Ihre Lebenszeit verkürzen."